Festungen im Endspiel

    • Festungen im Endspiel

      Magnus Carlsen glaubt bekanntlich nicht an Festungen, wie er in Interviews sagte. Bei der 6. WM-Partie dürfte er aber erleichtert darüber gewesen sein, daß sie hin und wieder doch existieren.

      Carlsen hat nur einen Bauern gegen eine Leichtfigur, aber die schwarzen Figuren müssen den Vormarsch des weißen h-Bauern verhindern und sind so in ihrer Bewegungsfähigkeit eingeschränkt.

      Carlsen, Magnus (2835) - Caruana, Fabiano (2832)
      WM-Kampf 6. Partie, 16.11.2018
      Stellung nach dem 64. Zug von Schwarz





      Ein verblüffendes Beispiel für eine Festung zeigte GM Simon Wiliams vor einiger Zeit in seiner Sendung "Simon Says". Simon erwähnte nur, daß die Stellung im chess.com-Forum gepostet worden sei. Kennt jemand zufällig die Studie und kann sagen, wer der Autor ist?

      Amazing fortress



      Der weisse Koenig pendelt auf den Feldern f1, f2, g1 und g2 - je nachdem wo der schwarze Turm auftaucht. Er pariert alle Einbruchsversuche des Turms und kanndabei auch nicht in Zugzwang geraten. Schwarz hat keine Moeglichkeit, seinen Mehrturm zur Geltung zu bringen. Die Stellug bleibt Remis.

      Interessantes Detail am Rande: Stockfish bewertet die Stellung nach 1.Ke1 bis zum Schluss konstant mit -3,55. Auch heute noch sind Engines offenbar nicht in der Lage, Festungen zu erkennen - immerhin ist dies noch ein kleiner weißer Fleck auf der Landkarte, auf dem wir Menschen dem Computer überlegen sind.