Betrugsfälle im Schach

    • Inzwischen sind die aufgeführten Vorfälle noch durch weitere Spieler "angereichert" worden, so der französche Spieler Sebastien Feller wie auch der deutsche Grossmeister Bindrich. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass es sich vorwiegend um jüngere Schachspieler handelt. Hier ist zu vermuten, dass sich das Aufwachsen mit Computersoftware bzw. Smartphones bezahlt gemacht hat...
    • Zu gut gespielt?

      03.01.2013 - Das offene Turnier, das vom 16. bis 22. Dezember im kroatischen Zadar stattfand, war stark besetzt, aber Schlagzeilen machte nicht spektakuläres Schach, sondern ein Betrugsverdacht. Auslöser war das überraschend gute Spiel des 25-jährigen Borislav Ivanov, der mit einer Elo-Zahl von 2227 als Letzter der Setzliste ins Turnier gestartet war, aber nach 7 Runden und drei Siegen gegen Großmeister mit 5 aus 7 plötzlich im Spitzenfeld lag. Als es noch keine starken Computer gab, hätte man diese Leistung bewundert, heute weckt sie Argwohn. Deshalb musste sich Ivanov einer Leibesvisitation unterziehen. Elektronische Hilfsmittel fand man dabei nicht. Am Ende landete Ivanov mit 6 aus 9 und einer Elo-Performance von 2697 auf dem geteilten dritten bis vierten Platz, einen halben Punkt hinter den beiden Turniersiegern GM Borki Predojevic und GM Hrvoje Stevic

      Der Chessbase-Autor Tiger Lilov hat sich die 9 Partien seines Landsmannes Ivanov genauer angesehen und kommt zu dem Ergebnis, daß hier tatsächlich ein klarer Betrugsfall vorliegt. Seine Analysen präsentiert er in Schachtrainer als Detektiv.

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    • patzer95 schrieb:

      Hier ist zu vermuten, dass sich das Aufwachsen mit Computersoftware bzw. Smartphones bezahlt gemacht hat...


      klar! vermuten kann man immer viel, zB auch die beeinflussung durch aliens. oder die steigenden preise für milchprodukte, welche schachspieler in finanzielle not bringen, sodass sie gezwungen sind, auch mit unlauteren mitteln, nach den preisgeldern zu grabschen.
      vll sind es auch sich wandelnde wertvorstellungen in der gesellschaft. erfolg, ruhm, geld, und das möglichst schnell und ohne mühe auf sich zu nehmen, sind heute erstrebenswerter als banale dinge wie aufrichtigkeit, fairness, ehrlichkeit, dem sportl gegner achtung entgegenbringen ...
      ... abba wie gesagt, vll sind's ja doch nur die aliens.

      *in der frühzeit des turnierschach galt es als unehrenhaft opfer nicht anzunehmen. opfer wurden angenommen, selbst auf die gefahr hin dadurch die partie zu verlieren. diese auffassung teilt heute auch noch kaum jemand :D

      * da gab es noch einen "betrugsfall". leider ist mir der name des "opfers" im laufe der jahre verloren gegangen. die namen der betrüger? ... es waren zu viele, lol
      vor einer blindsimultanvorstellung hatten sich die gegner des ehrenhaften meisters abgesprochen. nichts ist für einen blindspieler schlimmer, als ein ICE der durch's spiellokal rast oder viele stellungen die sich nur in kleinen details unterscheiden. gemäß der absprache begannen die simultangegener auch gleich in der eröffnung damit, wenn auch unsinnigen, so doch verwirrenden springerzüge zu machen. Sc3,Se2, Sg3, Sf3, Sd2 hin und her, vor und zurück.
      nicht lange und der meister begann zu taumeln, bis er dann KO ging - nicht mehr wußte was, auf welchem brett wo rumhopst. der anekdote nach ist er von der toilette nicht zurückgekehrt, dort fand man nur ein offenes fenster.

      mfG the last standing man

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    • TidusYuna schrieb:

      patzer95 schrieb:

      Hier ist zu vermuten, dass sich das Aufwachsen mit Computersoftware bzw. Smartphones bezahlt gemacht hat...


      ...


      ich finde die Aussage gar nicht negativ oder verdächtigend. Wer von Anfang an Schachspiel mit Comuteranalyse lernt, lernt natürlich auch Stellungen "computermäßig" zu ananlysieren - die oftmals langweiligere aber effektivere Methode.

      Hinzu kommt, dass damit Gegener nahezu immer und in hervorragender Stärke zur Verfügung stehen, während man früher jede Woche einmal zum "gemütlichen" Schachabend zusammen kam und halt einmal in der Woche ein paar Partien spielte. Dadurch ist maches Talent entschlummert, weil nicht entdeckt und selbst nicht motiviert.

      Heute kann man auf jedem Smartphone gegen kostenfreie Schachprogramme spielen, die mindest die Spielxstärke eines sehr guten Vereinsspielers haben. Training ist immer und jederzeit möglich - zusätzlich natürlich auch durch so hervorragenden Internetseiten wie der Schacharena, die neben der unbegrenzten Verfügbarkeit auch noch den Vorteil der - zwar nur indirekten - Kommunikation haben.

      Hier fällt es offensichtlich den älteren Herren aus den Ausschüssen mal wieder schwer zu erkennen, dass da eine stärkere Jugend nachwächst und verdächtigt sie erst einmal schnell der Betrügerei... :D

      Ich denke, dass es bei Live-Turnieren relativ schwierig ist zu manipulieren. Dass es möglich ist- nun gut, das wurde auch schon nachgewiesen. Aber die Tricks sind nun bekannt und können und werden durch geeignete Maßnahmen bekämpft. Die Zukunft wird zeigen, was den Erfindungsreichen noch alles einfällt...

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    • - wenn diese aussage im bezug zu betrügereien gemacht wird, so ist sie abba nun eimal negativ zu werten
      - wer "von anfang an schachspiel mit computeranalyse lernt" lernt nicht automatisch zu betrügen, bei den angewendeten methoden gehört schon ein gewisses kriminelles potenzial dazu. immerhin geht es um sachpreise, preisgelder, fördergelder oder mal 'nen werbevertrag. mit dem 20€ schachbuch das es für den ersten platz auf 'nem schnellbesohlturnier gibt, hat das nix zu tun.
      - die "alten herren verdächtigen nicht erst einmal schnell die jugend der bertügerei"! die fälle sind belegt und die statistik zeigt welche altersgruppe bevorzugt "unter den tisch schaut"

      das rumgeschummel verleidet so manchem ehrlichem spieler die lust am schach.
      was im turniersaal noch klein gehalten werden kann, führte im fernschach schon zu rücktritten namhafter spieler, die es leid waren gegen blechkisten zu spielen.
      ich müßte erst 'zig "schach" hefte durchwühlen. vll kennt jemand den namen des deutschen fernschachmeisters der in den 1990er jahren deswegen, als einer der ertsen, zurücktrat.
      damals war die spielstärke der programme noch verhältnismäßig niedrig, die methoden des betruges noch nicht mit soviel fantasie gesponnen (arm -und beinverrenkungen von zuschauern im zuschauersaal zeigen codiert züge, stuhlreihen als schachbrett mit einem herumwandernden, sich irgendwo hinsetzenden -und damit züge anzeigenden- zuschauer usw, die analysen wurden draussen gemacht und per handy in den zuschauersaal übertragen).
      der fall sorgte für einige unruhe bei den oberen im verband.

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    • patzer95 schrieb:

      Inzwischen sind die aufgeführten Vorfälle noch durch weitere Spieler "angereichert" worden, so der französche Spieler Sebastien Feller wie auch der deutsche Grossmeister Bindrich. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass es sich vorwiegend um jüngere Schachspieler handelt. Hier ist zu vermuten, dass sich das Aufwachsen mit Computersoftware bzw. Smartphones bezahlt gemacht hat...


      Öhm....Bindrich als "Betrüger" darzustellen ist in dem Fall nicht richtig...es gab lediglich einen Regelverstoß gegen das Handyverbot auf der Toilette(gilt in der BL auch für ausgeschaltete Handys. Für deutlich mehr Wirbel und den VERDACHT eines Betruges sorgte Bindrichs Weigerung das Handy rauszugeben, nachdem er zugab es dabei zu haben.
    • In der Zeitschrift "Schach" ist vor ca 3 Monaten mal sehr ausführlich untersucht worden, mit welchen technischen Möglichkeiten es möglich wäre, in Liveturnieren eine externe "Verbindung" während einer Schachpartie zu unterhalten bzw. diese regelwidrig einzusetzen.
    • Wenn ich ehrlich bin, hatte ich trotz meines bescheidenen Spielniveaus hier auf Schacharena mit knapp 1450 Elo auch schon bei der ein- oder anderen Partie den Gedanken, dass ich ab einem gewissen Zeitpunkt gegen eine Blechkiste spielte..... :)
    • Fightermaik schrieb:

      Der Bindrich ist doch schuldig und somit ein Betrüger, oder nicht?

      Hat ihn ein ordentliches Gericht rechtskräftig als "Betrüger" verurteilt? Soweit ich weiß, nicht. Äußerungen wie diese können sehr leicht als üble Nachrede geahndet werden.

      Fightermaik schrieb:

      In keiner Sportart darf man eine Dopingprobe verweigern. Wer das tut, wird so bestraft, als hätte er gedopt.

      Das setzt aber voraus, dass es auch genauso im Regelwerk steht. Die Turnierordnung der Schachbundesliga sieht aber nur den Verlust der laufenden Partie vor.

      Also
      schuldig, im Sinne der Anklage. Vor einem ordentlichen Gericht würde so
      eine Verweigerung auch unzweifelhaft zum Schuldspruch führen.

      Diese Äußerungen scheinen mir von keinerlei Sachkenntnis getrübt zu sein. Niemand kann dazu gezwungen werden, sich selbst zu belasten, und schon gar nicht wird ihm das zum Nachteil gereichen. Ein ordentliches Gericht würde erst einmal schauen, ob es für eine über den Partieverlust hinausgehende Sanktion überhaupt eine Rechtsgrundlage im Regelwerk gibt. Schon da wird es schwierig. Genauso fragwürdig, dass der Deutsche Schachbund e.V. meint, unter Missachtung von § 55 Absatz 2 der DSB-Satzung innerhalb des Zuständigkeitsbereiches des Schachbundesliga e.V. tätig werden zu müssen.

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    • Es ist schon absurd, wie Bindrich sein Verhalten entschuldigt und sich darüber hinaus noch als Opfer einer übertriebenen Überwachung sieht. Fast so, als wenn jemand, der mit einer Strumpfmaske über dem Kopf eine Bank betritt, dabei mit einer Waffenattrappe herumfuchtelt, überwältigt wird und dann empört sagt: "Ja, Moment mal, das ist meine Verkleidung für Fasching nächste Woche!" Allein schon, weil es dumm-dreist und völlig unnötig ist, ein Handy mit auf's Klo zu nehmen, gehört Bindrich gebührend bestraft. Den Ärger hätte er sich ganz einfach sparen können.


      Vorschnelle Verurteilungen, wie einige hier angemahnt haben, vor allem von denen, die das Ganze nur aus der Ferne betrachten, mögen nicht angebracht sein. Sich hinter die zweifelsohne vorhandenen Defizite beim Reglement zu verstecken, ist aber auch nicht besser. Um so erfreulicher in meinen Augen, dass sich das Präsidium des DSB dazu durchgerungen hat, eine offensive Linie zu fahren und den Menschenverstand vor Paragrafen stellt. Ich bin gespannt, ob es einen Einspruch Bindrichs gegen die Entscheidung gibt und wenn ja, was er bringen wird.
    • Um einen weiteren Betrugsfall, der sich kürzlich in Italien ereignete, und um eine Petition der ACP (Association of Chess Professionals) an die FIDE, in der das Problem des Betrugs beim Schach thematisiert und die FIDE zum Handeln aufgefordert wird, geht es in dem Artikel Cheating in chess – it's all in the news.

      Man kann diese Petition hier mit seiner Unterschrift unterstützen.