Adventskalender 2018

    • 1.Türchen
      Es war einmal ein kleines Eselchen,
      das lebte auf einem Bauernhof mitten auf dem Lande zusammen mit einer Kuh, einem Schaf, einem Hahn und einem Schwein in einem gemütlichen Stall.
      Jedes Jahr um die gleiche Zeit, stellte Eselchen fest, dass die Bauernleute geschäftig hin und her liefen. Der Hof wurde sauber gemacht, die Fenster festlich geschmückt, der Bauer holte einen Tannenbaum aus dem Wald.
      Für die Gans Frieda war es auch jedes Mal ein Stress. Sie wurde zuerst gejagt, dann auf einen Holzpfosten gesetzt. Dann kamen die Bauernkinder und heulten und dann brachte der Bauer Frieda wieder zurück in ihren Stall. Das geschah jedes mal so, schon seit vielen, vielen Wintern. An einem ganz bestimmten Abend kamen dann viele Freunde, Verwandte und andere Gäste und brachten lustig verpackte Päckchen mit.
      Als Eselchen feststellte, dass es wohl mal wieder soweit war und dieses geschäftige Treiben auf dem Hof wieder einsetzte, sagte es zu seinen Freunden im Stall: "Ich würde auch so gerne einmal so viele Freunde haben und so viele Geschenke bekommen - und vor allem einen riesengroßen Sack Mohrrüben."
      Die Freunde, die Eselchen sehr mochten, weil es eigentlich die härteste Arbeit am Hof verrichten musste - nämlich die schweren Karren mit dem Futter in den Stall zu fahren - berieten sich, als Eselchen einmal unterwegs war und beschlossen, ihm in diesem Jahr eine große Freude zu machen. Jeder überlegte, was er Eselchen schenken könnte und stob dann davon, um es zu besorgen.
      Es war wieder einmal Abend, die Lichter im Bauernhaus wirkten vom Schnee auf dem Hof noch heller. Viele Gäste kamen, und brachten, wie in jedem Jahr viele schöne Sachen mit. Seufzend stand Eselchen an der Stalltüre und sah dem lustigen und bunten Treiben zu.
      Ein Tränchen kullerte über das struppige Fell und gefror gleich, als es in den Schnee fiel.
      Plötzlich hörte es, wie im Stall heftig gescharrt und gewispert wurde und als es sich umdrehte, standen seine Freunde alle um einen großen Berg Geschenke herum und strahlten. "Die sind alle für Dich, Eselchen. Weil Du uns das ganze Jahr über immer unser Futter in den Stall bringst und so lieb zu uns bist."
      Eselchen war überwältigt. "Alles für mich?" fragte es und fing schon an, die Geschenke auszupacken. Da gab es einen Kamm vom Schwein, einen Schlitten vom Schaf, eine Dose mit Linsen von der Kuh und einen Sack Morrüben vom Hahn. Sie hatten alles auf dem Hof gefunden und für Eselchen schön verpackt in Säcken mit Schleifchen versehen.
      Eselchen freute sich riesig und konnte gar nicht genug "Danke" sagen.
      Danach saßen Sie alle beisammen und hörten dem Gesang aus dem Bauernhaus zu.
      Dabei dachte Eselchen so für sich: "Was soll ich mit einem Kamm, ein Eselchen kämmt sich doch nicht. Und was soll ich mit einem Schlitten, ich kann doch gar nicht Schlitten fahren. Was mache ich mit der Dose Linsen, schmecken würde es mir vielleicht schon, doch wie soll ich die Dose aufbekommen. Und wenn ich so die ganzen Morrüben auf einmal esse, wird mir schlecht.
      Etwas nachdenklich und auch ein bisschen traurig ging Eselchen schlafen.
      Mitten in der Nacht kam die Gans Frieda in den Stall und legte sich neben Eselchen zum schlafen. "Du, Frieda, ich habe heute viele Geschenke bekommen, aber irgendwie so richtig froh und glücklich bin ich trotzdem nicht. Was kann das bloss sein?"
      Frieda, die sehr klug und erfahren war sagte daraufhin: "Eselchen, Du hast dich blenden lassen und dabei das allerwichtigste am Weihnachtsfest vergessen".
      "Was denn?" fragte Eselchen. "Dass Du gute Freunde hast, die Dich lieben und die alles für Dich tun würden. Und Liebe, Liebe, Eselchen, das ist der Sinn des Weihnachtsfestes!" erwiderte Frieda.
      Von Anja Wörner
      Nicht ausserhalb, nur in sich selbst soll man den Frieden suchen. Wer die innere Stille gefunden hat, der greift nach nichts, und er verwirft auch nichts. Buddha
    • 2. Türchen

      youtu.be/VI9ZGAAorus?list=RDVI9ZGAAorus

      Der Welt schönster Klang ist der Harmoniegesang.
      Möge die Advents- und auch die Zeit, die danach kommt ebenso so friedlich und harmonisch verlaufen wie in diesem schönen Gesang von John Farnham, Beeb Birtles und Graeham Goble.

      Nirgendwo können sich Menschen noch besser ergänzen als in mehrstimmigen Gesängen.


      Alle 3 Musiker sind Gründungsmitglieder der Little River Band aus Australien.

      Falls Euch dieses Video gefällt, könnt Ihr auf der Musikvideoseite auch noch mein Lieblingslied dieser tollen Band hören...

      Beitrag von mobble ()

      Dieser Beitrag wurde vom Autor gelöscht ().
    • 3. Türchen

      Der Christbaumständer

      Beim Aufräumen des Dachbodens - ein paar Wochen vor Weihnachten -entdeckte ein Familienvater in einer Ecke einen ganz verstaubten, uralten Weihnachtsbaumständer. Es war ein besonderer Ständer mit einem Drehmechanismus und einer eingebauten Spielwalze. Beim vorsichtigen Drehen konnte man das Lied „O du fröhliche“ erkennen. Das musste der Christbaumständer sein, von dem Großmutter immer erzählte, wenn die Weihnachtszeit herankam. Das Ding sah zwar fürchterlich aus, doch da kam ihm ein wunderbarer Gedanke. Wie würde sich Großmutter freuen, wenn sie am Heiligabend vor dem Baum säße und dieser sich auf einmal wie in uralter Zeit zu drehen begänne und dazu „O du fröhliche“ spielte. Nicht nur Großmutter, die ganze Familie würde staunen.
      Es gelang ihm, mit dem antiken Stück ungesehen in seinen Bastelraum zu verschwinden. Gut gereinigt, eine neue Feder, dann müsste der Mechanismus wieder funktionieren, überlegte er. Abends zog er sich jetzt geheimnisvoll in seinen Hobbyraum zurück, verriegelte die Tür und werkelte. Auf neugierige Fragen antwortete er immer nur „Weihnachtsüberraschung“. Kurz vor Weihnachten hatte er es geschafft. Wie neu sah der Ständer aus, nachdem er auch noch einen Anstrich erhalten hatte.
      Jetzt aber gleich los und einen prächtigen Christbaum besorgen, dachte er. Mindestens zwei Meter sollte der messen. Mit einem wirklich schön gewachsenen Exemplar verschwand Vater dann in seinem Hobbyraum, wo er auch gleich einen Probelauf startete. Es funktionierte alles bestens. Würde Großmutter Augen machen!
      Endlich war Heiligabend. „Den Baum schmücke ich alleine“, tönte Vater. So aufgeregt war er lange nicht mehr. Echte Kerzen hatte er besorgt, alles sollte stimmen. „Die werden Augen machen“, sagte er bei jeder Kugel, die er in den Baum hing. Vater hatte wirklich an alles gedacht. Der Stern von Bethlehem saß oben auf der Spitze, bunte Kugeln, Naschwerk und Wunderkerzen waren untergebracht, Engelhaar und Lametta dekorativ aufgehängt. Die Feier konnte beginnen.
      Vater schleppte für Großmutter den großen Ohrensessel herbei. Feierlich wurde sie geholt und zu ihrem Ehrenplatz geleitet. Die Stühle hatte er in einem Halbkreis um den Tannenbaum gruppiert. Die Eltern setzten sich rechts und links von Großmutter, die Kinder nahmen außen Platz. Jetzt kam Vaters großer Auftritt. Bedächtig zündete er Kerze für Kerze an, dann noch die Wunderkerzen. „Und jetzt kommt die große Überraschung“, verkündete er, löste die Sperre am Ständer und nahm ganz schnell seinen Platz ein.
      Langsam drehte sich der Weihnachtsbaum, hell spielte die Musikwalze „O du fröhliche“. War das eine Freude! Die Kinder klatschten vergnügt in die Hände. Oma hatte Tränen der Rührung in den Augen. Immer wieder sagte sie: „Wenn Großvater das noch erleben könnte, dass ich das noch erleben darf.“ Mutter war stumm vor Staunen.
      Eine ganze Weile schaute die Familie beglückt und stumm auf den sich im Festgewand drehenden Weihnachtsbaum, als ein schnarrendes Geräusch sie jäh aus ihrer Versunkenheit riss. Ein Zittern durchlief den Baum, die bunten Kugeln klirrten wie Glöckchen. Der Baum fing an, sich wie verrückt zu drehen. Die Musikwalze hämmerte los. Es hörte sich an, als wollte „O du fröhliche“ sich selbst überholen. Mutter rief mit überschnappender Stimme: „So tu doch etwas!“ Vater saß wie versteinert, was den Baum nicht davon abhielt, seine Geschwindigkeit zu steigern. Er drehte sich so rasant, dass die Flammen hinter ihren Kerzen herwehten. Großmutter bekreuzigte sich und betete. Dann murmelte sie: „Wenn das Großvater noch erlebt hätte.“
      Als Erstes löste sich der Stern von Bethlehem, sauste wie ein Komet durch das Zimmer, klatschte gegen den Türrahmen und fiel dann auf Felix, den Dackel, der dort ein Nickerchen hielt. Der arme Hund flitzte wie von der Tarantel gestochen aus dem Zimmer in die Küche, wo man von ihm nur noch die Nase und ein Auge um die Ecke schielen sah. Lametta und Engelhaar hatten sich erhoben und schwebten wie ein Kettenkarussell am Weihnachtsbaum. Vater gab das Kommando „Alles in Deckung!“ Ein Rauschgoldengel trudelte losgelöst durchs Zimmer, nicht wissend, was er mit seiner plötzlichen Freiheit anfangen sollte. Weihnachtskugeln, gefüllter Schokoladenschmuck und andere Anhängsel sausten wie Geschosse durch das Zimmer und platzten beim Aufschlagen auseinander.
      Die Kinder hatten hinter Großmutters Sessel Schutz gefunden. Vater und Mutter lagen flach auf dem Bauch, den Kopf mit den Armen schützend. Mutter jammerte in den Teppich hinein: „Alles umsonst, die viele Arbeit, alles umsonst!“ Vater war das alles sehr peinlich. Oma saß immer noch auf ihrem Logenplatz, wie erstarrt, von oben bis unten mit Engelhaar und Lametta geschmückt. Ihr kam Großvater in den Sinn, als dieser 14-18 in den Ardennen in feindlichem Artilleriefeuer gelegen hatte. Genau so musste es gewesen sein. Als gefüllter Schokoladenbaumschmuck an ihrem Kopf explodierte, registrierte sie trocken „Kirschwasser“ und murmelte: „Wenn Großvater das noch erlebt hätte!“ Zu allem jaulte die Musikwalze im Schlupfakkord „O du fröhliche“, bis mit einem ächzenden Ton der Ständer seinen Geist aufgab.
      Durch den plötzlichen Stopp neigte sich der Christbaum in Zeitlupe, fiel aufs kalte Buffet, die letzten Nadeln von sich gebend. Totenstille! Großmutter, geschmückt wie nach einer New Yorker Konfettiparade, erhob sich schweigend. Kopfschüttelnd begab sie sich, eine Lamettagirlande wie eine Schleppe tragend, auf ihr Zimmer. In der Tür stehend sagte sie: „Wie gut, dass Großvater das nicht erlebt hat!“
      Mutter, völlig aufgelöst zu Vater: „Wenn ich mir diese Bescherung ansehe, dann ist deine große Überraschung wirklich gelungen.“ Andreas meinte: „Du, Papi, das war echt stark! Machen wir das jetzt Weihnachten immer so?“
      Chemie ist wie kochen, man sollte nur 3x überlegen den Löffel abzulecken!
    • 4. Türchen

      Der glückliche kleine Vogel

      4.jpg

      Der glückliche kleine Vogel Zizibä saß in einem kahlen Fliederbusch und fror. Zizibä war ein kleiner Vogel. Er hatte sein Federkleid dick aufgeplustert, weil's dann ein wenig wärmer war.

      Da saß er wie ein dicker runder Ball, und keiner ahnte, wie dünn sein Körper drunter aussah. Zizibä hatte die Augen zu. Er mochte schon gar nicht mehr hinsehen, wie die Schneeflocken endlos vom Himmel herunterfielen und alles zudeckten. Alle Futterplätze waren zugeschneit. Ach, und Hunger tat so weh. Zwei Freunde von Zizibä waren schon gestorben.

      Stellt euch mal vor, ihr müsstet in einem kahlen Strauch sitzen, ganz allein im Schnee, und hättet nichts zu essen. Kein Frühstück, kein Mittagessen - und abends müsstet ihr hungrig einschlafen, ganz allein draußen im leeren Fliederbusch, wo's dunkel ist und kalt. Das wäre doch schlimm. Zizibä musste das alles erleiden. Er saß da und rührte sich nicht. Nur manchmal schüttelte er den Schnee aus den Federn. Wieder ging ein hungriger Tag zu Ende.

      Zizibä wollte einschlafen. Er hörte plötzlich ein liebliches Geklingel. Dann wurde es hell und warm, und Zizibä dachte: Oh, das ist gewiß der Frühling. Aber es war der Weihnachtsengel. Er kam daher mit einem Schlitten voller Weihnachtspakete.

      Er sang vergnügt. "Morgen, Kinder, wird's was geben…" und leuchtete mit seinem Laternchen den Weg. Da entdeckte er auch unseren Zizibä. "Guten Abend", sagte der Engel, "warum bist du so traurig?" - "Ich hab' so Hunger", piepste Zizibä und machte vor Kummer wieder die Augen zu. - "Du armer Kleiner", sagte der Engel, "ich habe auch nichts zu essen dabei. Woher kriegen wir nur was für dich?" Aber das war's ja, was Zizibä auch nicht wusste. Doch dann hatte der Engel eine himmlische Idee. "Warte", sagte er, "ich werde dir helfen. Bis morgen ist alles gut. Schlaf nur ganz ruhig."
      Aber Zizibä war schon eingeschlafen und merkte gar nicht, wie der Engel weiterzog und im nächsten Haus verschwand. Im nächsten Haus wohnte Franzel. Das war ein netter, kleiner Bub. Jetzt lag er im Bett und schlief und träumte von Weihnachten. Der Engel schwebte leise herzu, wie eben Engel schweben, und beugte sich über ihn. Leise, leise flüsterte er ihm etwas ins Ohr, und was Engel sprechen, das geht gleich ins Herz. Der Franzel verstand auch sofort, um was sich's handelt, obwohl er fest schlief.

      Als er am nächsten Morgen wach wurde, rieb er sich die Augen und guckte zum Fenster hinaus. "Ei, so viel Schnee", rief er, sprang aus dem Bett, riß das Fenster auf und fuhr mit beiden Händen in den Schnee. Dann machte er einen Schneeball und warf ihn aus Übermut hoch in die Luft. Plötzlich hielt er inne. Wie war das doch heute Nacht? Hatte er nicht irgend etwas versprochen? Richtig, da fiel's ihm ein. Er sollte dem Zizibä Futter besorgen.

      Der Franzel fegte den Schnee vom Fensterbrett und rannte zur Mutter in die Küche. "Guten Morgen, ich will den Zizibä füttern, ich brauch' Kuchen und Wurst!" rief er. - "Das ist aber nett, daß du daran denkst", sagte die Mutter, "aber Kuchen und Wurst taugen nicht als Futter. Der Kuchen weicht auf, und die Wurst ist viel zu salzig. Da wird der arme Zizibä statt an Hunger an Bauchschmerzen sterben."

      Die Mutter ging und holte eine Tüte Sonnenblumenkerne. "Die sind viel besser", sagte sie. Der Franzel streute die Kerne auf's Fensterbrett und rief: "Guten Appetit, Zizibä!" Dann musste er sausen, um noch rechtzeitig zur Schule zu kommen.

      Als die Schule aus war, kam er auf dem Nachhauseweg beim Samenhändler Korn vorbei. Der Franzel ging in den Laden und sagte: "Ich hätte gern Futter für die Vögel im Garten." Er legte sein ganzes Taschengeld auf den Tisch. Dafür bekam er eine große Tüte voll Samen und Meisenringe. Nun rannte er nach Hause zu seinem Fensterbrett. Aber - o weh - da war alles zugeschneit.

      Doch die Körner waren verschwunden. Die hatte Zizibä noch rechtzeitig entdeckt. Er hatte seine Vettern und Kusinen herbeigeholt, und sie hatten sich einen guten Tag gemacht, während der Franzel in der Schule war. Es darf nicht wieder alles zuschneien, dachte der Franzel, und als sein Vater am Nachmittag heimkam, machten sie sich gleich daran und zimmerten ein wunderschönes Futterhaus. Das hängten sie vor dem Fenster auf.

      Am nächsten Tag sprach sich´s bei der ganzen Vogelgesellschaft herum, daß es beim Franzel etwas Gutes zu essen gab. Das war eine große Freude, denn kein Vogel brauchte mehr vor Hunger zu sterben, und abends, wenn der Engel vorbeikam, sah er nur satte und zufriedene Vögel friedlich schlummern.


      Dafür legte er dem Franzel noch ein Extra-Geschenk unter den Weihnachtsbaum, und es wurde ein wunderschönes Fest. :saint:

      Verwechsel meinen Charakter nicht mit meinem Verhalten,
      Mein Charakter bin ich und mein Verhalten hängt von dir ab!

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von flavia ()

    • Tür5 : Schatten der Vergangenheit ??



      Die Zeit vor Weihnachten ist die Zeit der schönen Geschichten vorm Kamin inmitten der

      Familie mit Glühwein und selbstgebackenen Plätzchen.

      Schlichtweg eine Zeit der Vorfreude und des Gefühls der Geborgenheit.

      Aber da gibt es auch die andere Seite – die dunkle und unheimliche.

      Von einer solchen will ich heute berichten.

      Sie hat sich Ende der 90er Jahre so zugetragen,

      wie ich es erzähle, denn ich habe sie persönlich erlebt.

      ***********************************************************************

      Es war in den späten 1990er Jahren. An jenem Dezemberabend verspürte wohl selbst der

      Mond ein Schaudern und erschien erst gar nicht. Wären da nicht die bunten Lichterketten

      über den Strassen und die erleuchteten Fenster gewesen, man hätte die Hand nicht

      vor den Augen gesehen. Etwas geheimnisvolles, unheimliches lag in der Luft.

      Seit 1993 war ich Mitglied einer Menschenrechtsorganisation in der Stadt.

      Ich gehörte zu einer von 2 Gruppen, die im 14-tägigen Turnus den Bürodienst

      ehrenamtlich besetzten, der von 18 – 20 hstattfand. Unser Büro befand sich im

      4. Stock eines Eckhaues, in dem tagsüber diverse Firmen ihre Arbeit verrichteten.

      Ab 18 h war es aber für gewöhnlich leer.

      Wie erwähnt, an diesem Abend war es mondlos und gespenstig dunkel.

      Seit kurzer Zeit hatten wir dieses Domizil für unser neues Büro ausgewählt.

      Dazu gehörte auch ein großer Keller, in dem beide Gruppen ihr Material verstauten.

      Mir war es dort schon immer etwas beklemmend zumute, und ich fühlte mich wie

      von unsichtbaren Augen beobachtet. Das mag sicher an den Plakaten gelegen haben,

      welche sich da unten befanden, aber ich sorgte immer dafür, dass die schwere Eisentür

      nicht hinter mir zufiel, indem ich stets einen alten Besen dazwischen stellte.

      Am besagten Abend befand ich mich alleine im Büro. Normalerweise waren wir

      zu zweit, aber eine Kollegin hatte kurzfristig absagen müssen.

      Als ich ankam, war das Gebäude leer und im Treppenhaus war es ohne Licht

      stockdunkel. Der Abend verlief zunächst normal . Post , AB, Telefon, Schriftkram etc.

      Gegen 19 h schaute wie immer der Hausmeister ( man sagte ihm nach, er

      besitze seinen Kopf nur deshalb, damit es nicht in seinen Hals regnet ) kurz rein

      und fragte wie immer: „Soll ich unten abschließen oder offen lassen?“

      Wie immer bekam er zur Antwort:

      „Bitte offen lassen, bis 20 h können noch Besucher kommen.“Und wie immer

      ging er nach unten und schloß ab – wie immer!

      Der Rest des Abends verlief ruhig und kurz vor 20 h beschloss ich, dem Heimweg anzutreten.

      Ich betätigte den Lichtschalter im Gang und schloss das Büro ab. Das Licht ging immer

      nach einiger Zeit von alleine aus, aber es reichte locker, die 4 Stockwerke zu überwinden.

      Kaum trat ich in den Gang, da schrillte das Telefon im Büro und ich lief ins Büro zurück.

      Jedoch war keiner mehr dran, der AB war auch leer und so setzte ich meinen Heimweg

      fort.

      Zwischen der 3. und 2. Etage kam mir plötzlich der Gedanke, ich hätte besser oben

      gewartet, bis das Licht ausgeht, um es wieder einzuschalten. Da hörte ich auch

      schon ein „Klick“ und ich stand im Dunkeln. Nach dem ersten Schreck war ich noch

      leicht amüsiert über meine „Blödheit“ und dachte . OK – langsam in den 2. Stock tasten

      und dort das Licht wieder anschalten.

      Als ich einen Fuß hob, knarrten die Treppen über und unter mir so furchtbar, dass ich wie

      gelähmt stehen blieb. Nach einem kurzen Schnaufer, stieg ich vorsichtig eine Stufe

      hinab – und da hörte ich es deutlich. Jemand kam mit schweren Schuhen von unten herauf.

      Ich dachte zuerst, meine Sinne spielten mir einen Streich und überlegte kurz, ein

      „Hallo ?!?“ abzusetzen. Aber eine innere Stimme warnte mich und ich gehorchte.

      Bald darauf war der Spuk vorbei und ich versuchte es erneut, und wieder knarrten

      die Stufen unheimlich. War das Einbildung ? Bei Licht hatte ich das nie so wahrgenommen.

      Und dann hörte ich es wieder. Schwere Schuhe auf dem Weg nach oben. Ich erstarrte

      und hielt die Luft an. Sekunden später war alles wieder ruhig. In mir brodelte es.

      Keine Panik, Nerven behalten! Dann beschloss ich, langsam bis 30 zu zählen und ohne

      Rücksicht auf Verluste die Stufen runter zu rennen bis zum Lichtschalter im 2. Stock.

      Ich zählte bis 30, hielt mich am Geländer und rannte los. Natürlich stolperte ich bei

      den letzten Stufen, taumelte in den Gang, klatsche mit Wucht auf den Lichtschalter

      und knallte mit dem rechten Schienbein derart heftig gegen einen Tisch, der vor dem

      Schalter stand, dass ich über den halben Korridor flog.

      Fazit : das Licht brannte wieder und mein Schienbein nahm Farben an.

      Schnell rappelte ich mich auf, humpelte die restlichen Stufen hinab zum Ausgang

      und schloss zitternd hinter mir ab. Dann lehnte ich mich erstmal gegen die Hauswand

      und atmete tief durch.

      Das Licht hinter der Glastüre erlosch und da kam auch schon mein Bus.

      Die Zeit verging, das Bein heilte und ich hatte den Vorfall schon fast vergessen.

      Dann begab es sich, dass wir einige Wochen später bei einem Mitglied eine Doku

      über ein Land ansahen. Es war ein gemütlicher Abend bei anschließendem Plausch mit

      Wein und Gebäck, bei dem auch 2 ältere Damen (Mitglieder) zugegen waren.

      Da bemerkte eine der Damen ganz nebenbei „Wisst ihr eigentlich, dass in dem Haus,

      in dem wir unser neues Büro haben, in den 40ern ein Gestapo-Hauptquartier mit

      Folterkellern war ?“

      Ich spürte, wie es mir urplötzlich eiskalt den Rücken runterlief.

      *****************************************************************************

      Ich glaube nicht an Geister oder Gespenster.

      Sie gehören in das Reich der Phantasie.

      Aber ich habe bis heute keine rationale Erklärung für das Phänomen,

      welches mich an jenem unseligen Abend heimgesucht hat.

      Das einzige, was mir dazu einfällt………





      In diesem Sinne

      Ein beschauliches Fest

      und einen guten Rutsch

      -Z-
    • Neu

      Tür 6‿◕)ツ Nikolaus

      Es war einmal eine kleine Frau, die einen staubigen Feldweg entlang lief.
      Sie war offenbar schon sehr alt, doch ihr Gang war leicht
      und ihr Lächeln hatte den frischen Glanz eines unbekümmerten Mädchens.
      Bei einer zusammengekauerten Gestalt, die am Wegesrand saß,
      blieb sie stehen und sah hinunter.
      Das Wesen, das da im Staub des Weges saß, schien fast körperlos.
      Es erinnerte an eine graue Decke mit menschlichen Konturen.
      Die kleine Frau beugte sich zu der Gestalt hinunter und fragte: "Wer bist du?"
      Zwei fast leblose Augen blickten müde auf. "Ich?
      Ich bin die Traurigkeit", flüsterte die Stimme stockend und so leise, dass sie kaum zu hören war.
      "Ach die Traurigkeit!" rief die kleine Frau erfreut aus, als würde sie eine alte Bekannte begrüssen.
      "Du kennst mich?" fragte die Traurigkeit misstrauisch.
      "Natürlich kenne ich dich! Immer wieder einmal, hast du mich ein Stück des Weges begleitet."
      "Ja aber...", argwöhnte die Traurigkeit, "warum flüchtest du dann nicht vor mir?
      Hast du denn keine Angst?"
      "Warum sollte ich vor dir davonlaufen, meine Liebe?
      Du weißt doch selbst nur zu gut, dass du jeden Flüchtigen einholst.
      Aber, was ich dich fragen will: Warum siehst du so mutlos aus?"
      "Ich..., ich bin traurig", sagte die graue Gestalt.
      Die kleine, alte Frau setzte sich zu ihr.
      "Traurig bist du also", sagte sie und nickte verständnisvoll mit dem Kopf.
      "Erzähl mir doch, was dich so bedrückt."
      Die Traurigkeit seufzte tief.
      "Ach, weißt du", begann sie zögernd und auch verwundert darüber,
      dass ihr tatsächlich jemand zuhören wollte, "es ist so, dass mich einfach niemand mag.
      Es ist nun mal meine Bestimmung, unter die Menschen zu gehen
      und für eine gewisse Zeit bei ihnen zu verweilen.
      Aber wenn ich zu ihnen komme, schrecken sie zurück.
      Sie fürchten sich vor mir und meiden mich wie die Pest."
      Die Traurigkeit schluckte schwer.
      "Sie haben Sätze erfunden, mit denen sie mich bannen wollen.
      Sie sagen: 'Papperlapapp, das Leben ist heiter.'
      und ihr falsches Lachen führt zu Magenkrämpfen und Atemnot.
      Sie sagen: 'Gelobt sei, was hart macht.' und dann bekommen sie Herzschmerzen.
      Sie sagen: 'Man muss sich nur zusammenreißen.'
      und sie spüren das Reißen in den Schultern und im Rücken.
      Sie sagen: 'Nur Schwächlinge weinen.' und die aufgestauten Tränen sprengen fast ihre Köpfe.
      Oder aber sie betäuben sich mit Alkohol und Drogen, damit sie mich nicht fühlen müssen."
      "Oh ja", bestätigte die alte Frau, "solche Menschen sind mir auch schon oft begegnet..."
      Die Traurigkeit sank noch ein wenig mehr in sich zusammen.
      "Und dabei will ich den Menschen doch nur helfen.
      Wenn ich ganz nah bei ihnen bin, können sie sich selbst begegnen.
      Ich helfe ihnen, ein Nest zu bauen, um ihre Wunden zu pflegen.
      Wer traurig ist, hat eine besonders dünne Haut.
      Manches Leid bricht wieder auf, wie eine schlecht verheilte Wunde und das tut sehr weh.
      Aber nur, wer die Trauer zulässt und all die ungeweinten Tränen weint,
      kann seine Wunden wirklich heilen.
      Doch die Menschen wollen gar nicht, dass ich ihnen dabei helfe.
      Stattdessen schminken sie sich ein grelles Lachen über ihre Narben.
      Oder sie legen sich einen dicken Panzer aus Bitterkeit zu."
      Die Traurigkeit schwieg. Ihr Weinen war erst schwach, dann stärker und schließlich ganz verzweifelt.
      Die kleine, alte Frau nahm die zusammengesunkene Gestalt tröstend in ihre Arme.
      Wie weich und sanft sie sich anfühlt, dachte sie und streichelte zärtlich das zitternde Bündel.
      "Weine nur, Traurigkeit", flüsterte sie liebevoll, "ruh dich aus, damit du wieder Kraft sammeln kannst.
      Du sollst von nun an nicht mehr alleine wandern. Ich werde dich begleiten,
      damit die Mutlosigkeit nicht noch mehr Macht gewinnt."
      Die Traurigkeit hörte auf zu weinen. Sie richtete sich auf und betrachtete erstaunt ihre neue Gefährtin:
      "Aber..., aber – wer bist du eigentlich?"
      "Ich?" sagte die kleine, alte Frau schmunzelnd.
      "Ich bin die Hoffnung." ©‿◕) Verf. Inge Wuthe
      ╔═.♥.══════╗
      ╚══════.♥.═╝
      Eine kleine musikalische Augenweide hat der Nikolaus noch mitgebracht.
      Sehr anmutig anzuschauen.
      Ballet trifft Break Dance

      Bleibe auf dem Teppich deiner Möglichkeiten und hoffe das er fliegen lernt.
    • Neu

      7. Türchen

      Der kleine Stern
      von Conny Cremer

      Dem kleinen Stern war langweilig.
      Erst drehte er sich um seine eigene Achse und dann machte er einen Purzelbaum.
      So hatte er einen anderen Blick und schaute jetzt in Richtung Erde.
      Zu seinen Nachbarsternen war es so weit, dass sie sich nur per Blinkzeichen mit einander verständigten, aber das war auf Dauer auch langweilig.
      So schaute der kleine Stern traurig zur Erde und fand, es sei doch ganz egal, ob er am Himmel stände oder nicht. Bei der Menge an Sternen würde sein Fehlen bestimmt nicht auffallen. Warum war er denn überhaupt da, wenn es keinem auffiele, wenn er weg wäre?
      Die Erde war anders, als die anderen Sterne. Sie war ein Planet und auf ihr soll es sogar Lebewesen geben. Das hatte er zumindest gehört. Es wäre doch bestimmt toll, wenn er sich das selbst ansehen könnte, würde ja nicht auffallen, wenn er vom Himmel verschwände.
      Aber wie sollte er zur Erde gelangen?
      Der kleine Stern überlegte und überlegte. Dann blinkte er nach rechts, links, oben und unten seine Kollegen an und bat um Hilfe für sein Problem.
      Alle anderen Sterne antworteten blinkend und rieten dem kleinen Stern ganz stark davon ab zu versuchen zur Erde zu kommen. Sie behaupteten, dass er dann verglühen und sterben würde. Und überhaupt würde er dann nicht mehr zurück können, da waren sich alle einig. Aber wie er überhaupt vom Himmel fallen sollte, dazu hatte keiner eine Idee.
      So probierte der kleine Stern einfach aus, was er sich selbst überlegt hatte, denn wenn keiner wusste, wie ein Stern vom Himmel fiel, dann wusste auch keiner, ob er wirklich verglühen und sterben würde.
      Also begann der kleine Stern immer schneller sich zu drehen und Purzelbäume zu schlagen. Und als ihm beinah schwindelig war, bemerkte er, dass er an seinem Platz zu wackeln begann. Aus dem Wackeln wurde ein Schwingen und auf einmal verlor er den Halt und stürzte purzelnd und drehend in Richtung Erde.

      Im selben Moment, als der kleine Stern begann vom Himmel zu fallen, schaute ein kleines Mädchen in den Sternenhimmel und begann entsetzt aufzuschreien. Sie liefe schnell aus ihrem Zimmer zu den Eltern, die in der Küche mit dem Abwasch beschäftigt waren.

      „Papa, Mama, schnell. Da ist gerade ein Stern vom Himmel gefallen. Den müssen wir suchen, denn der muss doch wieder nach oben.“
      Der Vater sah gutmütig zu seiner Tochter und meinte: „Liebes, das war nur eine Sternschnuppe, die über den Himmel gezogen ist. Da hättest du dir was wünschen können.“
      „Nein, nein, “ rief das Kind. „Es war keine Sternschnuppe. Es war ein Stern und der fehlt jetzt am Himmel.“ Sie lief zum Fenster und zeigt hinauf in den Himmel. „Schau Papa, da oben war der Stern und jetzt ist sein Platz leer. Bitte, wir müssen ihn suchen gehen.“
      Der Vater trat ans Fenster und irgendwie schien die Stelle, auf die seine Tochter deutete, tatsächlich seltsam leer zu wirken. Obwohl er nicht glaubte, das ein Stern vom Himmel gefallen war, wollte er seiner Tochter den Gefallen tun und mit ihr einen kurzen Spaziergang machen.
      So zogen sich Vater und Tochter dicke Stiefel, Jacke, Mütze und Handschuhe an, denn es war am Abend kalt geworden. Und als sie an der Türe raus gingen nahm der Vater noch seine Taschenlampe und steckte sie ein.

      Kaum auf der Straße rief die Kleine aufgeregt: „Schau da Papa, da leuchtet es im Wald. Da ist der Stern bestimmt hingefallen.“ Und tatsächlich sah man einen Feuerschein aus dem nahe gelegenen Wald leuchten. Also machten sich Vater und Tochter schnellen Schrittes Richtung Licht. Als sie am Waldrand ankamen schaltete der Vater seine Taschenlampe ein und beleuchtete den Weg, den die Beiden Richtung Lichtschein nahmen.

      Es viel auf, das der Schein, wie bei einem Feuer, zuckte und flackerte.

      Schnelle waren die Beiden durch Gestrüpp und Unterholz gedrungen und standen plötzlich an einer kleinen Mulde, die wundersames auftat.

      Sie sahen, wie ein kleines Häschen vorsichtig mit der Nase an das Licht stupste, was zuckend auf dem Boden lag und sich merkwürdig bewegte. Sie traten vorsichtig näher und da sahen sie ihn, den kleinen Stern, der verzweifelt versuchte sich auf eine oder zwei seiner Spitzen aufzurichten. Und dabei schien ihm das Häschen helfen zu wollen, zuckte aber immer schnell zurück sobald es den Stern berührte. Als das Häschen die beiden Menschen bemerkte, zog es sich schnell ein wenig ins Unterholz zurück, blieb aber dort sitzen.

      „Papa, wir müssen dem Stern helfen. Er kann alleine nicht mehr zurück und hier kann er doch nicht bleiben.“ Die Worte seiner Tochter brachten den völlig verwirrten Vater in die Wirklichkeit zurück, denn was er da sah, das konnte er nicht glauben. Da lag wirklich ein kleiner Stern, versuchte wieder auf zu kommen und ein Hase hatte helfen wollen.

      „Was soll ich denn machen?“ fragte der Vater laut, denn er hatte selbst keine Ahnung. Er schaute zum Himmel und jetzt sah er es genau. Da war ein Platz am Himmel, der war leer und die anderen Sterne standen viel weiter auseinander, als man es sonst so kannte. Ja, hier lag der gefallene Stern, der doch eigentlich an den Himmel gehörte. Dort leuchtete er und machte die Nacht heller. Dorthin sahen die Menschen und entließen ihre Träume in den Himmel.

      „Du musst ihn wieder nach oben werfen“, hörte er die Antwort seiner Tochter.
      „Aber so hoch kann ich doch gar nicht werfen“, erwiderte der Vater. „Aber versuchen musst du es. Schau, der Stern wird schon immer schwächer. Er bewegt sich weniger und sein Licht scheint nicht mehr so hell.“

      Seine Tochter hatte recht. Es war merklich dunkler geworden und um den Stern schmolz der Schnee.

      Beherzt ging der Vater auf den kleinen Stern zu und umfasste in vorsichtig mit seiner behandschuhten Hand. Er spürte sofort die Hitze, die der Stern immer noch ausstrahlte und wusste, warum das Häschen mit seiner zarten Nase, den Stern nicht hatte weiter berühren können.

      „Ich gebe mein Bestes, aber ich kann nur anfangen, den Rest des Weges musst du selber schaffen“, sagte er zum Stern und fing an, seinen Arm zu schwingen um möglichst viel Kraft in den Wurf legen zu können. Und als er genug Schwung hatte, öffnete er die heiß glühende Hand und warf den Stern kraftvoll in Richtung Himmel.

      Der kleine Stern hatte alles verstanden, was Vater und Tochter gesagt hatten. Und auch die Hilfe des Hasen hatte ihm ganz deutlich etwas gesagt: Ein Stern gehört an den Himmel und dort ist er wichtig und hat seine Aufgaben. Und egal, wie viele es gab, jeder einzelne Stern zählte. Das wusste er jetzt. Und als er mit Schwung in den Himmel geworfen wurde begann er sich zu drehen und wenden, um schneller zu werden. Er nahm allmählich Fahrt auf und gewann an Höhe. Und als es fasst mit dem Mond zusammen gestoßen wäre fühlte er einen Hauch, der ihn ganz unvermittelt an seinen verlassenen Platz katapultierte. Dort blieb er wackelnd und zitternd stehen und beruhigte sich ganz allmählich.

      Vater und Tochter schauten in den Himmel, dem Stern hinterher. Und auch das Häschen hatte seine Nase aus dem Dickicht gesteckt.

      Der Stern sah zu ihnen hinunter. Dann leuchtete er einmal besonders hell auf, wurde dunkel und blinkte dann kurz bevor er wieder normal im Licht erstrahlte.

      Ich wünsche allen noch eine schöne Adventszeit
      BobbyBerger
    • Neu

      Türchen 8


      Romans Schicksalsbegegnung
      Seit Romans Frau ausgerechnet am 23.12.2012 gestorben war, hatte er der Weihnachtszeit abgeschworen. Er konnte es nicht ertragen, wenn Menschen fröhlich waren, sich liebten, küssten und voller Vorfreude Geschenke für die Familie besorgten. Und so geschah es, dass er sich regelmäßig im Dezember in eine einsame Waldhütte im Schwarzwald verzog und sich von aller Welt abschottete. Auf die Versuche seiner Kinder, ihn wieder in die Familie zu integrieren, reagierte er schroff, ja beinahe herzlos und verletzte damit immer wieder die Menschen, die ihm tief im Herzen am allermeisten bedeuteten.
      Auch in diesem Jahr war es wieder der erste Dezember, an dem Roman seine einsame Hütte bezog. Er hatte bereits eingekauft, mehr als Dosensuppen und haltbares Brot sollte es nicht geben. Ausgerüstet mit Feuerholz und einigen Büchern verschanzte sich der einsame, alte Mann in seinem Haus und ließ die Menschen, Menschen sein. Er bewegte sich für gewöhnlich nicht einmal hinaus, den gesamten Dezember verbrachte er in dem Haus und erst wenn das neue Jahr gekommen war, fuhr er zurück in seine Wohnung in der Stadt.
      Es war der 18. Dezember, ein kalter, schneereicher Tag, an dem er sich entschloss, völlig entgegen seiner Gewohnheiten einen Spaziergang zu machen. Er stapfte durch den Schnee, die eisige Luft wehte ihm um die Nase und fast schon bereute er seinen Entschluss, als er ein herzzerreißendes Schluchzen vernahm. Er sah irritiert um sich, beschloss dann aber das Geräusch zu ignorieren. Er stapfte weiter und erneut durchdrang das Geräusch die Stille des Waldes. „Wer ist da“, brummte er zornig über die Störung in seinen Bart, doch es kam keine Antwort. Je weiter er seinen Weg entlang ging, umso lauter wurde das Geräusch. Er bog gerade um die letzte Ecke, die zurück zu seiner Hütte führte, als er eine ältere, gramgebeugte Frau auf einem schneebedeckten Stein sitzen sah.
      „Was will die denn hier“, brummelte er für sich selbst, doch die Höflichkeit gebot es ihm, diese Worte nicht laut auszusprechen. Die schluchzende, schlanke Frau bemerkte Roman nicht, der sich zögerlich näherte. Erst als er direkt neben ihr stand, hob sie den Kopf und sah ihn aus tränenumschwirrten Augen an. „Entschuldigen Sie, brauchen Sie vielleicht Hilfe“? fragte Roman, der entgegen seiner Gewohnheiten so etwas wie Mitgefühl verspürte. Die großen, rehbraunen Augen der Frau wirkten so hilflos, dass er sich unwillkürlich an seine Frau erinnert fühlte. Renate, so hieß seine geliebte Frau, hatte ebenso dunkle, wie große Augen gehabt und ihr Blick hatte sein hartes Herz stets erwärmt.
      „Ach danke der Herr, aber ich schätze mir kann niemand mehr helfen“, schluchzte die Frau gebrochen und ehe er darüber nachdenken konnte, hatte sich Roman neben sie gesetzt und sah sie hilflos von der Seite an. „Na na na, so schlimm wird es schon nicht sein“, brummelte er und streichelte unbeholfen über ihre Schulter. Diese leichte Berührung reichte aus und erneut begann die Frau zu weinen. Doch diesmal sprudelten neben den Schluchzern auch Worte aus ihrem Mund. „Ich hasse sie, die Weihnachtszeit. Wann immer die Menschen glückseelig werden, verspüre ich nur Schmerz. Musste ich doch mein geliebtes Kinde zu Grabe tragen und bin seither eine einsame, alte Frau“.
      Roman zuckte erschrocken zusammen, als er verspürte, wie sehr das Schicksal auch hier zugeschlagen hatte. Noch nie hatte er einem Menschen von sich erzählt, doch diesmal brach er sein Gelübde und auch aus ihm sprudelten die Worte hervor. All seinen Kummer, all sein Leid klagte er der geduldigen Frau, die ihn aufmunternd ansah und der es sogar gelang, ihre eigenen Tränen zu trocknen. Bei Roman hingegen flossen sie reichlich, doch er störte sich nicht daran. Noch vier Stunden später saßen sie gemeinsam auf dem Stein und spürten nicht einmal, dass die Kälte um sie herum beinahe zu klirren fähig war.
      Erst als das Zähneklappern Karins, so hieß Romans Schicksalsbegegnung, nicht mehr zu überhören war, wurden beide auf den Umstand aufmerksam und wie von selbst ergriff Roman ihre Hand und führte sie den Weg entlang, zu seiner gar nicht mehr so einsamen Berghütte. Erst als sie längst am warmen Ofen saßen fiel ihm siedend heiß ein, dass er dieser Frau nun gar kein Essen servieren konnte, schließlich gab es in der Hütte nichts. Als er sein Malheur gestand, lachte Karin zum ersten Mal seit er sie kannte und dieses Lachen war so herzerfüllend, dass selbst eine Mahlzeit aus Dosensuppe für Roman plötzlich wie ein Festmahl erschien.
      Bis zum ersten Januar blieb sie bei ihm und die Dezembertage waren die schönsten, die er seit langem erlebt hatte. Karin ließ die Sonne endlich wieder in sein Herz und plötzlich erschien der grambeugte Mann gar nicht mehr so alt und gebrechlich. Täglich spazierten beide durch den schneebehangenen Schwarzwald, erzählten dies und das aus ihren Leben und gedachten den schmerzlichen Verlusten, die beide durchlitten hatten. Als sie am 24.12 gemeinsam auf der Bank saßen, auf der sie ihr erstes, langes Gespräch gehabt hatten, fiel eine Sternschnuppe vom Himmel. Ergriffen sahen Roman und Karin auf das Naturphänomen und als er ihre Hand ergriff, drückte sie sie kurz und beließ die ihre in seiner.
      Beide hatten einen sehnlichsten Wunsch, den sie der Schnuppe zugeflüstert hatten. Beide wussten nicht, dass der Wunsch identisch war und doch sollten die kommenden Jahre zeigen, dass er sich erfüllt hatte. Noch heute fährt Roman jedes Jahr in die Schwarzwaldhütte, um die Weihnachtszeit dort zu verbringen. Doch längst ist der Gram nicht mehr im Gepäck, sondern Karin, die Frau die ihm das Lachen zurückgebracht hat. Auch wenn Karin niemals ihre kleine Tochter vergessen wird und Roman seine Renate für immer im Herzen trägt, war es den beiden Menschen dank einer weihnachtlichen Begegnung möglich, endlich wieder die Liebe fürs Leben zu entdecken.
    • Neu

      Türchen 9
      Wie man sein Herz öffnet – Eine Geschichte zum Nachdenken

      Diese wundervolle, berührende Geschichte über ein Herz, soll Dir Mut geben, Dich wieder zu öffnen,
      sollte die Tür Deines Herzens mal verschlossen sein.


      Es war einmal ein Herz….

      … das schlug 100.000mal am Tag ‒ nicht mehr und nicht weniger. Es schlug nun einmal so viel wie es nötig war. Das Herz war nicht von der gleichen feuerroten Farbe wie all die anderen Herzen, sondern besaß nur ein schwaches Blassrosa. Das schlimme war, dass es mit der Zeit immer mehr an Farbe verlor. Der Lebenskampf hatte es geschwächt und obwohl es noch nicht sehr alt war, hatte es schon viele Falten. Eines Tages war es auf die Idee gekommen, einen Verschlag um sich zu bauen. So suchte es den härtesten Stein für die Wände, das massivste Holz für das Dach und den stärksten Stahl für die Tür. Nur so, dachte das Herz, konnte niemand mehr hinein zu ihm um es zu verletzen ‒ niemand konnte es mehr zerreißen. Endlich war es sicher.
      Nun saß das kleine Herz in seinem Verschlag, lugte hinaus durch die Fugen im Stein und hörte über sich das Knacken des Holzes. Es war ziemlich dunkel und kalt dachte sich das Herz. Aber es schloss einfach die Augen und tat was es immer tat ‒ schlagen, 100.000mal am Tag. Vor lauter Langeweile zählte das Herz jeden Schlag mit, bis es ihm überdrüssig wurde. So vergaß es manchmal einen Schlag zu tun. Das Herz fragte sich, was es überhaupt noch für einen Sinn hatte zu schlagen. Was das Herz vergessen hatte war, dass es sich zwar in Sicherheit vor allem Bösen befand, es niemand mehr verletzen und enttäuschen konnte, dass aber auch niemand mehr hineinkommen würde, der mit ihm lachen täte, jemand der Purzelbäume mit ihm schlagen würde und es wärmte.
      Nach einiger Zeit fing das Herz an darüber nachzudenken. Es merkte, einen fatalen Fehler begangen zu haben. Mit aller Kraft versuchte es die Stahltür aufzudrücken, doch sie war zu schwer, als dass sie sich bewegen ließ. So begann es gegen die Steinwände zu hämmern, doch außer, dass sich ein paar Brocken lösten, passierte nichts. Der Stein war zu gewaltig. Als es sich am Dach zu schaffen machte, zog es sich nur einen dicken Splitter zu. Panikartig saß das kleine Herz in seinem selbstgebauten Gefängnis und schlug mindestens doppelt so schnell wie sonst. Wie konnte es nur den Schlüssel in all seiner Trauer vergessen? Das Herz verfluchte sich für sein elendes Selbstmitleid. Wie gern würde es sich jetzt den Stürmen des Lebens hingeben, sich vor Angst zusammenkrampfen, vor Freude hüpfen, wenn es nur könnte.
      Es schaute durch das Schlüsselloch hinaus in die Welt und sah die anderen Herzen. Einige waren blass so wie es selbst. Sie schlichen durchs Leben geduckt und allein. Andere wiederum sprangen in leuchtendem Rot ‒ Hand in Hand über Stock und Stein, unerschrocken und gestärkt vom anderen. Doch was das Herz dann sah ließ es staunen und es konnte seine Tränen nicht verbergen. Da lagen Herzen im Staub mit Füßen getreten. Sie waren weiß und regten sich kaum noch. Sie schlugen vielleicht noch 20mal am Tag. Niemand kümmerte sich um sie, denn auch sie hatten einmal den Schlüssel ihres Gefängnisses so gut versteckt, dass niemand ihn fand. Da fühlte das Herz zum ersten Mal, dass es ihm noch gar nicht so schlecht ging. Noch war es rosa und noch fühlte es etwas. Es musste nur diesen Schlüssel finden zu seiner Stahltür. So machte es sich auf die Suche und probierte alle Schlüssel die es finden konnte aus. Es probierte sogar Schlüssel, von denen es von Anfang an wusste, dass sie nicht passen würden.
      Nach einiger Zeit merkte das Herz, dass es wieder einen Fehler begangen hatte. Es war zu unüberlegt, zu krampfhaft an die Suche gegangen. Es verstand, dass man das Glück nicht erzwingen konnte. Frei ist man nur, wenn man frei denken kann. Das Herz entspannte sich erst einmal und beschäftigte sich mit sich selbst. Es schaute in den Spiegel und begann sich so zu akzeptieren wie es war ‒ blassrosa und faltig. Es spürte eine wohlige Wärme in sich aufsteigen und eine innere Gewissheit, dass es auf seine Art und Weise wunderschön war.
      So fing es an zu singen, erst ganz leise und schnurrend und nach und nach immer lauter und heller, bis es ein klares Zwitschern war, wie das eines Vogels am Himmel. Durch den hellen Ton begann der Stein an einer Stelle nachzugeben. Mit riesen¬großen Augen starrte das kleine Herz auf diese Stelle, wo ein goldenes Schimmern zu sehen war. Das Herz traute seinen Augen nicht. Da war der Schlüssel, den es damals mit in den Stein eingemauert hatte. Das hatte es durch all seinen Schmerz und sein Selbstmitleid vergessen und jetzt wo es den Schlüssel in der Hand hielt, fiel es ihm wieder ein, wie es ihm vor all den Jahren so sicher erschien, ihn nie wieder zu brauchen. Langsam und voller Bedacht den Schlüssel nicht abzubrechen, steckte das Herz ihn ins Schloss.
      Mit lautem Quietschen schob sich die schwere Stahltür zur Seite. Das Herz machte einen Schritt nach draußen, schloss die Augen und atmete tief die frische Luft ein. Es streckte die Arme aus, drehte und wendete sich, blickte nach oben und nach unten und hörte gespannt mal hierhin und mal dorthin. Das Herz dachte wie schön das Leben doch sei, machte einige Hüpfer und begab sich auf den Weg um Freunde zu finden. Der Erste, den es traf, war ein lustiger Geselle, der das Leben zum schießen komisch fand und über 1000 Freunde hatte. Nachdem das Herz einige Zeit mit ihm verbrachte, mit ihm alle erdenklich lustigen Sachen anstellte, merkte das Herz, dass diesem Freund einiges fehlte ‒ der Tiefgang!
      Was war das für ein Freund, mit dem man nur lachen aber nie weinen konnte? Mit dem es nur durch dick aber nie durch dünn gehen konnte? So zog das Herz weiter ‒ allein, aber reich an neuer Erfahrung ‒ bis es auf eine Gruppe anderer Herzen stieß. Es wurde direkt freundlich in ihre Mitte aufgenommen. Es war ein ganz neues Gefühl von Zugehörigkeit. Da war nun eine große Gruppe, wie eine Familie die zusammen hielt, wo alle gleich waren. Jeden Morgen standen sie gemeinsam auf, tranken den gleichen Tee, aßen vom gleichen Brot und gestalteten jeden Tag gleich. Das Herz war glücklich¬ ‒ eine Zeit lang, bis es spürte, dass auch dies nicht das richtige Ziel sein konnte, denn auch seinen vielen neuen Freunden fehlte etwas ‒ die Individualität!
      In ihrer Mitte gab es keinen Platz für jemanden, der Eigenständig war und sein Leben selbst planen wollte. Also löste sich das Herz auch aus dieser Verbindung und genoss sein eigenes Leben. Es ging über 112 Wege, um 203 Kurven und 24 Berge und Täler, bis es an einem Haus ankam, dass mit Stacheldraht umzogen war. Aus dem Schornstein quoll Rauch, das hieß, dass tatsächlich jemand in diesem Haus leben würde. In einem Haus, das nicht einmal Fenster hatte. Bei diesem Anblick fiel dem Herz ein, wie es selbst einmal gelebt hatte. Wie sehr es damals gehofft hatte, dass jemand ihm helfen würde und doch niemand sein stummes Flehen erkannt hatte. Es wusste, dass es ihm aus eigener Kraft gelungen war und es war sehr stolz darauf. Aber wie konnte es diesem armen Herzen helfen aus seinem Verlies zu kommen?
      Das Herz besorgte sich eine Drahtschere und versuchte den Stacheldraht zu durchtrennen. Aber nach einiger Zeit verließen es die Kräfte. Auch dieses Herz hatte keine Mühe gespart, für sich den stärksten Stacheldraht zu finden. Obwohl das Herz das andere nicht sah und auch nicht hörte, sondern nur ahnen konnte, was das für ein Herz war, fühlte es eine starke Bindung zu ihm. So grub es ein Loch im Boden unter dem Stacheldraht, um dem anderen wenigstens nah zu sein. Es stand vor seinem Haus ‒ vor der gleichen dicken Stahltür wie einst seiner ‒ und begann zu reden. Tagelang, nächtelang stand es einfach nur da und redete.
      Es erzählte von seinem Schicksal. Erzählte ihm, was ihm alles in seinem Leben widerfahren war und es hörte ein Schluchzen hinter der dicken Tür. Uner¬müdlich sprach das Herz weiter. Über die lustigen Sachen, die es mit seinem ersten Freund erlebt hatte, über die Wärme, die es bei seiner Familie erfahren hatte und es vernahm ein leises glucksen von innen. Erst leise, bis es sich immer lauter in ein gellendes Lachen verwandelte.
      Plötzlich sprach das Herz hinter der Stahltür. Es wollte hinaus zu ihm, und es sehen. Es wollte sich an seine Schultern lehnen, sich an es drücken und es nie wieder verlassen. Das Herz war glücklich, endlich so jemanden gefunden zu haben, aber was sollte es nur tun? Wie auch bei ihm früher, wusste das andere Herz nicht mehr wo es den Schlüssel versteckt hatte. So fasste das Herz den Entschluss loszugehen, um den Schlüssel zu suchen.
      Nur wo sollte es anfangen? Es lief ziellos umher, suchte hinter den Büschen, auf Bäumen, tauchte in Seen danach, fragte alle die seinen Weg kreuzten, aber niemand wusste Rat und nirgends fand es den Schlüssel. So ging es mit schwerem Herzen zurück zu der kleinen Hütte. Krabbelte durch das Loch unterm Zaun, um die schlechte Nachricht zu überbringen. Doch zu seinem Erstaunen, fand es die schwere Stahltür geöffnet. „Wie war das möglich gewesen?“ dachte das Herz. Plötzlich hörte es eine freundliche und liebevolle Stimme hinter sich. Da sah es ein kleines blassrosa Herz stehen mit glühenden Wangen.
      „Ich habe hier auf Dich gewartet.“ sagte das kleine Herz. „Ich habe erkannt, dass man es im Leben nur aus eigener Kraft schaffen kann, aus seinem Gefängnis zu entkommen. Doch so viel Kraft konnte ich nur durch dich erlangen. Durch deine Liebe zu mir und meiner Liebe zu dir habe ich den Schlüssel zur Tür meines Herzens gefunden, der mir gleichzeitig die Tür meines Verlieses öffnete.“ Sie nahmen sich an die Hand und gingen von nun an alle Wege gemeinsam, ihr Herzschlag im gleichen Rhythmus bis an ihr Lebensende.


      von Steffen Kirchner
    • Neu

      Unser Adventskranz
      Die Alternative für Weihnachtshasser

      Wenn wir ein wenig in Zeitnot sind, nehmen wir einfach einen gewöhnlichen Adventskranz oder spülen das Relikt vom letzten Jahr kurz unter fließendem Wasser ab. Allerdings stecken wir diesmal nicht wie sonst vier Kerzen drauf, sondern fünf oder drei.
      Erstens tun wir damit etwas Gutes: Unsere Gäste können über uns den Kopf schütteln, uns belehren und sich für klüger halten. Damit leisten wir einen wertvollen Beitrag zur Stärkung ihres Selbstbewusstseins, tun also weihnachtsgemäß eine gute Tat. Und zweitens kehren wir zurück zur Ursprünglichkeit dieses Brauches. Wieso? Weil der Erfinder des Adventskranzes, ein gewisser Johann Hinrich Wichern, vor achtundfünfzig Jahren in seinem Waisenhaus in Berlin keineswegs vier, sondern drei Kerzen auf den Kranz steckte. Wegen der Dreifaltigkeit: Vater, Sohn und Heiliger Geist. Das weiß heute zwar keiner mehr. Macht aber nichts

      my_kranz.PNG
      Drei Kerzen sind für uns ein Zeichen tiefer Hoffnung: dass Weihnachten nie kommen möge. Nicht umsonst heißt es „Erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier, dann steht das Christkind vor der Tür“ Wenn wir also nur drei Kerzen anzünden, kommt Weihnachten nie - Wir bleiben ungestört. Wir können das tun, wozu wir Lust haben. (z.B. Schach online spielen 8o )

      Fünf Kerzen sind ebenfalls ein Zeichen positiven Denkens. Wie sagt der Volksmund: „Denn wenn das fünfte Lichtlein brennt, hast du Weihnachten verpennt
      Was für eine herrliche Vorstellung! Gibt es etwas Schöneres, als Weihnachten zu verschlafen? Vielleicht schaffen wir es diesmal! Und wenn nicht, ist das fünfte Lichtlein auf dem Kranz trotzdem ein Zeichen der Freude und Zuversicht: Am fünften Sonntag wird Weihnachten überstanden sein.

      Woraus besteht der Adventskranz?
      Leider haben wir nicht die Zeit, ihn aus Hühnerknöchelchen und Fischgräten zu flechten, wie es die Eskimos tun. Obwohl das sehr appetitlich aussieht. Dafür finden sich in unserem Haushalt ein paar Topfschwämme, die wir mal eben mit drei Handgriffen zum Kranz flechten. Das ist nicht nur preisgünstig, sondern schimmert auch schön festlich. Daneben platzieren wir dann noch einen kleinen Strauß aus alten Zahnbürsten. Zwar mag dem ein oder anderen Gast dann vor Schreck das Gebiss klappern, doch wir erweisen uns als Freunde der Umwelt. Für unseren Adventskranz muss keine arme Tanne zerhackt werden....


      Auszug aus "Das Weihnachtshasser-Buch"


      Frohe und besinnliche Vorweihnachtszeit....

    • Neu



      12. Türchen images.jpg


      Es geschah vor über drei Jahren und

      genauso vor dem damaligen Weihnachtsfest,
      waren meine Gedanken und Empfindungen
      wie folgt beschrieben: Von Irmgard Erath


      Grenze des Lebens, aber nicht der Liebe

      Das Schwerste, was das Leben abverlangen kann, ist der Abschied von einem
      geliebten Menschen, der uns für immer verlassen hat. Da steht auch unser Herz für einen Augenblick still-ungläubig-fassungslos! Es ist als hätten alle Uhren aufgehört zu schlagen, als wäre plötzlich eine Türe ins Schloss gefallen, hart, unwiderruflich.
      Wir sind allein!

      Mit jeder Faser unseres Herzens wehren wir uns gegen das, was geschehen ist.
      Jeder unserer Gedanken lehnt sich dagegen auf. Dahinter steht das Wissen um die Unabänderlichkeit und Endgültigkeit des Geschehenen, das uns gleichzeitig auch unsere ganze Hilflosigkeit und Ohnmacht empfinden lässt: Wir fühlen uns wie ein kleines Boot, das ziellos auf dem Wasser treibt, auf einem Meer der Traurigkeit.
      Und zu dieser inneren Verlassenheit kommt das Gefühl, so vieles versäumt zu haben:
      Wie oft hätten wir doch etwas Schönes sagen oder mit einer liebevollen Geste die
      dunklen Schatten zwischen uns vertreiben können! Aber nicht nur das, was wir versäumten, ist unwiederbringlich verloren. Auch all unsere gemeinsamen Pläne und
      unsere Träume, unsere Hoffnungen und Erwartungen sind ins Nichts versunken. Und all das Schöne, das wir zusammen erlebt haben, geht unter in Trauer und Schmerz.

      Nichts ist mehr, wie es war. Die Sterne glitzern zwar in der Nacht, als wäre der geliebte Mensch noch an unserer Seite, aber sie sind uns so furchtbar fremd geworden. Die Sonne steht am Himmel, als wäre nichts geschehen, sie scheint noch genauso hell, doch unter ihren Strahlen frieren wir. Die Welt ist kalt und dunkel-auch am helllichten Tag! Und kalt und dunkel ist es auch in uns. Wir spüren nur noch dieses tiefe Verlangen in Trauer und Schmerz zu versinken, darin unterzugehen.

      Schmerz! Trauer! Ohnmacht! Es gibt keinen Weg für uns, der daran vorbeiführt. Wir müssen diese Gefühle annehmen, dem Schmerz Raum geben und der Trauer Zeit lassen. Denn nicht durchlittener Schmerz lässt Bitterkeit zurück, und unbewältigte Trauer macht hart und verschlossen. Sie lässt keinen Lichtstrahl, keine Wärme mehr ins Herz. Sie hüllt alle unsere Empfindungen und Gefühle ein und drängt sie bis ins Innerste unserer Seele zurück. Wir verschließen uns allem und jedem.

      Die Trauer ist die einzige mögliche Antwort unseres Herzens auf den Tod eines geliebten Menschen. Sie ist etwas so Tiefgreifendes, dass sie uns und unser weiteres Leben prägen wird. Und sie braucht Zeit, viel Zeit. Aber sie darf nicht zu einer dauernden Zufluchtsstätte für uns werden. Wir müssen versuchen, uns wieder von ihr zu befreien, bevor sie zu einem gefährlichen Strom wird, der alle Lebensfreude mit sich fortreißt. Wir dürfen nicht zulassen, dass sich unser Herz so sehr in Trauer verliert, dass es nicht mehr die Kraft findet, sich wieder dem Leben zu öffnen.

      Wir können das Leben neu bejahen und uns dennoch eine tiefe Verbundenheit bewahren; jene Verbundenheit, die von unserem Glauben an die Macht der Liebe, von unseren Erinnerungen an das gemeinsam Erlebte und von unserer Dankbarkeit für die einander geschenkte Nähe und Geborgenheit getragen ist.

      Glaube, Liebe, Erinnerungen,Dankbarkeit - sie bilden diese wunderbare Brücke, die uns innerlich miteinander verbindet; eine Brücke, über die wir immer wieder gehen und einander jeden Augenblick nahe sein können.


      Auch die Schacharena ist für viele so eine Brücke und so wünsche ich mit meinem kleinen Gedicht allen eine besinnliche Weihnachtszeit...eure Mohni

      Die Erinnerungen sind da.
      Der Glaube an das Gute sehr nah.
      Die Dankbarkeit weiter vorhanden.
      Die Liebe mit dem Glück sich verbanden.