Die schönsten Partien der Schachgeschichte

    • Eine Partie für die Geister

      Die unten zitierte Partie zwischen Bobby Fischer und Leonid Stein wurde streng genommen nicht gespielt, da Fischer das Interzonenturnier 1967 im tunesischen Sousse noch vor der Halbzeit im Streit mit der Organisation verließ und somit seine bis dahin gespielten Partien im Turnierprotokoll genullt wurden. Fischer war ja schon bei seinem ersten Griff nach der Schachkrone 1959 davon überzeugt, der beste Spieler der Welt zu sein; es gehört zu den Paradoxien seiner schachlichen Biographie, dass er insgesamt vier Anläufe nehmen musste, um den Titel zu holen. In Sousse 1967, seinem dritten Zyklus, präsentierte er sich zwar in blendender Form, leider aber auch als divenhaft und selbstzerstörerisch. So mokierte er sich über den angeblichen Lärm im Turniersaal und das schlechte Licht am Brett, hinzu kam seine strikte Weigerung, aus religiösen Gründen am Freitag zu spielen. Letztlich war er nicht imstande, die Regeln, die für alle Teilnehmer gleichermaßen galten, zu akzeptieren; so wurde er der erste Schachspieler der Geschichte, der ein Turnier abbrach, bei dem er deutlich in Führung lag.

      Am Brett hingegen lieferte Bobby Fischer in den gut fünfzehn Jahren seiner Karriere stets zeitlose Muster tiefgründigen und schönen Schachs. Gegen den amtierenden sowjetischen Meister Leonid Stein bekam Fischer seine Lieblingseröffnung aufs Brett, die Geschlossene Spanierin. Das anfangs zähe Manövrieren, das in einen Königsangriff mündet und in einem makellosen Endspiel ausklingt, hätte auch in den 1980er Jahren den beiden K und K in ihrer unendlichen Geschichte alle Ehre gemacht. Zum Glück ist dieses Schmuckstück nicht der Vergessenheit anheim gefallen, Bobby Fischer nahm es als letzte Referenz in seinen Klassiker Meine 60 denkwürdigen Partien auf.

    • Der erste Schach-Oscar

      Boris Spasski, der heute vor 79 Jahren in Leningrad geboren wurde, wird schachhistorisch sträflich unterschätzt. In den 1960er-Jahren zählte er zur absoluten Weltspitze, erhielt 1968 den erstmals vergebenen Schach-Oscar und konnte sich 1969 im zweiten Anlauf gegen Tigran Petrosjan im Kampf um die Weltmeisterschaft durchsetzen. Beim sogenannten Match des Jahrhunderts 1972 in Reykjavik geriet er trotz seiner unbestrittenen Spielstärke in die Rolle des Komparsen der glänzenden Bobby-Fischer-Show. Spasski erkannte sportlich fair die Überlegenheit seines Kontrahenten an, erklärte sich 1992 zum gespenstischen Rematch außer Konkurrenz bereit und hielt auch zu Fischer, als dieser zum Ende seines Lebens in die Fänge der US-Justiz geriet.

      Boris Spasski spielte in den 1980er-Jahren in der Bundesliga für Solingen, 1976 erwarb er neben der sowjetischen resp. russischen Staatsbürgerschaft auch die französische. Vor einigen Jahren erlitt er einen Schlaganfall, mittlerweile ist er aus Frankreich nach Russland zurück gekehrt. In seiner besten Zeit war Spasski ein exzellenter Angriffsspieler, der seine nachlässige Eröffnungsvorbereitung im aktiven Mittelspiel ausgleichen konnte. Die zitierte Partie stammt aus dem Wettkampf UdSSR gegen den Rest der Welt, der 1970 in Belgrad ausgetragen wurde. Weltmeister Boris Spasski traf mit Schwarz am 1. Brett der UdSSR auf den selbstbewussten Dänen Bent Larsen, der sich in einer experimentellen Eröffnung schrecklich verkalkulierte und spektakulär unterging.



      Das war es auch schon. Nach 18. Lxf1 Lxg4+ 19. Kc1 De1+ 20. Dd1 Dxd1 wird Weiß mattgesetzt. Garri Kasparow kommentiert diese romantische Miniatur in seinem Buch Meine Großen Vorkämpfer. Band 5, Zürich 2006, Edition Olms
    • Bei einem vor wenigen Tagen zu Ende gegangenen Turnier in Spanien veranstaltete der russische GM Evgeny Vorobiov ein Feuerwerk, das die Herzen aller Angriffsspieler höher schlagen läßt. Die Partie hat zudem eröffnungstheoretische Bedeutung. Vorobiov zeigt hier, wie man Sizilianisch mit 2.b3 / 3.b3 wirkungsvoll bekämpfen kann.

      Antal, Gergely (2523) - Vorobiov, Evgeny (2584)
      La Roda Open, Runde 6, 15.4.2017




      GM Pepe Cuenca sieht diese Partie als "the year's most spectacular game" an: