Neues Forumspiel "Allein gegen alle" & Gedanken zur Partie

    • In diesem Posting, das ich von Zeit zu Zeit mit den gespielten Partiezügen aktualisieren werde, schreibe ich ein paar Gedanken zum Partieverlauf. Zusammen mit dem Hauptthread, in dem die Alle-Spieler ihre Ideen diskutieren, haben wir also eine Art "Geschwätzblitz", bei dem beide Seiten parallel ihre Kommentare zur Partie abgeben.

      Schroeder - forumuser
      Beratungspartie "Allein gegen Alle"

      1. e4 c5 2. Sf3 Sc6 3. d4 cxd4 4. Sxd4 g6



      Der beschleunigte Drache. Schwarz stellt den Zug d7-d6 zunächst zurück und liebäugelt mit der Idee, den zentralen Gegenstoß d7-d5 in einem Rutsch durchzusetzen. Eine weitere wesentliche Idee, die für viele Schwarzspieler den Charme dieser Drachen-Version ausmacht, besteht darin, daß Weiß jetzt nicht den Übergang in den "Jugoslawischen Angriff" mit langer Rochade und Angriff gegen den schwarzen König durchsetzen kann:

      5.Sc3 Lg7 6.Le3 Sf6 7.Lc4 Da5
      (nach 7.-0-0 8.Lb3 d6 9.f3 Ld7 10.Dd2 wären wir mit Zugumstellung in einer der Hauptvarianten des "normalen" Drachen)
      8.0-0
      (Alles andere ist schwächer: a) 8.Dd2? Sxe4! 9.Sxc6 Dxc3! und Schwarz hat einen Bauern gewonnen; b) 8.Sb3? Db4 bringt Weiß in Schwierigkeiten;
      c) 8.f3 Db4 9.Lb3?! Sxe4! galt lange Zeit ebenfalls als günstig für Schwarz, aber Weiß kann besser mit 9.Sxc6 abweichen)
      8.-0-0, und wir sind in einer Variante des "Klassischen Drachen", also der Aufstellung mit weißer kurzer Rochade, gelandet. Mancher Schwarzspieler fühlt sich hier wohler als in den taktisch scharfen Stellungen des jugoslawischen Angriffes.

      Also ist der Zug 4.-g6 die eierlegende Wollmilchsau? Leider nicht ganz. Der Nachteil des Zuges: Weiß wird nicht gezwungen, sich den c-Bauern durch den Deckungszug Sc3 zu verstellen und hat dadurch eine positionell nachhaltige Aufstellung zur Verfügung, die auf den ungarischen GM Geza Maroczy zurückgeht:

      5. c4

      Der Maroczy-Aufbau, der eine feste Kontrolle über das Zentrumsfeld d5 errichtet und schwarzes Gegenspiel erschwert. Weiß legt sich damit praktisch auf die kurze Rochade fest, denn eine lange Rochade wäre mit dem Bauern c4 zu luftig.

      5.-Lg7

      Eine populäre Fortsetzung, die von manchen Fernschachspielern erfolgreich praktiziert wird, ist die Gurgenidse-Variante 5.-Sf6 6.Sc3 Sxd4 (oder 6.-d6 7.Le2 Sxd4 8.Dxd4) 7.Dxd4 d6 8.Le2 Lg7. Der Abtausch auf d4 erfolgt also zu einem Zeitpunkt, wo Weiß mit der Dame wiedernehmen muß.

      6. Le3 Sf6 7. Sc3



      7.-Sg4

      Diese Variante wird in der englischsprachigen Literatur als "Exchange Variation" bezeichnet, weil es jetzt zu einem Abtausch des schwarzen Sg4 gegen den weißen Sd4 kommt. Der Zug geht auf GM Wladimir Simagin zurück, der ihn 1952 in die Praxis einführte. Er war bis in die 80er Jahre recht beliebt (auch ich habe ihn als Schwarzer im Nah- und Fernschach häufig gespielt), hat dann aber aus nachvollziehbaren Gründen an Popularität verloren zugunsten von 7.-0-0 (oder 7.-d6 nebst 8.-0-0), was in den letzten Jahren von Top-Spielern wie Radjabov, Topalov und Svidler bevorzugt wurde.

      Ich hatte gegen die Hauptvariante (7.-0-0 oder 7.-d6) immer große Schwierigkeiten, einen weißen Vorteil nachzuweisen. Von daher war ich von der Wahl des Alle-Teams (7.-Sg4) angenehm überrascht.

      8. Dxg4

      8.Sxc6? Sxe3 9.Sxd8 Sxd1 10.Txd1 Kxd8 überläßt dem Schwarzen das Läuferpaar und kommt im Vorteilssinne überhaupt nicht in Betracht.

      8.-Sxd4 9. Dd1 Sc6

      Dieser Springerrückzug gilt als etwas zu passiv. Schwarz hat 2 populärere Alternativen:

      a) 9.-Se6 (von Larsen und Petrosjan bevorzugt und von den 3 Alternativen der am meisten gespielte). Schwarz stellt seine Dame nach a5 und läßt b6 und Lb7 folgen und/oder verfolgt eine schwarzfeldrige Strategie (mit Zügen wie g6-g5 und Lg7-e5).

      b) 9.-e5 wurde von David Levy in dem Buch "Sicilian Accelerated Dragons" von 1976 (eines meiner ersten Schachbücher), an dem ich mich zu der Zeit stark orientiert habe, empfohlen und mit Rufzeichen versehen. Der Zug gilt auch heute noch - trotz der Schwächung des Feldes d5 - als spielbar.

      10. Tc1 d6 11. Le2 Le6 12. O-O



      Ich erwarte jetzt in etwa folgenden Fortgang der Partie: 12.-0-0 13.Dd2 Da5 14.b3 (oder 14.Tfd1) mit angenehmer leicht besserer Stellung für Weiß. Schwarz wird einen der Hebel b7-b5 (unwahrscheinlich, weil schwer durchzusetzen) oder (wahrscheinlicher) f7-f5 anstreben, um Gegenspiel zu bekommen. Gleichzeitig wird durch f7-f5 aber auch die schwarze Stellung geschwächt, und der weiße Läufer, der dann nach f3 geht, wird auf der sich öffnenden Diagonale h1-a8 aufgewertet. Ich sehe dem weiteren Verlauf zuversichtlich entgegen und freue mich, daß unter der Federführung von Hajoja und Köhler (großes Lob an beide!) eine gehaltvolle Diskussion entstanden ist, die eine für Teilnehmer und Zuschauer interessante Partie erwarten läßt.

      12.-0-0 13.Dd2 Da5 14.Tfd1 Tac8

      Damit legt sich Schwarz praktisch auf den Hebel f7-f5 fest. Denn um b7-b5 durchzusetzen, würde der schwarze Damenturm nach b8 gehören.

      15.b3



      Jetzt sind c4 und a2 zuverlässig gedeckt, und ich habe meine Figuren harmonisch aufgestellt. Der weitere Fortgang wird wesentlich davon abhängen, ob das Alle-Team den Hebel f7-f5 sofort ansetzt oder noch zurückstellt. Im letzteren Falle sehe ich jedoch kaum sinnvolle Wartezüge, die die schwarze Stellung verbessern. Der Zug a7-a6 hat immer den Nachteil, daß das Feld b6 geschwächt wird. Ich kann dies vermutlich mit einem richtig getimeten Sd5 oder Sa4 ausnutzen. Hier sehen wir einen Nachteil der schwarzen Springerstellung auf c6 (siehe Kommentar zum 9. Zug). In der Gurgenidse-Variante beispielsweise ist das Feld in vergleichbaren Stellungen kein Problem für Schwarz, weil es sich mit Zug Sf6-d7 unter Kontrolle bringen läßt.

      15.-f5 (!)

      Für mich der plausibelste Zug, aber im Alle-Team die bisher knappste Entscheidung, die durch Elomehrheit bei 2:2 Stimmen zustandekam. Die knapp geschlagene Alternative war 15.-a6.

      16.exf5 Dxf5

      Das Alle-Team hat durch den Gegenstoß 15.-f5 meinen Mittelbauern e4 abgetauscht, aber auch eine leichte Verschlechterung der schwarzen Bauernstruktur in Kauf genommen. Jetzt hat Schwarz drei Bauerninseln (a7,b7 + d6,e7 + g6,h7) gegenüber nur zwei weißen Bauerninseln (a2,b3,c4 + f2,g2,h2). Das bedeutet, daß die schwarzen Bauern bis ins Endspiel hinein etwas anfälliger sein werden als die weißen, die sich leichter gegenseitig decken können.

      Das Wiedernehmen mit der Dame war wohl dadurch motiviert, daß der nach 16.-Lxf5 17.Dd5+ mögliche Damentausch vermieden werden sollte. Ich bin aber gar nicht sicher, ob das eine gute Idee für mich gewesen wäre. Schließlich steht nach dem Aufzug des f-Bauern der schwarze König etwas luftiger als der weiße, was eher dafür spricht, die Damen auf dem Brett zu behalten. Ich denke, ich hätte nach 16.-Lxf5 eher mit 17.Lf3 fortgesetzt.

      17.Sd5



      Mein Läufer e2 kann jetzt nach f3 auf die lange Diagonale wechseln. Ich kann den Zug Lf3 direkt spielen oder ihn raumgreifend mit f2-f4 vorbereiten, was den Vorteil hätte, daß der Lf3 dann nicht mit Se5 belästigt werden kann. Diese Entscheidung stelle ich gern zurück, da ich zunächst mal einen auf der Hand liegenden Springerzug auf das schöne Zentralfeld nach d5 habe. Der Sc3 hat sicher kein besseres Feld als d5, also spiele ich den Zug gleich und behalte mir alle weiteren Optionen (mit oder ohne f2-f4) vor.

      17.-Df7

      Zum zweitenmal ein Zug, der sich nur dank Elomehrheit bei Stimmengleichheit vor der (für mich ebenso plausiblen) Alternative 17.-b6 durchsetzte.

      18.f4

      Steckt weiteren Raumvorteil am Königsflügel ab und kontrolliert das Feld e5. Dieser Bauer kann bei Bedarf mit g3 gedeckt werden, ich kann aber auch unter Umständen mit späterem g2-g4 am Königsflügel aktiv werden.

      18.-Lf5 19.Lf3

      Schwarz wird in den nächsten Zügen vermutlich versuchen, meinen Zentralspringer mit e7-e6 zu vertreiben oder mit e7-e5 die Stellung im Zentrum zu öffnen. Beides hätte zwar den Nachteil, daß der Bauer d6 geschwächt wird, aber die Stellung wird dann sehr konkret, und es ist Variantenberechnung angesagt. Bisher haben sich beide Armeen ja nur aus der Ferne beäugt, und alle gespielten Züge ließen sich aus allgemeinen positionellen Erwägungen heraus machen. Demnächst könnte es zum erstenmal zu direkten Kampfhandlungen kommen.

      19.-Tcd8 20.b4

      Ich kann die Aufstellung meiner Figuren nicht weiter verbessern und muß nun eine Entscheidung treffen, auf welcher Brettseite ich aktiv werden will. g2-g4 bringt derzeit nicht viel ein und schwächt meine eigene Königsstellung, aber es bietet sich der Vormarsch des b-Bauern an. Unmittelbare Drohung ist jetzt b4-b5.

      20.-e5!

      Sichert dem Sc6 im Falle seiner Vertreibung ein Feld auf d4 und ist vermutlich die einzig gute Antwort auf meinen b-Bauernvorstoß. Schlecht wäre dagegen 20.-b6? gewesen, was dem Sc6 die Bauerndeckung entzieht und nach 21.Sxb6 einen Bauern kostet.

      21.b5 Sd4

      Schlecht wäre die Einschaltung von 21.-exf4?, was nach 22.Sxf4 Se7 (auf andere Springerzüge folgt tödlich 23.Ld5) 23.Lxb7 einen Bauern kostet.

      22.Lxd4 exd4



      In den letzten Zügen hat sich eine wesentliche Veränderung der Bauernstruktur ergeben. Der schwarze e-Bauer ist verschwunden, somit ist die e-Linie jetzt die einzige offene Linie. Der weiße Sd5 jetzt nicht mehr durch Bauern zu vertreiben. Schwarz hat einen Freibauern auf d4 erhalten, der weiße Figuren bindet, aber im späteren Verlauf vielleicht auch zum Angrifsobjekt werden könnte. Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich jetzt mit 23.Te1 oder 23.a4 fortsetzen soll.

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    • 23.a4

      Der Vormarsch des a-Bauern soll Schwächungen am schwarzen Damenflügel provozieren. Eventuell könnten sich im Endspiel auch einmal Durchbruchtricks ergeben.

      23..-Tde8

      Schwarz besetzt die e-Linie als erster mit einem Turm. Da dieser momentan noch keine Einbruchsfelder im weißen Lager hat, muß ich nicht zwingend sofort mit 24.Te1 einen Turm opponieren, sondern kann zunächst mein Spiel am Damenflügel vorantreiben. Die Möglichkeit zu Te1 werde ich auch einige Züge später noch haben.

      24.a5 Dd7 25.b6



      Ich habe mich für diesen Bauernvorstoß entschieden, um
      a) mir das Springerfeld auf c7 zu sichern
      b) den Bauern b7 festzulegen, der indirekt durch meinen Lf3 angegriffen ist
      c) nach einer möglichen Öffnung der a-Linie (25.-axb6 26.axb6) eventuell mit meinem unterbeschäftigten Tc1 in die a-Linie schwenken zu können.

      Der andere Vorstoß 25.a6 ist ebenfalls nicht ganz von der Hand zu weisen. Nach 25.-bxa6 26.bxa6 bestünde die Möglichkeit eines Springermarsches Sd5-b4-c6, aber die damit verbundenen Möglichkeiten scheinen mir doch zu vage zu sein, um Schwarz in Bedrängnis bringen zu können.

      25.-axb6 26.axb6 d3!

      Ein guter Zug, mit dem der Lg7 aktiviert wird. Ein Turmschwenk nach a1 ist für mich nun nicht mehr möglich. Außerdem muß ich jetzt mit dem Läuferschach Ld4+ rechnen. Ich beschäftige mich jetzt mit 4 Kandidatenzügen: 27.Sc7, 27.Te1, 27.Df2 und 27.Kh1.

      Da die Stellung jetzt sehr scharf geworden ist und viel konkrete Variantenberechnung erfordert, werde ich ab jetzt bis zum Partieende nicht mehr in den Hauptthread schauen. Die Forumuser sollen dort ungestört ihre Ideen diskutieren können, ohne Angst haben zu müssen, Varianten oder Ideen an mich preiszugeben.

      27.Sc7

      Nach eingehender Analyse erscheint mir dieser Zug als die konsequente Fortsetzung meines bisherigen Spiels. Der Springer macht unter Tempogewinn (Angriff gegen den Te8 ) die Hauptdiagonale frei und unterbricht die Deckung des Bauern b7 durch die schwarze Dame, so daß dieser jetzt zu fallen droht.

      Die Alternativen:
      a) 27.Te1 führt zu einem Abtausch aller Türme in der e-Linie, z.B. 27.-Ld4+ 28.Kh1 Txe1 29.Txe1 Te8 30.Txe8+ Dxe8 31.h3 Kf7, und die Stellung dürfte etwa ausgeglichen sein.
      b) 27.Df2 verhindert zwar das Läuferschach auf d4, aber die Stellung der Dame auf f2 fühlt sich für mich intuitiv falsch an. Die Prüfung der Varianten nach den schwarzen Antworten 27.-Da4 oder 27.-Kh8 ergaben für mich auch keine wirklich überzeugende Fortsetzung.
      c) 27.Kh1 ist ein nützlicher Prophylaxezug, der ebenfalls stark in Betracht kam und der wahrscheinlich nach 27.-Ld4 (jetzt oder in den nächsten Zügen) mit Zugumstellung zu Varianten führt, die auch nach dem Partiezug 27.Sc7 entstehen können.

      27.-Ld4+

      Das Läuferschach sieht selbstverständlich aus, aber der Läufer ist auf d4 auch anfällig angesichts der Möglichkeit Dd2-a5-d5+. Von daher kam auch 27.-Te7 in Frage. Darauf hatte ich 28.Lxb7 Te2 29.Da5 Tb8 30.Ld5+ (30.Da7? Txb7! 31.Dxb7 Le4 -+) 30.-Kh8 31.Sb5 geplant. Weiß sollte Vorteil haben, aber die Stellung bleibt kompliziert.

      28.Kh1

      Es ist eine kritische Stellung entstanden, in der ich sehr gespannt bin auf den nächsten schwarzen Zug.



      28.-Le3 (!)

      Auf diesen Zug hatte ich gehofft und geglaubt, daß die folgende Abwicklung vorteilhaft für mich sei. Nachdem der Zug auf dem Brett ist und ich die Varianten nochmal überprüft habe, komme ich aber zu dem Ergebnis, daß Schwarz damit absolut vollwertiges Spiel erhält.

      Der Zug sieht auf den ersten Blick sehr riskant aus, weil der Läufer die Kontrolle über die Nebendiagonale (a1-h8 ) aufgibt. Als Folge wird der schwarze König nun ins Kreuzfeuer der weißen Figuren geraten - anscheinend kann er sich das aber erlauben.

      Um die Gefährdung des Königs zu vermeiden, wäre 28.-Te7 in Betracht gekommen, was ich als Hauptvariante angesehen hatte. Darauf wollte ich mit 29.Lxb7 den b-Bauern einkassieren, und nach 29.-Te2 30.Da5 (mit der Drohung Dd5+) wäre eine schwer einzuschätzende Stellung mit weißem Mehrbauern entstanden, in der Weiß besser stehen dürfte, Schwarz aber mit seinen aktiven Figuren und dem gefährlichen Freibauern auf d3 sicher nicht chancenlos ist.

      29.Ld5+

      29.Dc3 (um dem schwarzen König erst das Fluchtfeld g7 zu nehmen und jetzt Ld5+ zu drohen) funktioniert wunderbar nach 29.-Lxc1? 30.Ld5+, und Weiß erhält in allen Varianten ein Materialplus. Aber Schwarz hat die starke Antwort 29.-Te4!. Der Turm ist tabu, denn nach 30.Lxe4? Lxe4 ist der schwarze Le4 ein Monster, und es wird höchst ungemütlich für den weißen König.

      29.-Kh8

      Schwarz verliert in jedem Fall eine Qualität, behält aber als Gegengewicht sein starkes Läuferpaar und den gefährlichen Freibauern auf d3. Die andere Möglichkeit war 29.-Kg7 30.Sxe8+ Txe8 31.Db2+ Kh6 32.Ta1 mit schwer einzuschätzender Stellung. Die schwarze Majestät sieht im Exil auf h6 etwas merkwürdig aus, steht dort aber recht sicher.

      In der Partie kann jetzt nach 30.Dc3+ Dg7 31.Sxe8 Txe8 32.Dxg7+ Kxg7 33.Ta1 das gleiche Materialverhältnis (2 Türme + Läufer gegen Turm + 2 Läufer) entstehen, nur daß die Damen schon vom Brett verschwunden sind.

      Bevor ich 30.Dc3+ spiele, will ich aber noch die ebenfalls interessante Möglichkeit 30.Db2+ Dg7 31.Db5 prüfen.

      30.Dc3+

      Wenn ich dem Damentausch ausweichen will, ist 30.Db2+ Dg7 31.Db5 die einzig sinnvolle Möglichkeit. Die Folge 31.-Lxc1 32.Sxe8 Dd4! gefällt mir aber nicht. Die zentralisierte schwarze Dame im Verbund mit dem Bauern d3 ist eine Großmacht. Eine mögliche Variante wäre dann 33.Txc1 d2 34.Td1 Lc2 35.Lf3 (35.Txd2? Da1+ wird Matt) 35.-Lxd1 36.Lxd1 Da1 37.Da4 Dxa4 38.Lxa4 Txe8 mit Gewinn für Schwarz.

      30.-Dg7 31.Sxe8 Txe8 32.Dxg7+ Kxg7 33.Ta1



      Die erwartete Abwicklung ist aufs Brett gekommen, und es ist ein Endspiel entstanden, in dem Schwarz keinesfalls schlechter steht.

      33.-d2!

      Wieder ein guter Zug. Jetzt unterstützt der Bauer spätere Grundreihendrohungen (Turmschach auf e1). Andere Züge hätten mir keine Probleme gemacht:
      a) 33.-Lxb6 (oder 33.-Lxf4) wird mit 34.g4 beantwortet, und es gelingt mir, den Bauern d3 zu beseitigen.
      b) 33.-Ld4 34.Ta2, und der d-Bauer stellt keine unmittelbare Gefahr für mich dar.

      34.Lf3

      Soweit ich sehe, der einzige Zug, der die weiße Stellung hält. So verliert beispielsweise das gierige 34.Lxb7? wegen 34.-Ld4. Auch 34.g3? ist aus dem gleichen Grunde unzureichend (34.-Ld4 -+).

      34.-Ld4

      Das forciert den Rückgewinn der Qualität und den Übergang in ein Endspiel mit ungleichfarbigen Läufern. Andere Möglichkeiten:
      a) 34.-Lc2 35.g3 Ld4 (35.-Lxd1 36.Txd1 führt zu einem Endspiel ähnlich dem in der Partie) 36.Txd2 Lxa1 37.Txc2 Auf Kosten der Qualität wurde der Freibauer beseitigt, die Stellung ist ausgeglichen.
      b) 34.-Lxf4 35.g3 und auch hier ist die Stellung im Gleichgewicht.

      35.g4

      Wieder der einzige Zug. Ich mache meinem König ein Luftloch und greife gleichzeitig den Lf5 an. Den Ta1 kann ich nicht in Sicherheit bringen, denn Turmzüge scheitern an der Grundreihenschwäche.

      35.-Lxa1

      35.-Lc2 kann wieder mit 36.Txd2 und Gegenangriff gegen den Lc2 beantwortet werden. Und 35.-Le4 36.Lxe4 Txe4 37.Tab1 sollte ebenfalls ausgeglichen sein.

      36.gxf5 Te1+ 37.Kg2 Lc3 38.Kf2

      Die weiße Stellung ist schwierig zu verteidigen. Das normal aussehende 38.fxg6? ist schlecht wegen 38.-Kxg6!, und der schwarze König dringt über f5 in die weiße Stellung ein. 39.Lg4 hält ihn nur vorübergehend auf wegen 39.-h5 40.Lf3 Kf5 -+. Deshalb lasse ich lieber zu, daß Schwarz mit gxf5 meinen f-Bauern schlägt (und dann einen Mehrbauern hat), was dem schwarzen König aber die Marschroute über f5 verstellen würde.

      38.-La5

      Die Forumuser wollen offenbar in Ruhe meinen b-Bauern verspeisen und verschmähen das Angebot, den Bauern f5 zu nehmen. Vermutlich zu Recht, denn das läßt wie gesagt die Einflugschneise über f5 für den schwarzen König offen.

      Die Stellung ist nun sehr schwierig für mich und erfordert umfangreiche Analyse. Bis Dienstag bin ich außerdem in einem (Real)-Schachturnier aktiv (hsk1830.de/pages/turniere/elo-turnier/14/elo-turnier14.htm). Werde deshalb voraussichtlich erst in einigen Tagen wieder ziehen.

      39.fxg6 Kxg6 40.Le2



      Dieses Brückenbaumanöver ermöglicht meinem König den Zugang nach e3 und scheint mir der einzige erfolgversprechende Verteidigungsplan zu sein. Der König kann dann zwischen e3 und f3 pendeln und dem schwarzen König, der auf f5 erscheinen wird, den Weg versperren. Wegen dieser Möglichkeit durfte das Schlagen auf g6 erst im 39. Zug erfolgen, nicht aber einen Zug früher.

      40.-Lxb6+ 41.Kf3 La5

      Der Läufer muß nach a5 zurückkehren, um den Bauern d2 zu decken. Er kann mir also nicht dauerhaft den Zutritt nach e3 verwehren.

      42.Ke3 Kf5 43.h4

      Am Königsflügel gibt es kein Durchkommen für den schwarzen König. Ich nehme an, daß Schwarz jetzt mit 43.-Ke6 nebst d5 meinen c-Bauern abtauschen wird, um sich einen freien b-Bauern zu verschaffen.

      43.-h6 44.h5

      Die letzten Bauernzüge stellen ein kleines Intermezzo dar, das nichts wesentliches an der Stellung verändert hat. Mein h-Bauer steht auf h5 möglicherweise etwas besser als auf h2, weil er jetzt vom Läufer gedeckt ist. Es sind Endspielszenarien denkbar, wo dieser kleine Unterschied in der Stellung von Bedeutung sein könnte.

      Die h-Bauern sind nun blockiert und fallen ab jetzt als Tempoquelle aus, was jedoch keine große Rolle spielt. Mein König kann ja zwischen e3 und f3 pendeln und damit eine Zugzwangsituation vermeiden.

      Ich gehe nach wie vor davon aus, daß Schwarz jetzt den Abtausch meines c-Bauern mittels Ke6 und d6-d5 anstreben wird, denn ein anderer Plan für Schwarz ist nicht zu sehen.

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    • 44.-Lc3 45.Kf3 Ke6 46.Ke3 d5 47.cxd5+ Kxd5 48.Kd3



      Mein König hat es mit bischöflicher Hilfe (der Le2 stellt sich als Brücke zur Verfügung) geschafft, den unüberwindlich scheinenden Fluß namens e-Linie zu überschreiten und leitet jetzt vom linken Flußufer aus persönlich die Abwehrschlacht. Wäre der König noch auf dem rechten Ufer, wäre meine Stellung hoffnungslos. Schwarz würde durch den Vormarsch seines jetzt freien b-Bauern die Partie mühelos gewinnen. Mit dem König auf d3 ist das nicht ganz so leicht möglich, und die Partie bleibt spannend.

      48.-Lb4 49.Lf3+

      Mein Läufer hat genug Bewegungsfreiheit (Felder e2, f3 und g4), um eine Zugzwangsituation vermeiden zu können. Wichtig ist, daß ich auf Ke6 immer mit Lg4+ antworten kann, um den schwarzen König nicht nach f5 zu lassen.

      49.-Ke6 50.Lg4+ Kf6 51.Kc2

      Der Läufer wird auf g4 gebraucht (Bewachung des Feldes f5), also übernimmt jetzt wieder der König den Job als Wartezuggenerator. 51.Kd4 kam auch in Frage, aber die Königsstellung auf c2 bietet vielleicht die Möglichkeit, meinen Turm über b1 wieder aktiv einzusetzen.

      51.-Te4

      Jetzt kann ich den Bauern f4 nicht halten (52.Tf1? würde an 52.-Te1 scheitern), aber immerhin bekomme ich im Gegenzug den schwarzen Bauern b7, was das Material auf dem Brett weiter reduziert.

      52.Lf3 Txf4 53.Lxb7 Tf5

      Jetzt ist auch der Bauer h5 nicht zu verteidigen, denn der Turm würde auf h1 auf dem falschen Fuß erwischt: 54.Th1? Tc5+ 55.Kd3 Tc1 56.Ke2 Te1+ -+

      54.Kd3

      Da nun kein schwarzer b-Bauer mehr auf dem Brett ist, und stattdessen der schwarze h-Bauer eine Gefahr zu werden droht, muß sich der König wieder zur anderen Brettseite wenden.

      54.-Txh5 55.Tb1

      Ich will meinen Turm, der eine gefühlte Ewigkeit auf d1 festgenagelt war, endlich wieder aktiver einsetzen.



      Schwarz hat 2 Bauern mehr, aber dank der ungleichfarbigen Läufer ist das noch keine Garantie für einen Gewinn.

      Mit einem g-Bauern anstelle des h-Bauern wäre die Stellung glatt gewonnen für Schwarz. Der h-Bauer gibt mir aber noch gewisse Chancen, da Schwarz in einem reinen Läuferendspiel den "falschen" Läufer (nicht von der Farbe des Umwandlungsfeldes h1) hätte.

      55.-Tf5

      Ein vielseitiger Zug. Der Turm macht den Weg für den h-Bauern frei, nimmt meinem Läufer das Feld f3 (da würde dieser gerne hin), behält sich aber auch die Möglichkeit eines Turmschwenks über e5 nach e1 vor.

      56.Le4

      Zwingt den Turm zu einer Erklärung. Will er auf der 5. Reihe oder auf der f-Linie (Kontrolle über f3) bleiben? Das sofortige 56.Ke2? scheitert einmal mehr an dem schon erwähnten Turmschwenk 56.-Te5+ 57.Kf3 Te1 -+

      56.-Tf2

      Der Turm nimmt weiter meinem Läufer das Feld f3. Auch die Stellung meines Turms kann nicht verbessert werden. Und der König kann sich momentan nicht Richtung Königsflügel bewegen (57.Ke3 könnte mit 57.-Lc5+ beantwortet werden). Bleibt die Rückkehr nach c2, um das Umwandlungsfeld d1 nochmal unter Kontrolle zu nehmen und dadurch meinen Turm beweglich zu machen.

      57.Kc2 Lc5

      Der Läufer steuert anscheinend das Feld e3 an, von wo aus er beide Bauern decken würde.

      58.Tb3

      Nimmt dem Läufer das Feld e3 und droht ggfs. damit, den schwarzen d-Bauern von d3 aus aufs Korn zu nehmen.

      58.-Ke5 59.Lb7 Kf4

      Droht Le3, deshalb muß ich den schwarzen König sofort zurücktreiben.

      60.Th3

      Der Bauer h6 ist die Achillesferse der schwarzen Stellung. Bei der von Schwarz gewählten Angriffsformation (mit dem Turm auf f2) ist dieser Bauer nur sehr unbequem zu decken. Es scheint, daß dieser Umstand mir ausreichendes Gegenspiel ermöglicht.

      Ich erwarte jetzt den Deckungszug 60.-Kg5, wonach ich den König mit 61.Tg3+ weiter zurücktreiben will.

      60.-Kg5

      Die andere Möglichkeit, den Bauern zu decken, funktioniert nicht: 60.-Lf8 61.Td3 und der Bauer d2 fällt (61.-Lb4? scheitert dann an 62.Td4+).

      61.Tg3+



      Schwarz hat jetzt folgende Möglichkeiten, die jedoch alle keine Gewinnchancen mehr ergeben:

      a) 61.-Kh4 62.Td3, und der Bauer d2 fällt (62.-Lb4? würde nach 63.Td4+ den Läufer kosten)
      b) 61.-Kh5 62.Tf3 erzwingt Turmtausch wegen der Möglichkeit Tf5+
      c) 61.-Kf5 (oder 61.-Kf6) führt ebenfalls zum Turmtausch: 62.Tf3+ Txf3 63.Lxf3 Kf4 64.Ld1 Ke3 65.Lh5 Der schwarze König sperrt dem weißen den Weg zum Königsflügel ab. Nur der Umstand, daß der schwarze h-Bauer noch auf h6 steht, rettet mich. Denn um den h-Bauern flott zu machen, muß der schwarze König irgendwann nach g5 gehen und damit meinem König den Weg in die Remis-Ecke freigeben.

      61.-Kf4 mit Remisangebot

      1/2 - 1/2

      Ich gratuliere den Forum-Usern zu einer stark gespielten Partie, in der sie mich an den Rand der Niederlage gebracht haben.

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    • Regel-Änderungen für die Runde 2

      1. Die Eröffnung soll auf eine breitere Stimmenzahl gestellt werden.
      2. Nach der Eröffnungsphase wird es immer eine Diskussionsphase von 24 h geben.


      Zugauswertung (Eröffnung) 1. bis 5. Zug des Teams:
      Die Abstimmphase dauert mindestens bis 2 Stunden nach dem letzten Zug des Alleinspielers bzw. nach Spielbeginn (falls der Alleinspieler Schwarz wählt).
      Alle gültigen Stimmen in dieser Zeit werden gewertet.Liegen zu dem Zeitpunkt,
      a) weniger als 5 gültige Stimmen vor, wird entsprechend der Zugauswertung (Mittelspiel + Endspiel) aber ohne Diskussionsphase verfahren
      b) 5 oder mehr gültige Stimmen vor, so gilt:
      - der Zugvorschlag mit den meisten Stimmen wird gezogen
      - bei Gleichheit der Stimmen, wird der Zug mit den höchsten zusammengerechneten ELO-Werten der jeweiligen Forumuser gezogen


      Zugauswertung (Mittelspiel + Endspiel) ab dem 6. Zug des Teams:
      Die ersten 24 Stunden nach dem letzten Zug des Alleinspielers werden nur zur Diskussion genutzt. Als Zugvorschläge zählen nur die, die danach abgegeben werden.
      Pro Zug werden immer die ersten 5 gültigen Forum-User-Vorschläge ausgewertet.
      Bei Gleichheit der Stimmen, wird der Zug mit den höchsten zusammengerechneten ELO-Werten der jeweiligen Forumuser gezogen.
      Bei 5 verschiedenen Einzelvorschlägen, wird der Zug des Forumusers, mit dem höchsten ELO-Wert gezogen.
      Liegt für einen Zugvorschlag die absolute Mehrheit (3 gleiche Stimmen) vor,wird sofort gezogen.Es wird dann nicht mehr auf eine eventuelle 4. und/oder 5.Stimme gewartet.
      Kommen in 7 Tagen keine 5 gültigen Forumuser-Stimmen zusammen, so hat der Alleinspieler gewonnen.

      Gruss
      dangerzone

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von dangerzone ()

    • Hallo Marc,

      ein neuer Thread (hier in diesem Unterforum Forumschach/Beratungspartien) wäre schon besser und übersichtlicher.Mach es doch wie C.Schroeder,also textbasiert.Ein Diagrammm wäre ja derzeit regelwidrig :)
      Kann man ja nach der Partie einfügen. Die interessierten User können sich ja parallel den anderen Threrad solange öffnen.

      Gruss
      dangerzone
    • OK, dann lege ich mal los. Zunächst einmal nur die ersten paar Züge, bin heute ein wenig faul, wir hatten ein Spiel, es ist Sonntag...:-). Ich mache dort,wo man später vielleicht ein Diagramm einfügen könnte, einfach einen Absatz und ein (D).

      Marc Lang - Schacharenasten

      1.d4
      In schwierigen Blindpartien gegen stärkere Gegner grundsätzlich meine erste Wahl. Wenn Ihr mir mal im Blindsimultan gegenüber sitzt und ich spiele gegen Euch 1.d4, dann ist es wahrscheinlich, dass ich Euch für besonders harte Gegner halte. Wobei der Umkehrschluss aber nicht funktioniert, keine Sorge :) Sf6 2.c4 g6 3.Sc3 d5 Man könnte an dieser Stelle philosophieren, was die beste Eröffnung gegen einen Blindspieler ist, aber das ist m.E. in einer einzelnen Partie mit fast unbegrenzter Bedenkzeit eigentlich müßig, denn die wahren Schwierigkeiten beginnen für den Blindsimulanten erst bei mehreren Partien. Da gibt es dann schon Eröffnungen, die besser sind als andere bzw. wo ich nicht mein normales Turnierrepertoire spielen kann, weil die daraus resultierenden Positionen einfach zu komplex sind. Königsindisch Hauptvariante, beispielsweise, was ich im Normalschach gerne spiele, ist im Blindsimultan fast tödlich für Weiß. Meistens stehe ich dort positionell irgendwann auf Gewinn - und werde am Königsflügel matt gesetzt :-). Aber in diesen kritischen Eröffnungen habe ich dann andere Varianten auf Lager, die speziell für das Blindspiel "erfunden" und analysiert wurden.
      Grünfeld hat mich gefreut, weil ich das selbst mit Schwarz spiele und ohnehin eine neue Variante ausprobieren wollte.

      4.cxd5 Sxd5 5.Ld2

      So spielte Vincent Keymer gegen mich in der 1. Schaupartie der Terra X Dokumentation. Der Zug kann natürlich nicht sonderlich gefährlich sein, das ist klar - will Weiß gegen Grünfeld Vorteil haben, dann muss er m.E. zu 5.e4 greifen. Aber gegen Keymer setzte ich schwach fort und stand schnell mit dem Rücken zur Wand, das hätte ich jetzt gerne gegen Euch wiederholt (mit umgekehrten Vorzeichen, versteht sich).

      5...Sb6

      Sicherlich ein guter Zug. d4 hängt und e3 will Weiß natürlich nicht spielen. Wenn ich mich recht erinnere, ist auch das thematische 5...Lg7 6.e4 Sxc3 7.Lxc3 c5 möglich.

      6.Lg5 (D)

      Vincent spielte gegen mich 6.Sf3, was zu Zugumstellung führen kann, aber ich wollte den Springer noch zurückhalten und statt dessen so schnell wie möglich e2-e3 spielen, um die Option Lb5(+) zu haben. Beispielsweise, wenn Schwarz wie in der Partie c7-c5 spielt, dann nach dxc5 auf c3 schlägt, auf d1 die Damen tauscht und Sa4 spielt, dann würde Lb5+ folgen.

      6...Lg7 7.e3 c5!

      Thematisch und stark. Jetzt muss Weiß leider Zugeständnisse machen.

      8.dxc5 Lxc3+ 9.bxc3 Dxd1+ 10.Txd1 S6d7

      Immerhin ein kleiner Erfolg für Weiß - 10...Sa4 würde unter normalen Umständen sofort ausgleichen, aber hier geht eben, wie schon oben gesagt, das Schach auf b5.

      11.Td5 (D)

      Der Zug kostete mich einige Überwindung, denn er sieht schon merkwürdig aus, aber ich wollte den Bauern so lange wie möglich klammern, um dem Schwarzen irgendwelche strukturellen Zugeständnisse abzuringen, auf die ich dann nachher spielen könnte. 11...e6 wäre z.B. sowas, dann wäre der Lc8 gehemmt. Oder, wie in der Partie, eine Schwächung des Königsflügels mit h6/g5, die man dann mit h2-h4 anhebeln kann. Egal, was, Hauptsache, ich darf mein Läuferpaar behalten und lande nicht in einer Stellung, in der Schwarz sich frei entfaltet und irgendwann meinen Damenflügel unter Feuer nimmt.

      11...Sc6

      Bestimmt kein schlechter Zug, aber ich fand 11...b6!? interessant. So ähnlich spielt man auch in anderen Varianten des Grünfelds - Schwarz opfert einen Bauern, aktiviert dafür aber seine Figuren und legt die weißen Schwächen bloß. Nach z.B. 12.cxb6 axb6 13.Td2 (a2 hängt) Sc5 (droht Se4) 13.Lb5+ Ld7 14.Lxd7 Sbxd7 steht Schwarz m.E. sehr angenehm. Se4 droht nach wie vor und der weiße Mehrbauer am Damenflügel ist nicht gerade viel wert.

      12.Sf3 h6

      Macht Sinn, denn am Ende gibts mit Sf6 ein Tempo auf den Turm, aber dank der Schwächung des Königsflügels bekommt Weiß jetzt auch etwas in die Hand, auf das er spielen kann.

      13.Lh4 g5 14.Lg3 Sf6 15.Td1 Le6? (D)

      Wenn man den weiteren Partieverlauf in Betracht zieht, dann ist das wahrscheinlich ein Fehler, denn jetzt wird Weiß garstig aktiv. Ich hatte 15...Se4 erwartet, womit sich Schwarz offen lässt, welchen der beiden Bauern er nimmt. Nach 15.Lb5 Ld7 oder 15.Sd4 Sxc3 hat Weiß wahrscheinlich keinen Vorteil.

      16.Sd4 Lxa2 17.Lb5 a6 18.La4 Tc8 19.h4 (D)

      Thematisch. Weiß hebelt die vorgepreschten schwarzen Königsflügelbauern an und forciert weitere Zugeständnisse

      19...g4?!

      Auch wenn man damit die h-Linie aufgibt, hätte ich lieber 19...Tg8 gespielt. Idee ist, dass man die Option ...Se4 behält (die Fesselung Le5 wie in der Partie funktioniert nicht mehr) und die Bauernstellung einigermaßen beisammen hält. Weiß will seine Türme ohnehin eher zum Damenflügel bringen, während auf der h-Linie nichts los ist.

      20.Le5

      Und weiter dann, wenn die Partie etwas fortgeschritten ist :)