Schachlehrkämpfe - 2.Partie - Schottische Eröffnung

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    • 15.Sc5

      Ich habe die Kontrolle über die schwarzen Felder im Zentrum gewonnen und versuche jetzt, den schwarzen Le6 zu erwischen. Sollte mir das gelingen, dann würde mein noch unentwickelter Lf1 zu einem Kraftpaket mutieren, denn er hätte dann keinen Gegenspieler mehr.

      Zudem greife ich die Bauern b7 und a4 an - wobei noch nicht klar ist, ob ich die wirklich schlagen kann.

      Die Alternative war 15.Sd4, aber das würde dem Comp gestatten, sich durch Springertausch etwas zu entlasten. Und diese Chance sollte ich ihm nicht geben.
    • Mein Zug: 16.fxg4

      Daß der taktische Schlag 15.-Sxg4! möglich ist, habe ich bei meinem letzten Zug übersehen. Statt 15.Sc5? wäre also doch 15.Sxd4 nötig gewesen.

      15.-Sxg4 beruht darauf, daß Schwarz nach 16.fxg4 das Damenschach auf g5 hat und danach den Sc5 einsammelt. Leider kann der sich auch nicht durch den Zwischentausch auf e6 aus der Affäre ziehen, denn nach 16.Sxe6 Sxf2 17.Sxd8 Taxd8 würde ich entscheidend Material verlieren.

      Mir bleibt also nichts anderes als 16.fxg4, und ich muß mich darauf einstellen, daß mir mit einem Bauern weniger ein sehr schwerer Kampf ums Remis bevorsteht.
    • 17.Kb1

      "Die lange Rochade heißt so, weil sie einen Zug länger dauert als die kurze." Der Zug Kb1 wird deshalb als Prophylaxe gegen mögliche Diagonalschachs sehr oft schon sehr bald nach der langen Rochade gespielt.

      Und das hätte ich auch in dieser Partie beherzigen sollen - z.B. mit 12.Kb1 (anstelle von 12.g4). Zu dem Zeitpunkt war aber sehr viel Phantasie erforderlich, um sich vorstellen zu können, daß schon wenige Züge später ein Damenschach auf eben dieser Diagonale ein Thema sein würde.
    • Das Schlagen mit dem Bauern 17.-dxc5! ist wieder sehr stark gespielt vom SC.

      Hätte der SC mit der Dame geschlagen, dann wäre nach dem Damentausch

      17.-Dxc5 18.Dxc5 dxc5

      eine Stellung mit Endspielcharakter entstanden, in dem die Verwertung des schwarzen Mehrbauern angesichts des Doppelbauern auf der c-Linie technisch nicht leicht ist. Dort hätte ich meine Remischancen auf 40% taxiert - also 40% Remis gegenüber 60% Verlust.

      Viel stärker ist es aber für Schwarz, die Damen auf dem Brett zu behalten. Wenn ich jetzt meinen angegriffenen Bauern g4 decke, dann folgt sehr stark

      18.h3 a3! 19.b3 De5

      Der Bauer a3 wirkt jetzt als Sargnagel für meine Königsstellung, und die schwarze Dame kann aus ihrer dominierenden Position auf der Diagonale a1-h8 kaum vertrieben werden. Ich glaube, in dieser Stellung hätte ich keine Überlebenschancen gegen den SC.

      Deshalb hat es allerhöchste Prio, den Vormarsch des schwarzen a-Bauern zu verhindern, und das geht nur mechanisch mit 18.a3.

      Dabei muß ich in Kauf nehmen, daß jetzt mein Bauer g4 fällt. Hier hilft nur das Prinzip Hoffnung - immerhin würde sich dadurch die g-Linie für meinen Turm öffnen.

      Ich rechne damit, daß der SC sich im nächsten Zug auf g4 bedient. Wenn ich jetzt eine Taxe für dem Partieausgang stellen müßte, dann lautete sie 10% Remis und 90% Sieg für den SC.

      Mein Zug: 18.a3
    • Mein Zug: 19.Ld3

      Etwas überraschend für mich hat der SC nicht auf g4 zugegriffen. Er will also anstelle von Materialgewinn lieber absolut kein Gegenspiel (das durch die Öffnung der g-Linie zustandekäme) zulassen und mich völlig einschnüren. Eine erstaunlich menschliche Spielweise!

      Mit 18.-Td8 kämpft er um die d-Linie und entschärft auch die ansonsten mögliche Fesselung des Sc6 durch Lb5. Von dem Bauern a4 sollte ich jetzt tunlichst die Finger lassen (19.Txd8 Txd8 20.Sxa4?? Td1 matt), aber was kann ich sonst tun?

      Wenn ich den Punkt g4 decke (mit 19.h3 oder 19.Le2) folgt stark 19.-Sd4 mit völliger Dominanz. Deshalb bin ich schließlich auf den Partiezug verfallen, der immerhin folgendes leistet:

      - Er vermeidet vorerst den Turmtausch. Im Falle daß mein g-Bauer geschlagen wird, habe ich mit beiden Türmen auf dem Brett noch eine erhebliche Feuerkraft, die dann in der g-Linie eingesetzt werden kann.

      - Falls Schwarz den Läufer mittels 19.-c4 vertreibt, dann hat er sich die Diagonale des Läufers e6 nach a2 verstellt. Außerdem hat er dann keinen Zugang mit dem Springer mehr zu dem Feld d4.

      - Falls es mir doch noch gelingen sollte, ein Angriffsspiel am Königsflügel zu inszenieren (evtl. beginnend mit h4) und dort Linien zu öffnen, könnte der Läufer durch das Bauernopfer e4-e5 in den Angriff einbezogen werden. Das alles ist natürlich momentan noch sehr viel mehr Wunsch als Realität, aber in diese Richtung muß sich mein Gegenspiel bewegen, wenn ich in dieser Partie noch eine Chance haben will.
    • Ich ziehe 20.Dxc5

      Der Springerzug nach e5 hat mich etwas überrascht. Ich hatte eher mit einem der drei Züge 19.-c4, 19.-Sd4 oder 19.-Lxg4 gerechnet.

      Mit 19.-Se5 läßt der SC seinen Bauern c5 ungedeckt und gibt mir die Gelegenheit, meinen abhandengekommenen Bauern zunächst mal zurückzugewinnen.

      Wenn jetzt 20.-Sxd3 21.Dxg5 hxg5 22.Txd3 Txd3 23.cxd3, dann bleibt die Stellung materiell im Gleichgewicht. Denn auf 23.-Lxg4 kann ich mit 24.Tg1 meinen Bauern zurückbekommen.

      Wenn der SC das alte Materialverhältnis (Mehrbauer für ihn) wieder herstellen will, muß (und wird) er vermutlich jetzt 20.-Lxg4 spielen. Dann antworte ich voraussichtlich 21.Thg1 und hoffe auf Gegenchancen in der halboffenen g-Linie.
    • Ich ziehe 21.Thg1

      Vermutlich wird der SC jetzt seine Dame aus der g-Linie entfernen. Dafür kommen hauptsächlich 21.-Df4 oder 21.-Df6 in Frage, denn gleichzeitig muß ja der Se5 gedeckt bleiben. Mal sehen, wohin er geht. Dann werde ich mich entscheiden müssen, wohin ich mit dem Turm d1 will. Sowohl Tf1 als auch Td2 sind dann plausible Möglichkeiten.
    • Der SC schnappt sich mit 22.-Dxh2 auch noch einen zweiten Bauern - die logische Konsequenz aus der mit 19.-Se5 eingeleiteten Zugfolge.

      Nachdem ich ihm noch bei 18.-Td8 eine menschliche Spielweise bescheinigt hatte, sind die letzten 4 Züge sehr computertypisch. Auf eine solche Stellung, in der diverse Abhängigkeiten unter den schwarzen Figuren bestehen und alles an einem seidenen Faden zu hängen scheint, hätte sich kein Mensch eingelassen - zumindest dann nicht, wenn solidere Alternativen zur Verfügung stehen. Aber der SC als knallharter Rechner kennt keine Angst und läßt sich auf solche Stellungen ein, wenn er keine unmittelbare taktische Widerlegung sieht.

      Ich habe mich jetzt mit folgenden Zügen beschäftigt:

      a) 23.Th1 (um anszunutzen, daß die Dame an die Deckung des Se5 gebunden ist, und um nach 23.-Dg3 24.Thg1 eine Zugwiederholung anzustreben) scheitert an 23.-Sxd3 (mit Angriff auf die Dc5) 24.cxd3 Dg3 (mit der Drohung Dxd3+), und es gibt keine Zugwiederholung durch Angriffe auf die Dame mehr.

      b) 23.Dxc7 würde zwar einen Bauern zurückgewinnen, sieht mir aber nach 23.-Tac8 (auch 23.-Tdc8 oder 23.-Td7 kommen in Frage) äußerst riskant aus. Im Gegensatz zum SC würde ich so etwas nur spielen, wenn ich absolut keine solidere Alternative sehe, aber die gibt es:

      c) 23.Sd5 führt eine noch untätige Figur in den Angriff. Jetzt muß sich Schwarz mit diversen Springerschachs (auf e7, ggfs. auch auf f6) beschäftigen, evtl. kann der Rappe auch als "Kasparov-Springer" auf f5 auftauchen, wo er eine große Bedrohung für die schwarze Königsstellung darstellt (falls er nicht vom Läufer beseitigt wird).

      Daher entscheide ich mich für letzteren Zug:

      23.Sd5