Schachlehrkämpfe - 3. Partie - Holländische Verteidigung

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    • Nach 12.-d5 haben wir eine Bauernformation (mit schwarzen Bauern auf d5 und f5) erreicht, die für den Stonewall typisch ist. Gegenüber einer normalen Stonewall-Stellung hat diese Stellung jedoch einige Besonderheiten:

      a) Der schwarze e-Bauer steht noch auf e7 (und nicht auf e6). Dadurch ist der Lc8 nicht eingesperrt, und es besteht die Möglichkeit, daß er auf der Diagonale c8-h3 kraftvoll in den schwarzen Angriff einbezogen werden kann, wenn es mir gelingt, f5-f4 durchzusetzen. Andererseits könnten sich weiße Opfermöglichkeiten auf d5 ergeben, solange der Punkt d5 nicht zusätzlich durch einen Bauern auf e6 gedeckt ist.

      b) Weiß hat mit c4-c5 das Zentrum abgeriegelt und sich ein Raumübergewicht am Damenflügel gesichert. Konsequenterweise bestünde der weiße Plan jetzt darin, seine Damenflügelbauern in Marsch zu setzen (b2-b4-b5, evtl. a2-a4), um dort Linien zu öffnen und Schwächen im schwarzen Lager zu provozieren. Faustregel: Greife an dem Flügel an, an dem Du über mehr Raum verfügst. Dafür stehen jedoch einige seiner Figuren falsch:

      - die Dame b3 müßte noch einmal ziehen, um Platz für den b-Bauern zu machen.
      - der Turm steht auf c1 falsch, die Türme gehören für die Damenflügelexpansion nach a1 und b1.
      - der Läufer e3 steht recht unglücklich. Er droht ständig, mit Sg4 oder f4 angerempelt zu werden.

      c) Der schwarze Königsläufer steht auf g7, während er sonst im Stonewall üblicherweise auf d6 (bzw. nach weißem c5 auf c7) steht.

      d) Schwarz ist am Königsflügel schon recht bedrohlich aufmarschiert - mehr als im Stonewall zu diesem Zeitpunkt üblich.

      Alles in allem begünstigen diese Details eher Schwarz als Weiß. Deshalb sehe ich dem weiteren Partieverlauf sehr zuversichtlich entgegen.
    • Weiß hat mit 13. Se5 seinen Springer zentralisiert. Diesen Springer will ich dort natürlich nicht dulden, sondern mit 13.-Sbd7 sofort befragen.

      Die Alternativen haben mir nicht zugesagt:

      a) 13.-Sg4 ist verfrüht, denn Weiß kann mit 14. Sxg4 Dxg4 (nach 14... fxg4 geht es mit dem Angriff nicht mehr weiter) 15. Lf3 Dh3 16. Lg2 ein Remis durch Zugwiederholung forcieren.

      b) Auch das Bauernopfer 13.-f4 erscheint mir noch nicht gut zu sein: 14. gxf4 gxf4 15. Lxf4 Sg4 16.Lg3 (Vielleicht kommt auch 16. Sxd5 in Frage), und ich sehe keine Fortsetzung, die das Bauernopfer rechtfertigt.

      c) Ich könnte mein Zentrum mit 13.-e6 befestigen und damit alle Opfermöglichkeiten auf d5 ausschließen. Aber das würde meinen Lc8 einschränken, und das will ich nicht, solange es nicht unbedingt notwendig ist.

      Nach 13.-Sbd7 hat Weiß folgende Möglichkeiten:

      a) Weiß kann seinen Springer nicht mit 14.f4? stützen wegen 14.-Sxe5 15.fxe5 Sg4 mit Angriff gegen h2 und e3.

      b) Der Rückzug 14.Sd3 ist ebenfalls nicht gut, denn er ermöglicht stark 14.-Sg4.

      c) Zu prüfen ist 14. Sxd5 cxd5 15. Lxd5+ Kh7 16. Lf7, aber dann kann ich unter Rückgabe einer Qualität
      Txf7 17. Dxf7 (17. Sxf7? Sg4 -+) 17.-Sxe5 18. Dxh5 Sxh5 19. dxe5 Lxe5 ein vorteilhaftes Endspiel (zwei Leichtfiguren gegen Turm + Bauer, starkes Läuferpaar) erreichen.

      d) 14. Sxd7 Sxd7 (evtl. kommt auch Lxd7!? 15. Dxb7 Tfb8 mit Gegenspiel in der b-Linie in Betracht), und jetzt sollte Weiß 15.f4 spielen, um schwarzes f4 bzw. e5 zu verhindern. Nach 15.-Sf6 schätze ich meine Chancen als leicht besser ein. Der Springertausch auf d7 dürfte aber die relativ beste Möglichkeit sein, die Weiß zur Verfügung hat.

      Mein Zug: 13.-Sbd7
    • Er verzichtet also auf den Qualitätsgewinn, der mit 16.Lf7 möglich gewesen wäre. Offenbar hat er das dann entstehende Endspiel (16.-Txf7 16.Dxf7 Sxe5 17.Dxh5 Sxh5 17.dxe5 Lxe5) auch als günstig für Schwarz eingeschätzt.

      Stattdessen liebäugelt er anscheinend mit dem Gewinn des Bauern b7, den er jedoch nicht sofort nehmen konnte: 16.Lxb7? Sxe5 nebst 17.-Sg4 würde mir durchschlagenden Angriff geben.

      Wenn ich jetzt 16.Lf3 mit 16.-g4 beantworte, verstelle ich mir dieses Feld, und es ist kein späteres Sg4 mehr möglich. In diesem Fall kann Weiß gefahrlos 17.Lxb7 spielen und hat dann drei Bauern für die Figur bei ziemlich unklarer Stellung. Gleiches gilt für den Damenrückzug nach e8, auf den ebenfalls 17.Lxb7 (vielleicht sogar 17.c6!?) folgen könnte.

      Die Einschaltung von 16.Lf3! ist raffiniert, damit hatte ich nicht gerechnet. Respekt für den SC!

      Ich spiele jetzt mal 16.-Dh3 als Testballon. Damit kann ich risikolos sondieren, ob der SC ein Remis durch Zugwiederholung anstrebt (17.Lg2 Dh5 18.Lf3) oder ob er abweichen will. Ich denke, er darf nicht auf b7 zugreifen, solange ich meine Dame auf h3 oder h5 und das Angriffsmotiv Sg4 habe. Wenn er die Zugwiederholung anstrebt, kann ich immer noch überlegen, ob ich mit 18.-g4 abweichen will.

      Mein Zug: 16.-Dh3
    • Der SC entpuppt sich als knallharter Kämpfer. Von einer Zugwiederholung, die er noch immer mit 18.Lg2 hätte anstreben können, will er nichts wissen. Nach der Partie würde mich interessieren, ob diese Entscheidung durch den Contempt-Parameter bedingt war (die dem SC ein Vermeiden einer Remisschaukel auch bei gleicher oder etwas schlechterer Stellung erlaubt) oder ob er seine Stellung hier tatsächlich als vorteilhaft einschätzt.

      Mit 18.Sxc6 öffnet er seinem Läufer die lange Diagonale, und mein Turm a8 kann sich dem Röntgenangriff durch den Lf3 nicht entziehen (das Feld b8 wird ja durch den Sc6 kontrolliert). Deshalb bleibt mir nur die Möglichkeit, diesen starken Läufer, der zudem den weißen König schützt, abzutauschen.

      Mein Zug: 18.-Sg4