Pinned Adventskalender 2020

    • Schneeflocke4.gif

      1.Türchen:

      Stern der Sehnsucht

      Stern der Sehnsucht,
      hoch am Himmel,
      leuchte hell durch dunkle Nacht.
      Bringe allen Menschen Hoffnung,
      die dein sanftes Licht bewacht.
      Weck die Hoffnung in den Herzen,
      Derer, die vom Hass zerstört,
      dass ein jeder von uns Menschen,
      noch das Lied der Liebe hört.
      Hass und Liebe sind die beiden
      Pole der Unendlichkeit
      und wir Menschen wandern alle,
      durch die Zeit zur Ewigkeit.
      Lass uns mit dem Herzen sehen,
      unsern Weg durch Raum und Zeit,
      lass uns nicht verloren gehen
      in der kalten Dunkelheit.
      Nur die Liebe kann verhindern, dass wir für immer in der Unendlichkeit des Seins verloren gehen.
      © Raina Jeschke
    • 2. Pforte


      Linnäa
      Es war Weihnachten, und die Schulstube im Hause des Lehrers war still geworden. Die Schüler waren fort, und alle Zeichen des Arbeitslebens waren hinausgetragen, die Schulbänke, die Tische und die Karten von den Wänden. Es war zum Weihnachtszimmer verwandelt, und nichts darin erinnerte mehr an Arbeit des Werktags. Bilder aus der biblischen Geschichte schmückten die Wände, die Fensterbretter waren voll blühender Blumen, ein altertümliches Sofa, schwere alte Mahagonitische, Lehnstühle, weiche Teppiche gaben dem Zimmer ein unbeschreiblich behagliches Aussehen. Der bunte Weihnachtsstern hing von der Decke herab, an der einen Wand stand der Weihnachtsbaum mit purpurnen Äpfeln und vergoldeten Nüssen geschmückt. Das ganz Zimmer war erfüllt von Sonne und Festglanz.
      Und nun trugen wir sie herein, unsere geliebte Kranke, die älteste Tochter des Hauses, und betteten sie auf ihr Lager, dem Weihnachtsbaum gegenüber.
      Seit dem Herbst lag sie an einer schweren Krankheit danieder. Ich hatte sie vom ersten Tage an gepflegt. Tag und Nacht bis zu dieser Stunde war ich kaum von ihrer Seite gewichen. Ich hatte um ihr Leben gesungen mit der ganzen Kraft der Verzweiflung meiner jungen Jahre, ich hatte dem Tod meine junge Kraft, meinen trotzigen Willen zum Leben entgegengestellt.
      "Sie darf nicht sterben, sie wird nicht sterben!" sagte ich den verzagenden Eltern Tag für Tag. Und ich riss sie mit mir fort, dass sie mit mir an ein Wunder glaubten. Und das Wunder war geschehen, der Arzt erklärte sie für gerettet. Nun lag sie in ihren weißen Kissen, schön und durchsichtig blass, als gehöre sie nicht mehr in diese Welt. Sie sah zum erstenmal seit Monaten einen anderen Raum als ihr Krankenzimmer, und ihre wunderbaren dunklen Augen sahen träumend in das festliche Licht um sie. Die Herrlichkeit eines nordischen Wintertags mit dichtem, funkelndem Schnee schaute aus dem Garten in die Fenster.
      Sie lag ganz still, ich saß auf einem Bänkchen zu den Füßen ihres Bettes und blickte auf sie. So hatte ich gesessen, Tage und Nächte, und hatte ihre Leiden mit ihr gelitten bis in alle Tiefen meiner jungen stürmischen Seele. Nun hob sie die Hände und hielt sie in die Sonne; es waren seltsame Hände, wie man sie nur auf alten italienischen Bildern sieht, lang und schmal, mit spitzen Fingern. Hände, "die nicht gelebt", die nur geträumt und gelitten hatten. In den schwersten Leidenstagen konnte ich sie nicht ansehen, alle Qualen ihres Leibes, alle Leiden ihrer Seele las ich in diesen Händen.
      Zwei kleine zahme Vögel flogen im sonnigen Zimmer umher - es waren Meisen, die sich auf den Ästen des Tannenbaumes schaukelten, die goldenen Nüsse schlugen mit leise klirrendem Ton aneinander. Nun breitete der eine Vogel seine Schwingen aus, umkreiste das Bett der Kranken und ließ sich auf ihren blassen Händen nieder. Sie hielt ganz still, der Vogel erhob sein Stimmchen und sang leise und süß. Dann erschrak er und flog wieder fort, und da lachte sie; es war ein Lachen ebenso leise und süß wie das Singen des Vogels. Ich hatte sie nie lachen

      gehört, seitdem sie krank war. Die leise Vogelstimme und das leise süße Lachen erinnerten beide an Jugend, Gesundheit, Leben und Auferstehen.
      "Du wirst leben!" sagte ich, überwältigt von Glück, und die Tränen flossen mir über die Wangen. Sie schwieg, sie war sehr still auch in gesunden Tagen. Wir nannten sie "Linnäa", denn sie erinnerte in ihrer ganzen Art an diese Blume, die linnäa borealis, die Sommer in den Dünen blühte. Es war ihre Lieblingsblume, sie hatte blassrosa Glöckchen, die sich bei jedem Windhauch bewegten und einen süßen Duft nach bitteren
      Mandeln ausströmten , zart und scheu.
      Unsere Linnäa lebte schwer, ihre Seele war für das Vollkommene geschaffen, und der Erdenstaub bedrückte ihre feine Blüte. Sie war eine Einsame, zu zart für das Leben; auch wenn sie fröhlich mit uns war, lag
      immer etwas von Schwermut und Einsamkeit über ihr. Ich glaube, ganz hat sie nie ein Mensch auf Erden verstanden.
      "Ich muss dir etwas sagen", sagte sie mit ihrer leisen, bedeckten Stimme, "du darfst aber nicht weinen, das würde mir zu weh tun. Dies ist mein letztes Weihnachtsfest auf Erden." Ich fuhr empor: "Du wirst
      leben!" sagte ich außer mir, "denn ich kann nicht leben ohne dich."
      Sie war ebenso jung wie ich, aber mir weit voraus, durch Leiden gereift.
      "Du wirst es lernen", sagte sie still, "und nicht nur dieses, sondern noch viel Schwereres. Ich aber habe keine Kraft mehr zum Leben; das Leben ist auch zu schwer durch die Sünde, die auf Erden herrscht. Hilf
      du meinen Eltern, denn du bist jung und stark."
      Wo war die Sonne die das Zimmer erfüllte? Wo war die Weihnachtsfreude?
      Das Zimmer war voll grauer Schatten, die Sonne war tot, und auch meine Weihnachtsfreude war gestorben. Da ging die Tür auf, und ihr Vater trat ein. Er war Lehrer, ein stiller, sanfter Mann mit einem Gesicht voller
      Frieden. Er sah schön aus mit seinen schneeweißen Locken, den ernsten dunklen Augen und dem edlen, bartlosen Gesicht. Er ging immer ein wenig gebückt, seine Bewegungen waren leise und ruhig, eine merkwürdige Reinheit und Weltfremdheit lag über seinem ganzen Wesen. Er liebte nichts auf Erden so sehr wie die Tochter; mit der ganzen stillen Innigkeit seiner Seele hing er an ihr. Er beugte sich über die Kranke
      und legte seine Hand auf die ihre.
      "Ich komme eben von draußen, aus der Stadt", sagte er, "alles ist so voll Weihnachtsfreude. Überall werden Tannenbäume durch die Straßen getragen; um die Weihnachtbuden drängen sich die Menschen. Wie schön ist
      das Fest, und du lebst, und das ist doch unser schönstes
      Weihnachtsgeschenk." Sie lächelte zum Vater empor. "Ich freue mich", sagte sie leise und strich mit der Hand sanft über die seine.
      Als das nächste Weihnachtsfest herankam, lag sie auf dem Friedhof, neben ihr der Vater; er hatte ihren Tod nicht überlebt, wenige Tage nach ihr durfte er sterben. Dichter Schnee deckte nun ihre beiden Hügel zu, und
      ich lernte noch immer an der Aufgabe, zu leben ohne sie.

      Autor: Monika Hunnius
    • 4. Türchen

      Eine Weihnachtsfahrt

      Wir waren wieder einmal auf unseren Weihnachtsfahrten zu den Armen. Unser Weg führte uns auch dieses Mal in einen der entferntesten Vororte Rigas. Wir hielten vor einem hohen Steinhaus, wo wir mit unserem Weihnachtsbäumchen eine arme Frau aufsuchen wollten. Eine Nachbarin wies uns eine Steintreppe hinauf, die wir mühsam empor kletterten, und wir standen bald in einem großen, dunklen Zimmer, das von einer Petroleumlampe kaum erhellt wurde. Als wir die Tür öffneten, konnte man zuerst fast nichts in dem dunklen Raum unterscheiden. Ein entsetzlicher Geruch schlug uns entgegen. Als unsere Augen sich an die Dämmerung gewöhnt hatten, erkannten wir die Ursache des furchtbaren Geruchs, der von faulen Tierhäuten herkam, die zum Trocknen von der Decke herab hingen. An der Wand entdeckten wir ein schmales Bett, in dem eine kleine dunkle Gestalt zusammengekrümmt lag. Wir traten ans Bett, stellten das mitgebrachte Weihnachtsbäumchen auf ein Tischchen - der Pastor las das Weihnachtsevangelium, wir sangen Weihnachtslieder. Mit bösem, hartem Ausdruck blickte die Kranke zu uns herüber; ihr Gesicht hatte etwas von einem Raubvogel, keine Freude, nicht einmal Staunen sprach aus den runden, bösen Augen. Der Pastor redete einige Worte zu ihr, von der Freude, die heute in die Welt gekommen wäre - sie sah ihm starr ins Gesicht, ohne eine Miene zu verziehen; sie konnte die frohe Botschaft nicht hören, ihr Herz war verschlossen und tot.
      Der Pastor fragte sie, ob sie jemand habe, der sich um sie kümmerte. - Ja, ihre Söhne - am Morgen gingen sie auf Arbeit aus, stellten ihr das Nötige hin und kämen am Abend wieder - den ganzen Tag läge sie allein. - Ob ihr die Einsamkeit schwer zu tragen wäre? - Sie antwortete nicht darauf. Ein Jammer um diese lichtlose Leben fasste unsere Herzen. Eine freundliche Blumenhändlerin hatte mir einen großen Strauß Frühlingsblumen für meine Armenfahrt mitgegeben. Ich griff in mein Körbchen, wo ich sie sorgsam gegen die Winterkälte verwahrt hatte, und legte sie alle der Kranken auf die Brust. Mit ihren dunklen, verkrümmten Fingern fasste sie vorsichtig nach ihnen wie nach etwas Unwirklichem. Und dann ging eine merkwürdige Veränderung in dem harten, scharfen Gesicht vor sich: es brach wie ein Leuchten aus ihren Augen. "Blumen, lebendige Blumen", sagte die harte Stimme, in der plötzlich eine Freude klang. "Blumen für mich", sagte sie noch einmal, "und ich darf sie behalten." Sie nahm die lichten Frühlingskinder und hob sie an ihre Wangen und atmete den Duft ein. Auf ihrem Gesicht lag ein Glänzen. Sie sah nicht den Weihnachtsbaum mit seinen schimmernden Lichtlein, sie sah uns nicht, die wir erschüttert an ihrem Bett standen - sie sah nur die Blumen, und ihre Seele lauschte diesem Ruf aus einer lichten Welt. Wir gingen still hinaus. In der Türe wandte ich mich um und nahm die ganze trostlose Umgebung, in der sie lag, noch einmal in mich auf. Sie aber lag friedlich da, im Lichte der Weihnachtskerzen, die Hände dicht um die Frühlingsblumen geschlossen, die hellen Blüten an ihre dunkle Wange gedrückt. Ihre Augen waren geschlossen - auf ihrem Gesicht war Frieden.


      Autor: Monika Hunnius


      Ich wünsche euch allen eine schöne besinnliche Adventszeit
    • Tür 5 :


      Ich hasse Friedhöfe.

      Sie haben den Hauch des Unwiderruflichen, dem niemand zu entrinnen vermag.

      *****************************************************************

      Wann immer ich konnte, wählte ich einen Umweg. Quer durch den

      Friedhof zu laufen, wäre eine leichte Abkürzung gewesen auf dem Weg zur

      Bushaltestelle; aber den Umweg nahm ich immer gerne in Kauf.

      An jenem eisigen Dezembertag schneite es von früh an, und der Wind wehte den

      Schnee wie kleine weiße Federn durch die Strassen. Am Nachmittag beschloss ich,

      noch schnell mit dem Bus in die Stadt zu fahren. Da ich spät dran war und nicht in

      der Kälte warten wollte, entschied ich mich kurzfristig, die Abkürzung über den

      Friedhof zu nehmen.

      Mit einem gewissen Schaudern trat ich durch das Portal und lief. Lange war ich

      nicht mehr hier. Dunkel erinnerte ich mich noch an das letzte Begräbnis im Verwandtenkreis.

      Und dann sah ich es :ein bekanntes Grab.Ich hielt inne und in meinen Gedanken

      wirbelte es.Wie lange mag es her sein. Hier lag der Bruder meines Großvaters neben seiner Frau. Ich konnte mich plötzlich wieder an seine Besuche erinnern und glaubte den Geruch

      seiner Zigarren wahrzunehmen zu können.Ich verharrte eine Weile.

      Ein paar Gräber weiter ruhte ein Onkel, der mir in meiner Kindheit immer von seinen Träumen erzählte, in denen ich der Held war; er starb früh mit 46, gerade als er sein neu errichtetes Haus mit seiner Frau und meiner Cousine bezog. Lange habe ich ihn vermisst.

      Und da war noch ein Grab auf dem Weg. Ein Onkel meiner Mutter. Jeden Sonntag nach dem Gottesdienst, den er besuchte, kam er auf einen Plausch und ein Bier vorbei und man erfuhr Neuigkeiten aus dem Umfeld.

      Ich tauchte tief in Erinnerungen ein. Und trotz der eisigen Kälte fühlte ich eine wohltuende Wärme in mir aufsteigen , im Geist sah ich mich als 10-jährigen Bub und konnte ein leichtes Lächeln nicht verkneifen. Mein Cousin – etwa im gleichen Alter wie ich – sollte seiner kleinen Schwester ein Gedicht zum Nikolaus-Abend beibringen und ich „half“ ihm dabei gerne.

      Am Abend besuchte sie der Nikolaus und fragte das Schwesterchen : „Na, kennst Du auch ein schönes Gedicht ?“ Da musste er hören:

      „Heut´ Abend kommt der Nikolaus, was will er denn von mir ?

      Ich pack ihn an der Zippelkapp´und werf´ ihn vor die Tür !“

      Ich glaube, an diesem Abend gab es nicht mehr allzu viele Geschenke und mein Cousin nahm es mir noch eine Weile übel, wenn er an sein schmerzendes Hinterteil dachte.

      Ich verlor mich in längst vergangenen Zeiten und alles andere erschien plötzlich unwichtig.

      Als mich die Realität wieder einholte, war es schon duster.

      Ich stand da wie ein zum Leben erwachter Schneemann.

      Der Bus war längst weg … und einige nachfolgende auch.

      Die Stadt hatte ich für heute abgehakt, und auf dem Nachhauseweg streiften mich Augenblicke tiefster Wehmut.

      Zuhause angekommen bereitete ich mir einen Tee mit Rum , blätterte in alten Familienalben und schwelgte noch lange in Erinnerungen.

      Ich hasse Friedhöfe noch immer. Und noch immer haben sie den Hauch des Unwiderruflichen.

      Aber ich nehme keine Umwege mehr !



    • Des Katers Rache


      Es lag ein Kater auf der Lauer,
      wollte besehen sich genauer
      den alten Mann, der kam ins Haus,
      es sollte sein der Nikolaus



      Der Kater schlich sich hinterdrein,
      schmuste an des Nikolaus' Bein,
      erkannte nun den alten Mann,
      es war der Nachbar von nebenan.

      Dieser haßte Katzentiere,
      stand am Abend immer schmiere,
      um die Katzen zu beschmeißen,
      mit dicken Steinen – so ganz heißen.

      Der Kater begriff den Augenblick,
      drehte sich um und schaute zurück,
      besprang den Alten im roten Rock,
      der drohte mit dem Rutenstock.

      All die Leute erschreckten sehr,
      der kleine Peter schrie noch mehr,
      erneut sprang der Kater an Nikolaus' Bart,
      riß ihn herunter in Gegenwart
      von umherstehenden ängstlichen Leuten,
      die sich auf diesen Tag so freuten,
      doch sahen sie nun den Nachbarsmann,
      der keine Katzen leiden kann.

      Der kleine Peter rief ganz laut: „Das ist der Mann, der Katzen haut!“.
      Seitdem kam nie mehr in das Haus
      der Nachbarsmann – als Nikolaus.




      Autorin: Heidrun Gemähling, Eschweg 5, D-48531 Nordhorn, 2005
    • 7. Türchen

      Der selbstsüchtige Riese

      Jeden Nachmittag, wenn sie aus der Schule kamen, pflegten die Kinder in des Riesen Garten zu gehen und dort zu spielen.

      Es war ein großer, lieblicher Garten mit weichem, grünem Gras. Hier und da standen über dem Gras schöne Blumen wie Sterne, und es waren dort zwölf Pfirsichbäume, die im Frühling zarte, rosige und perlfarbene Blüten hatten und im Herbst reiche Früchte trugen. Die Vögel saßen auf den Zweigen und sangen so süß, daß die Kinder ihre Spiele unterbrachen, um ihnen zu lauschen. "Wie glücklich sind wir hier!" riefen sie einander zu.

      Eines Tages kam der Riese zurück. Er hatte seinen Freund Oger in Cornwall besucht und war sieben Jahre bei ihm gewesen. Als die sieben Jahre vorbei waren, hatte er alles gesagt, was er wußte, denn seine Unterhaltungsgabe war begrenzt, und er beschloß, in seine eigene Burg zurückzukehren. Als er ankam, sah er die Kinder in dem Garten spielen.

      "Was macht ihr hier?" schrie er mit sehr barscher Stimme, und die Kinder rannten davon.

      "Mein eigener Garten ist mein eigener Garten," sagte der Riese; "das kann jeder verstehen, und ich erlaube niemand, darin zu spielen als mir selbst." Deshalb baute er ringsherum eine hohe Mauer und befestigte eine Tafel daran:

      Eintritt bei Strafe verboten.

      Er war ein sehr selbstsüchtiger Riese.

      Die armen Kinder hatten nun keinen Platz, wo sie spielen konnten. Sie versuchten auf der Straße zu spielen, aber die Straße war sehr staubig und voll von harten Steinen, und das liebten sie nicht. Sie pflegten rund um die hohe Mauer zu gehen, wenn ihr Unterricht vorbei war, und von dem schönen Garten dahinter zu reden. "Wie glücklich waren wir dort," sagten sie zueinander.

      Dann kam der Frühling, und überall im Land waren kleine Blumen und kleine Vögel. Nur im Garten des selbstsüchtigen Riesen war es noch Winter. Die Vögel wollten darin nicht singen, weil dort keine Kinder waren, und die Bäume vergaßen zu blühen. Einmal steckte eine schöne Blume ihren Kopf aus dem Gras hervor, aber als sie die Tafel sah, taten ihr die Kinder so leid, daß sie wieder in den Boden hinabglitt und sich schlafen legte. Die einzigen Wesen, die daran ihre Freude hatten, waren Schnee und Frost. "Der Frühling hat diesen Garten vergessen," sagten sie, "deshalb wollen wir hier das ganze Jahr durch wohnen." Der Schnee bedeckte das Gras mit seinem dicken, weißen Mantel, und der Frost bemalte alle Bäume mit Silber. Dann luden sie den Nordwind zum Besuch ein, und er kam. Er war in Pelze eingehüllt und brüllte den ganzen Tag im Garten herum und blies die Dachkamine herab. "Dies ist ein entzückender Platz," sagte er; "wir müssen den Hagel bitten, herzukommen." So kam der Hagel. Er rasselte jeden Tag drei Stunden lang auf das Dach der Burg, bis er fast alle Dachziegel zerbrochen hatte, und dann rannte er immer im Kreis durch den Garten, so schnell er nur konnte. Er war in Grau gekleidet, und sein Atem war wie Eis.

      "Ich verstehe nicht, warum der Frühling solange ausbleibt," sagte der selbstsüchtige Riese, als er am Fenster saß und auf seinen kalten, weißen Garten hinaussah; "hoffentlich gibt es einen Witterungsumschlag."

      Aber der Frühling kam überhaupt nicht, ebensowenig wie der Sommer. Der Herbst brachte in jeden Garten goldene Frucht, nur in des Riesen Garten brachte er keine. "Er ist zu selbstsüchtig," sagte er. So war es denn dort immer Winter, und der Nordwind und der Hagel und der Frost und der Schnee tanzten zwischen den Bäumen umher.

      Eines Morgens lag der Riese wach im Bett, da hörte er eine liebliche Musik. Sie klang so süß an seine Ohren, daß er glaubte, des Königs Musiker kämen vorbei. Es war in Wirklichkeit nur ein kleiner Hänfling, der draußen vor seinem Fenster sang, aber er hatte so lange Zeit keine Vögel mehr in seinem Garten singen hören, daß es ihm die schönste Musik von der Welt zu sein dünkte. Dann hörte der Hagel auf, über seinem Kopf zu tanzen, der Nordwind brüllte nicht mehr, und ein entzückender Duft kam durch den offenen Fensterflügel zu ihm. "Ich glaube, der Frühling ist endlich gekommen," sagte der Riese; und er sprang aus dem Bett und schaute hinaus.

      Was sah er?

      Er sah das wundervollste Bild. Durch ein kleines Loch in der Mauer waren die Kinder hereingekrochen und saßen in den Zweigen der Bäume. Auf jedem Baum, den er sehen konnte, war ein kleines Kind. Und die Bäume waren so froh, die Kinder wiederzuhaben, daß sie sich selbst mit Blüten bedeckt hatten und ihre Arme zärtlich um die Köpfe der Kinder legten. Die Vögel flogen umher und zwitscherten vor Entzücken, und die Blumen blickten aus dem grünen Gras hervor und lachten. Es war ein lieblicher Anblick, nur in einer Ecke war noch Winter. Es war die äußerste Ecke des Gartens, und in ihr stand ein kleiner Knabe. Er war so winzig, daß er nicht bis zu den Zweigen des Baumes hinaufreichen konnte, und er wanderte immer um ihn herum und weinte bitterlich. Der arme Baum war noch ganz mit Eis und Schnee bedeckt, und der Nordwind blies und brüllte über ihn weg. "Klett're hinauf! kleiner Knabe," sagte der Baum und bog seine Zweige hinab, soweit er konnte; aber der Knabe war zu winzig.

      Und des Riesen Herz schmolz, als er hinausblickte. "Wie selbstsüchtig ich gewesen bin!" sagte er; "jetzt weiß ich, warum der Frühling nicht hierherkommen wollte. Ich werde den armen, kleinen Knaben oben auf den Baum setzen, und dann will ich die Mauer umstoßen, und mein Garten soll für alle Zeit der Spielplatz der Kinder sein." Es war ihm wirklich sehr leid, was er getan hatte.

      Er stieg hinab, öffnete ganz sanft die Vordertüre und ging hinaus in den Garten. Aber als ihn die Kinder sahen, waren sie so erschrocken, daß sie alle davonliefen, und es im Garten wieder Winter wurde. Nur der kleine Junge lief nicht fort, denn seine Augen waren so voll von Tränen, daß er den Riesen gar nicht kommen sah. Und der Riese stahl sich hinter ihn, nahm ihn behutsam in die Hand und setzte ihn auf den Baum. Und der Baum brach sofort in Blüten aus, und die Vögel kamen und sangen darauf, und der kleine Junge streckte seine beiden Arme aus, schlang sie rund um des Riesen Nacken und küßte ihn. Und als die anderen Kinder sahen, daß der Riese nicht mehr böse war, kamen sie zurückgerannt, und mit ihnen kam der Frühling. "Es ist jetzt euer Garten, kleine Kinder," sagte der Riese, und er nahm eine große Axt und schlug die Mauer nieder. Und als die Leute um zwölf Uhr zum Markt gingen, da fanden sie den Riesen spielend mit den Kindern in dem schönsten Garten, den sie je gesehen hatten. Den ganzen Tag lang spielten sie, und des Abends kamen sie zum Riesen, um sich von ihm zu verabschieden.

      "Aber wo ist euer kleiner Gefährte?" fragte er, "der Knabe, den ich auf den Baum setzte." Der Riese liebte ihn am meisten, weil er ihn geküßt hatte.

      "Wir wissen es nicht," antworteten die Kinder; "er ist fortgegangen."

      "Ihr müßt ihm bestimmt sagen, daß er morgen wieder hierherkommt," sagte der Riese. Aber die Kinder erklärten, sie wüßten nicht, wo er wohne, und hätten ihn nie vorher gesehen; und der Riese fühlte sich sehr betrübt.

      Jeden Nachmittag, wenn die Schule vorbei war, kamen die Kinder und spielten mit dem Riesen. Aber der kleine Knabe, den der Riese liebte, wurde nie wieder gesehen. Der Riese war sehr gütig zu allen Kindern, aber er sehnte sich nach seinem ersten kleinen Freund und sprach oft von ihm. "Wie gerne möchte ich ihn sehen!" pflegte er zu sagen.

      Jahre vergingen, und der Riese wurde sehr alt und schwach. Er konnte nicht mehr draußen spielen, und so saß er in einem hohen Lehnstuhl und beobachtete die Kinder bei ihren Spielen und bewunderte seinen Garten. "Ich habe viele schöne Blumen," sagte er, "aber die Kinder sind die schönsten Blumen von allen."

      Eines Wintermorgens blickte er aus seinem Fenster hinaus, als er sich anzog. Er haßte jetzt den Winter nicht mehr, denn er wußte, daß er nur ein schlafender Frühling war, und daß die Blumen sich dann ausruhten.

      Plötzlich rieb er sich die Augen vor Staunen und schaute atemlos hinaus. Es war wirklich ein wunderbarer Anblick. Im äußersten Winkel des Gartens war ein Baum ganz bedeckt mit lieblichen, weißen Blumen. Seine Zweige waren ganz golden, und silberne Früchte hingen von ihnen herab, und darunter stand der kleine Knabe, den er geliebt hatte.

      In großer Freude rannte der Riese die Treppe hinab und hinaus in den Garten. Er eilte über das Gras und näherte sich dem Kinde. Als er dicht bei ihm war, wurde sein Gesicht rot vor Zorn, und er fragte: "Wer hat es gewagt, dich zu verwunden?" Denn aus den Handflächen des Kindes waren zwei Nägelmale, und zwei Nägelmale waren auf den kleinen Füßen.

      "Wer hat es gewagt, dich zu verwunden?" schrie der Riese; "sage es mir, damit ich mein großes Schwert nehme und ihn erschlage."

      "Nein!" antwortete das Kind; "denn dies sind Wunden der Liebe."

      "Wer bist du?" fragte der Riese, und eine seltsame Ehrfurcht befiel ihn, und er kniete vor dem kleinen Kinde.

      Und das Kind lächelte den Riesen an und sagte zu ihm: "Du ließest mich einmal in deinem Garten spielen; heute sollst du mit mir in meinen Garten kommen, der das Paradies ist." Und als die Kinder an diesem Nachmittag hineinliefen, fanden sie den Riesen tot unter dem Baum liegen, ganz bedeckt mit weißen Blüten.

      Autor: Oscar Wilde

      Ich wünsche allen Areanern ein besinnliches Weihnachtsfest!
    • Türchen 8


      Romans Schicksalsbegegnung

      Seit Romans Frau ausgerechnet am 23.12.2012 gestorben war, hatte er der Weihnachtszeit abgeschworen. Er konnte es nicht ertragen, wenn Menschen fröhlich waren, sich liebten, küssten und voller Vorfreude Geschenke für die Familie besorgten. Und so geschah es, dass er sich regelmäßig im Dezember in eine einsame Waldhütte im Schwarzwald verzog und sich von aller Welt abschottete. Auf die Versuche seiner Kinder, ihn wieder in die Familie zu integrieren, reagierte er schroff, ja beinahe herzlos und verletzte damit immer wieder die Menschen, die ihm tief im Herzen am allermeisten bedeuteten.
      Auch in diesem Jahr war es wieder der erste Dezember, an dem Roman seine einsame Hütte bezog. Er hatte bereits eingekauft, mehr als Dosensuppen und haltbares Brot sollte es nicht geben. Ausgerüstet mit Feuerholz und einigen Büchern verschanzte sich der einsame, alte Mann in seinem Haus und ließ die Menschen, Menschen sein. Er bewegte sich für gewöhnlich nicht einmal hinaus, den gesamten Dezember verbrachte er in dem Haus und erst wenn das neue Jahr gekommen war, fuhr er zurück in seine Wohnung in der Stadt.
      Es war der 18. Dezember, ein kalter, schneereicher Tag, an dem er sich entschloss, völlig entgegen seiner Gewohnheiten einen Spaziergang zu machen. Er stapfte durch den Schnee, die eisige Luft wehte ihm um die Nase und fast schon bereute er seinen Entschluss, als er ein herzzerreißendes Schluchzen vernahm. Er sah irritiert um sich, beschloss dann aber das Geräusch zu ignorieren. Er stapfte weiter und erneut durchdrang das Geräusch die Stille des Waldes. “Wer ist da”, brummte er zornig über die Störung in seinen Bart, doch es kam keine Antwort. Je weiter er seinen Weg entlang ging, umso lauter wurde das Geräusch. Er bog gerade um die letzte Ecke, die zurück zu seiner Hütte führte, als er eine ältere, gramgebeugte Frau auf einem schneebedeckten Stein sitzen sah.
      “Was will die denn hier”, brummelte er für sich selbst, doch die Höflichkeit gebot es ihm, diese Worte nicht laut auszusprechen. Die schluchzende, schlanke Frau bemerkte Roman nicht, der sich zögerlich näherte. Erst als er direkt neben ihr stand, hob sie den Kopf und sah ihn aus tränenumschwirrten Augen an. “Entschuldigen Sie, brauchen Sie vielleicht Hilfe”? fragte Roman, der entgegen seiner Gewohnheiten so etwas wie Mitgefühl verspürte. Die großen, rehbraunen Augen der Frau wirkten so hilflos, dass er sich unwillkürlich an seine Frau erinnert fühlte. Renate, so hieß seine geliebte Frau, hatte ebenso dunkle, wie große Augen gehabt und ihr Blick hatte sein hartes Herz stets erwärmt.
      “Ach danke der Herr, aber ich schätze mir kann niemand mehr helfen”, schluchzte die Frau gebrochen und ehe er darüber nachdenken konnte, hatte sich Roman neben sie gesetzt und sah sie hilflos von der Seite an. “Na na na, so schlimm wird es schon nicht sein”, brummelte er und streichelte unbeholfen über ihre Schulter. Diese leichte Berührung reichte aus und erneut begann die Frau zu weinen. Doch diesmal sprudelten neben den Schluchzern auch Worte aus ihrem Mund. “Ich hasse sie, die Weihnachtszeit. Wann immer die Menschen glückseelig werden, verspüre ich nur Schmerz. Musste ich doch mein geliebtes Kinde zu Grabe tragen und bin seither eine einsame, alte Frau”.
      Roman zuckte erschrocken zusammen, als er verspürte, wie sehr das Schicksal auch hier zugeschlagen hatte. Noch nie hatte er einem Menschen von sich erzählt, doch diesmal brach er sein Gelübde und auch aus ihm sprudelten die Worte hervor. All seinen Kummer, all sein Leid klagte er der geduldigen Frau, die ihn aufmunternd ansah und der es sogar gelang, ihre eigenen Tränen zu trocknen. Bei Roman hingegen flossen sie reichlich, doch er störte sich nicht daran. Noch vier Stunden später saßen sie gemeinsam auf dem Stein und spürten nicht einmal, dass die Kälte um sie herum beinahe zu klirren fähig war.
      Erst als das Zähneklappern Karins, so hieß Romans Schicksalsbegegnung, nicht mehr zu überhören war, wurden beide auf den Umstand aufmerksam und wie von selbst ergriff Roman ihre Hand und führte sie den Weg entlang, zu seiner gar nicht mehr so einsamen Berghütte. Erst als sie längst am warmen Ofen saßen fiel ihm siedend heiß ein, dass er dieser Frau nun gar kein Essen servieren konnte, schließlich gab es in der Hütte nichts. Als er sein Malheur gestand, lachte Karin zum ersten Mal seit er sie kannte und dieses Lachen war so herzerfüllend, dass selbst eine Mahlzeit aus Dosensuppe für Roman plötzlich wie ein Festmahl erschien.
      Bis zum ersten Januar blieb sie bei ihm und die Dezembertage waren die schönsten, die er seit langem erlebt hatte. Karin ließ die Sonne endlich wieder in sein Herz und plötzlich erschien der grambeugte Mann gar nicht mehr so alt und gebrechlich. Täglich spazierten beide durch den schneebehangenen Schwarzwald, erzählten dies und das aus ihren Leben und gedachten den schmerzlichen Verlusten, die beide durchlitten hatten. Als sie am 24.12 gemeinsam auf der Bank saßen, auf der sie ihr erstes, langes Gespräch gehabt hatten, fiel eine Sternschnuppe vom Himmel. Ergriffen sahen Roman und Karin auf das Naturphänomen und als er ihre Hand ergriff, drückte sie sie kurz und beließ die ihre in seiner.
      Beide hatten einen sehnlichsten Wunsch, den sie der Schnuppe zugeflüstert hatten. Beide wussten nicht, dass der Wunsch identisch war und doch sollten die kommenden Jahre zeigen, dass er sich erfüllt hatte. Noch heute fährt Roman jedes Jahr in die Schwarzwaldhütte, um die Weihnachtszeit dort zu verbringen. Doch längst ist der Gram nicht mehr im Gepäck, sondern Karin, die Frau die ihm das Lachen zurückgebracht hat. Auch wenn Karin niemals ihre kleine Tochter vergessen wird und Roman seine Renate für immer im Herzen trägt, war es den beiden Menschen dank einer weihnachtlichen Begegnung möglich, endlich wieder die Liebe fürs Leben zu entdecken.

      Ich wünsche euch allen eine schöne Weihnachtszeit und vor allem Gesundheit .
    • Türchen 9

      Liebe Arenafreunde,

      die bisherigen 8 Türchen fand ich teils bewegend, anrührend oder mutmachend, danke dafür. In diesen komischen Zeiten soll aber auch der Humor nicht zu kurz kommen. Daher findet ihr unten mein Lieblingsweihnachtsgedicht vom großartigen HD Hüsch und meinen Lieblingsweihnachtscartoon von Uli Stein.

      Damit aber auch die Birne nicht zu kurz kommt, hier gleich noch ein nicht so ganz einfaches Mathe-Schach-Rätsel in blau. Mailt mir die gesuchte Zahl unter Betreff an: butjebu@gmx.de. Alle richtigen Einsender erhalten als Belohnung ein mördermäßiggeiles PDF-Kochbuch, evtl. auch die Falschsender!

      Allen ein schönes Fest, Gesundheit und nen guten Rutsch in ein hoffentlich ganz anderes Jahr 2021, euer Butjenter!



      Auf einem leeren Schachbrett wandert der weiße König von e1 in sieben Zügen nach a8. Wie viele verschiedene Wege gibt es?


      huesch.jpg20201206_185511.jpg

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    • 10. Türchen

      Wir müssen Weihnachten retten. Das höre ich im Moment ständig. Ich glaube, das müssen wir nicht. Weihnachten braucht keine Rettung, Weihnachten rettet uns. Es hat zweitausend Jahre überstanden. Ist durch den 30-jährigen Krieg gegangen, war bei den Pestkranken, hat sich an die Seite der Verfolgten gestellt und sich nicht darum gekümmert, ob Lametta am Baum hing. Weihnachten hängt nicht davon ab, ob fünf oder zehn zusammen feiern. Weihnachten lässt sich nicht machen. Klöße zur Gans sind schön, aber nicht notwendig.
      Die Geschichten sind da. Der Stern ist da. Menschen sind da, an vielen verschiedenen Orten. Die Fantasie ist da, sich auf den Weg zu machen. Ausschau zu halten, was trägt, wenn es nicht das Gewohnte ist. Die Hoffnung ist da, dass es winzige Anfänge gibt, die zur Rettung werden.

      (Susanne Niemeyer)

      freudenwort.de/2020/11/26/weihnachten-retten/

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    • 11. Türchen:


      Der Weihnachtsbaum


      Es ist eine Kälte, dass Gott erbarm!
      Klagte die alte Linde,

      Bog sich knarrend im Winde
      Und klopfte leise mit knorrigem Arm
      Im Flockentreiben
      An die Fensterscheiben.
      Es ist eine Kälte! Dass Gott erbarm!
      Drinnen im Zimmer war´s warm.
      Da tanzte der Feuerschein so nett
      Auf dem weißen Kachelhofen Ballett.
      Zwei Bratäpfel in der Röhre belauschten,
      Wie die glühenden Kohlen
      Behaglich verstohlen
      Kobold- und Geistergeschichten tauschten.
      Dicht am Fenster im kleinen Raum
      Da stand, behangen mit süßem Konfekt,
      Vergoldeten Nüssen und mit Lichtern besteckt,
      Der Weihnachtsbaum.
      Und sie brannten alle, die vielen Lichter,
      Aber noch heller strahlten am Tisch
      (Es lässt sich wohl denken
      Bei den vielen Geschenken)
      Drei blühende, glühende Kindergesichter. -
      Das war ein Geflimmer
      Im Kerzenschimmer!
      Es lag ein ein so lieblicher Duft in der Luft
      Nach Nadelwald, Äpfeln und heißem Wachs.
      Tatti, der dicke Dachs,
      Schlief auf dem Sofa und stöhnte behaglich.
      Er träumte lebhaft, wovon, war fraglich,
      Aber ganz sicher war es indessen,
      Er hatte sich schon (die Uhr war erst zehn)
      Doch man musste ´s gestehn,
      Es war ja zu sehen,
      Er hatte sich furchtbar überfressen. -
      Im Schaukelstuhl lehnte der Herzenspapa
      Auf dem nagelneuen Kissen und sah
      Über ein Buch hinweg auf die liebe Mama,
      Auf die Kinderfreude und auf den Baum.
      Schade, nur schade,
      Er bemerkte es kaum,
      Wie schnurgerade
      Die Bleisoldaten auf dem Baukasten standen
      Und wie schnell die Pfefferkuchen verschwanden.
      - Und die liebste Mama? - Sie saß am Klavier.
      Es war so schön, was sie spielte und sang,
      ein Weihnachtslied, das zu Herzen drang.
      Lautlos horchten die andern Vier.
      Der Kuckuck trat vor aus der Schwarzwälderuhr,
      Als ob auch im die Weise gefiel. - -
      Leise, ergreifend verhallte das Spiel.
      Das Eis an den Fensterscheiben taute
      Und der Tannenbaum schaute
      Durchs Fenster die Linde
      Da draußen, kahl und beschneit
      Mit ihrer geborstenen Rinde.
      Da dachte er an verflossene Zeit
      Un an eine andere Linde,
      Die am Waldesrand einst neben ihm stand,
      Sie hatten in guten und schlechten Tagen
      Einander immer so lieb gehabt.
      Dann wurde die Tanne abgeschlagen,
      Zusammengebunden und fortgetragen.
      Die Linde, die Freundin, die ließ man stehn.
      Auf Wiedersehen! Auf Wiedersehen!
      So hatte sie damals gewinkt noch zuletzt. -
      Ja, daran dachte der Weihnachtsbaum jetzt,
      Und keiner sah es, wie traurig dann
      Ein Tröpfchen Harz, eine stille Träne,
      Aus seinem Stamme zu Boden rann.


      (Aus: Hans Bötticher, Gedichte, München-Leipzig 1910)


      Ich wünsche euch allen einen besinnlichen Adventstag

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    • 12. Türchen:


      Weihnachten 1944


      (Als ich keinen Urlaub bekam)



      Wenn es in der Welt dezembert
      und der Mond wie ein Kamenbert
      gelblich rund, mit etwas Schimmel
      angetan, am Winterhimmel
      heimwärts zu den Steinen irrt,
      und der Tag stets kürzer wird -
      sozusagen wird zum Kurztag -
      hat das Christkindlein Geburtstag!
      Ach, wie ist man dann vergnügt,
      wenn man einen Urlaub kriegt.
      Andrerseits, wie ist man traurig,
      wenn es heißt: "Nein, da bedaur ich!"
      Also greift man dann entweder
      zu dem Blei oder der Feder
      und schreibt schleunigst auf Papier
      ein Gedicht, wie dieses hier:

      Die Berge, die Meere, den Geist und das Leben
      hat Gott zum Geschenk uns gemacht;
      doch uns auch den Frieden, den Frieden zu geben,
      das hat er nicht fertiggebracht!
      Wir rasten und irren, vergehen und werden,
      wir kämpfen mal so
      und mal so . . .
      Vielleicht gibt´s doch richtigen Frieden auf Erden?
      Vielleicht gerade jetzt? - - Aber wo? . . .



      Autor: Heinz Erhardt


      Trotz aller Schwierigkeiten wünsche ich euch allen ein

      friedliches und besinnliches Weihnachtsfest.


    • Fast vier Jahr rum. Es fällt so schwer zu glauben,
      Dass Deine Asche ihre Urne füllt.
      Ganz loszulassen provoziert ein Sträuben,
      Und zu verblassen weigert sich Dein Bild.

      Die Stele, die Dein Grab nun schmückt, ist fein
      Geschlagen aus dem hellen Stein vom Sand.
      Ein schlanker Garten über dem Gebein,
      Westfalens Erde hüllt Dich als Gewand.

      Ich wüsste gerne, wie es um Dich steht,
      Ob Du es warm hast, heimelig und eben.
      Ich horche auf ein Zeichen im Gebet
      Und muss mit Deiner Seele Schweigen leben.

      Denn Staub bist Du, zum Staub musst Du zurück.
      Wer weiß, ob genau darin liegt Dein Glück.
    • 14.Dezember


      Eine etwas längere Weihnachtsgeschichte mit tieferen Sinn
      von Burkhard Strunk




      Weihnachten unter der Autobahn


      ...tja, das war Klasse, wie er gestern noch diesen Geschäftspartner über’s Ohr gehauen hatte. In nur fünf Minuten hatte er seinen Gewinn um 5% gesteigert, ohne mit der Wimper zu zucken. Sicher hatte der Andere jetzt einen Schaden, aber schließlich ist das sein Problem und nicht meins, dachte er bei sich. Jeder ist sich selbst der Nächste und schließlich war ja Weihnachten, da konnte man jeden Cent gut gebrauchen.

      Er fuhr gerade auf die Autobahn, in Richtung City.

      Weihnachten, ja, das ist was. Wenn schon langsam Ende September die Nikoläuse und Dominosteine die Regale füllten und die ersten Lebkuchen auf den Paletten standen, ging es los.

      Die Menschen stimmen sich langsam, noch vom Sommer gebräunt, auf Weihnachten ein. Die Kassen fangen an zu klingeln, die Ladenöffnungszeiten werden immer länger, die Sonntage verkaufsoffen und alle seine Kunden fangen an durchzudrehen, weil ja noch im Herbst und zum Jahresende hin investiert werden muss.

      Genau die richtige Zeit um schon mal den Ein oder Anderen abzuzocken. Kurz um, es war eine schöne Zeit, diese Vorweihnachtszeit.
      Wenn er seine Geschäftskontenstände sah, wie sie wuchsen und wie sich das ein - oder andere Sommerloch jetzt stopfte, wurde ihm ganz warm ums Herz. Richtig weihnachtlich.
      Er konnte die Menschen nicht verstehen, die in solch eine Melancholie verfielen, die Kerzen aufstellten, Lieder sangen und all diesen Herzschmerzkram zu Weihnachten rauskramten und von einem Fest der Liebe sprachen.

      Das war doch.... Er träumte und von hinten kam ein schnelleres Fahrzeug und drängte ihn mit Blinker und Lichthupe nach rechts ab. ...“Ja doch du Esel, ich fahre ja schon rechts rüber. Du blöder Idiot, haste ’nen neuen Blinker bekommen, im Set mit Fernlicht, oder was?“ „Man schleich dich, ja ich zeig dir auch gleich ’nen Vogel, Freundchen“... wo war er stehen geblieben? Ach ja, Fest der Liebe. Er wusste, wenn er nicht gleich alles das finden würde, was auf seinem Zettel stand, dann wird das höchstens für ihn ein Fest der Hiebe. Es war mal wieder plötzlich Heiligabend geworden und er hatte wie immer keine Geschenke. Gut, dass in seiner Stadt am Heiligen Abend die Geschäfte jetzt bis 20:00 Uhr geöffnet hatten, sonst wäre er aufgeschmissen.

      Jetzt war es zwar erst 17:00 Uhr, aber wenn er wieder an den Stau in der City dachte, der von den ganzen Kirchgängern verursacht wurde, bekam er jetzt schon Beklemmungen. Dieses Volk, das glaubte, dass dieser Abend ein besonderer sei für die Menschheit. Die dann ihre Kinder in kratzige Stoffhosen packten, Feiertagsgesicht befahlen und die Mundwinkel der Kinder noch mal schnell mit Papas Stofftaschentuch und Mamas Spucke reinigten. Das waren seiner Meinung nach lauter ewig Gestrige.

      Diesen ganzen Firlefanz hatte er in seiner Familie schon länger abgeschafft. Da gab es die Geschenke sofort gegen Abend ohne diesen ganzen Quark vorher. Apropos Geschenke, jetzt wurde es aber Zeit.
      Seiner Frau ́ne Rolex, die, die sie schon so lange wollte. Dem Sohn ein I-Pod, bei diesem Wort dachte er zuerst sein Sohn wollte einen Eierbecher zu Weihnachten, aber dieser erklärte ihm dann, das es sich dabei um einen mp3 – Player handelt, der einen Bildschirm hat, auf dem man Videos sehen kann, und wahrscheinlich in 5 Jahren zum Mond fliegen wird, oder so.
      Seine Tochter wollte dieses tolle Handy aus Finnland, mit dem man jetzt chatten konnte, Bilder machen, Radio hören, seinen Zyklus berechnen, den Biorhythmus bestimmen und ja er war sich sicher, man konnte damit auch telefonieren.
      Für seine Schwiegermutter holte er wie immer einen Gutschein bei Douglas. Sie hatte dieses 4711 so gerne. Für ihn roch das zwar eher wie 08/15, aber er konnte seine Schwiegermutter sowieso nicht riechen, ob mit oder ohne Parfüm.

      Zwei Stunden später. Es hatte geklappt. Er hatte alles in Sack und Tüten. Diese Verkäufer. Jeder und Jede flötete „ gesegnete Weihnachten“, oder „frohes Fest.“ Er erwiderte immer nur ein kurzes „Jou“ und sah zu, dass er zurück zum Auto kam und nichts wie nach Hause. Na toll! Stau im Parkhaus!!! Und warum? Diese Tussi zwei Autos vor ihm hatte den Arm zu kurz um ihr Parkticket in den dafür vorgesehenen Schlitz zu stecken. Beim Versuch den Oberkörper hinauszuschieben, fiel das Zettelchen auch noch runter. Jetzt reichte es ihm aber. Er drehte seine Scheibe runter und rief. „Keine Eile Gnädigste, nächstes Jahr ist doch wieder Weihnachten, dann feiern wir das halt.“

      Die Frau stieg mit hochrotem Kopf wieder ein und es ging weiter. Er war jetzt an der Reihe. Ticket rein und ab. Was war das? Er wollte gerade losfahren, da stand eine ältere Dame vor seiner Motorhaube, mit einer Sammelbüchse in der Hand. „Sie sammle für Irgendjemanden in Not.“ „Er sei auch in Not, denn wenn er jetzt nicht schnell zu seiner Familie käme, würde wahrscheinlich der Handyvertrag seiner Tochter ablaufen, der I-Pod veraltet, und die Batterie der Rolex leer sein und überhaupt, für ihn sammle auch niemand.“

      Er brauste los und ließ eine verschreckte ältere Dame zurück. Weit kam er nicht. Es hatte plötzlich angefangen zu schneien, und die Autobahn war komplett zu. Die LKW ́s hatten sich quer gestellt und die lang anhaltende Kälte, hatte alles zu einer Rutschbahn werden lassen. Er stand still. Eine Stunde, zwei Stunden, nichts bewegte sich. Nach dem 20sten Versuch seine Familie zu erreichen hatte er aufgegeben. Zuerst war das Netz belegt, dann der Akku leer und ihm fiel wieder ein, dass er seine Ladevorrichtung schon länger reparieren lassen wollte. Im Radio meldete man, dass die Autobahn voll gesperrt sei, weil sich ein LKW quer gestellt hatte, und die Räumfahrzeuge, auf Grund der Witterung nicht durchkamen. Man solle die Vollsperrung weiträumig umfahren. Bei diesem Tipp hätte er fast ins Lenkrad gebissen. Danach sang noch so ein Knabenchor „Stille Nacht, heilige Nacht.“ Ihm platzte innerlich der Kragen. Seine Familie saß jetzt zu Hause im Wohnzimmer und wartet auf sein Kommen. Aber er war ja hier mit diesen Idioten, die auf den letzten Drücker aus der Stadt kamen, gefangen. Seine Frau wollte unbedingt dieses Jahr noch einmal einen Weihnachtsbaum, der Kinder wegen, aber er hatte sich schon vor Jahren dagegen durchgesetzt. Immer dieses genadel. Außerdem störten die Kerzen im Fernseher. Sie spiegelten halt, und das gefiel ihm nicht. Die Krippe hatten sie auch weggeworfen, nachdem das Jesus - Kindchen einen Arm verloren hatte, bei seinem Versuch, damit das Innenteil eines Kerzenständers zu reinigen.

      Nach drei Stunden auf der Autobahn musste er raus. Er wollte sich die Beine vertreten und es drückte ihn ein inneres Bedürfnis. Er ging zur Seite, über die Leitplanke an den Rand. Bei dem Versuch ein geeignetes Plätzchen zu finden, rutschte er aus und purzelte den Hang hinunter.
    • Unten angekommen blickte er geradewegs in zwei große braune Augen, die ihn neugierig ansahen. Sofort kam unterhalb der Augen eine warme rosarote Zunge heraus, die ihn begann abzulecken. Er wehrte sich und hörte jemanden rufen: “Keine Angst, der tut nix, der will nur spielen.“ Er blickte sich um und sah, dass er am Fuße einer kleinen Autobahnbrücke lag. Unter dieser Brücke saßen drei Gestalten, die ziemlich übel aussahen. Einer kam auf ihn zu, half ihm auf die Beine, wünschte ihm gesegnete Weihnachten und lud ihn ein, an dem kleinen Lagerfeuer Platz zu nehmen, das unter der Brücke brannte.

      Die Drei waren gerade dabei sich einen Glühwein aus einer Tetra – Pack – Tüte, die sie zum warm werden dicht ans Feuer gestellt hatten, auszugießen. „Gesegnete Weihnachten?“ erwiderte er. „Gesegnete Weihnachten?“ „Was ist denn daran gesegnet.“ Ich stehe da oben im Stau, seit Stunden, zerreiße mir den Frack beim Versuch auszutreten, werde von diesem Aushilfswolf vollgesabbert, sitze mit fragwürdigen Typen unter einer kalten Brücke und meine Familie wartet zu Hause. Nicht dass sie mich vermissen, sie sind es gewohnt, dass ich immer später nach Hause komme als geplant. „Und sie sagen zu mir gesegnete Weihnachten?“

      Das Einzige das vielleicht noch an Weihnachten erinnert, sind die gelben Engel, die oben im Stau warmen Zitronen - Tee ausgeben. Man reichte ihm einen Becher warmen Glühweins, den er nahm und trank. Das tat gut. Es war eine Wohltat und es störte ihn gar nicht, dass der Becher aussah, als ob er seit seiner Inbetriebnahme nie Spülwasser gesehen hatte. Nach dem er sich etwas beruhigt hatte, fiel ihm auf, dass es hier unter der Brücke absolut ruhig war. Kein Lärm, Keine Autobahn. Nichts. Er blickte sich um. Die Drei hausten hier scheinbar schon länger. Paletten lagen da, auf die so etwas wie Matratzen gelegt waren. Drei Einkaufswagen standen dort, ordentlich nebeneinander geparkt. Vermutlich war all ihr Hab und Gut darin verstaut. Zwei Hunde gehörten zu diesem Gespann, wobei einer aussah, als ob fünf verschiedene Rassen in ihm ein zu Hause gefunden hatten. Die Drei hatten alte, zerrissene Mäntel an und aus ihren Schuhen schauten Zeitungen heraus, die die Füße warm halten sollten. „Tja, gesegnete Weihnachten ihr traurigen Gestalten. Von mir aus dann, es kommt nicht mehr darauf an. Wenn ihr in eurem Elend das so seht, ist es okay.“ „ Wieso elend?“ Sagte einer der Drei. “Wir haben alles was wir benötigen und wollten gerade anfangen Heilig Abend zu feiern. Du bist herzlich eingeladen, nun setz dich halt.“ Er setzte sich und einer der Drei, der Größere, holte ein kleines abgegriffenes Buch, das in Leder eingebunden war, aus seiner Manteltasche.
      Er schlug es auf, ziemlich in der Mitte, und begann zu lesen: „Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde. Und diese Schätzung war die Allererste und geschah zu der Zeit, da Quirinius Statthalter in Syrien war.“ Wie lange hatte er diese Geschichte schon nicht mehr gehört? In ihm stiegen Erinnerungen an die Kindheit hoch, er roch förmlich die Plätzchen, die seine Mutter gebacken hatte, er sah sie, wie sie in der Küche stand. Heiße Backbleche vor sich und jede Menge Teig noch auf dem Tisch, der darauf wartete gebacken zu werden. Sie wischte sich die Hände an der Kittelschürze ab, und gab ihm wie jedes Jahr die Teigschüssel zum Auslecken. Wie jedes Jahr machte sie ihm mit ihren mehligen Fingern eine weiße Nase.

      Im ganzen Haus roch es nach Gewürzen, nach Orangen und die selbst gedrehten Bienenwachskerzen dufteten. „...und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge...“ Wie hatte er diese Geschichte geliebt, die Opa jedes Jahr an Heilig Abend vorlas. Er stellte sich dann immer alles genau vor. Die Könige, die Hirten, die vielen Schafe und Maria und Josef, die glücklichen Eltern, wie sie so auf dieses kleine Baby schauen. Er konnte das immer genau sehen. Dann diese Engel, die zu den Hirten kamen, zu den Menschen, mit denen sonst niemand etwas zu tun haben wollte, und gerade die erfuhren es zuerst.


      Und dann dieser mächtige Stern, der am Himmel stand und zu dem Ort hinzeigte, in dem das alles vor nun 2000 Jahren geschah. „...und fürchtet euch nicht, denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus der Herr...“ Er blickte auf, und sah in drei Gesichter, deren Augen sich mit einem wässrigen Glanz gefüllt hatten. Sie sahen so glücklich aus, so zufrieden, wie er das schon lange nicht mehr gesehen hatte. Diese Drei hier feierten Weihnachten. Sie feierten das größte Geschenk, dass es je gab. Sie strahlten so eine Zufriedenheit aus.

      „Weißt du“, sagte einer, „wir haben dieses Geschenk in uns. Wir tragen dieses Geschenk, dass dort in der Krippe lag in unseren Herzen.“ Es ist Gott, der uns da seinen Sohn geschenkt hat, und wer dieses Geschenk annimmt ist frei von Schuld und Bitterkeit, das ist für uns der Segen an Weihnachten.“ Jetzt füllten sich auch seine Augen, denn das waren fast auf den Punkt die gleichen Worte, die auch sein Opa nach dieser Geschichte zu sagen pflegte.

      „Deine Geschenke, die du oben im Wagen hast, sind vergänglich und gehen kaputt. Die Technik überholt sich selbst, die Düfte die du da hast verfliegen. Aber dieses Geschenk, wenn du es in deinem Herzen trägst, bleibt und wird dich immer begleiten. Dieses Geschenk wird dir in deinem Leben immer wertvoller. Diese anderen Geschenke befriedigen dein Verlangen nach mehr Besitz, aber dein Herz bleibt leer.“ „Das Kind in der Krippe, ist ein Geschenk, das dein Herz füllt und dein Verlangen nach mehr schrumpfen lässt.“

      Er blickte in drei Gesichter, die so erfüllt waren mit Freude, dass es ihn völlig aus der Fassung geraten ließ. Er stand auf, kletterte den Hang hinauf, lief zu seinem Auto und kam gerade rechtzeitig an, um als nächster loszufahren, denn der Stau hatte sich aufgelöst. Woher hatte denn dieser Mann gewusst, was er im Auto hat? Es war 04:00 Uhr morgens, als er zu Hause ankam.

      Der erste Weihnachtsfeiertag. Er hatte den ganzen Heiligen Abend unter dieser Brücke verbracht. Seine Frau und seine beiden Kinder kamen ihm entgegen, sie hatten die ganze Nacht gewacht und Ängste um ihn ausgestanden. Sie schlossen ihn in die Arme und freuten sich, dass er endlich da war. Er erzählte ihnen alles. Von dem Stau, seinem Sturz, der nassen Hundeschnauze, den Dreien unter der Brücke und seinem Erlebnis. Er erzählte ihnen, dass er Weihnachten neu erlebt hatte, dass er das wahre Weihnachten gefühlt hatte. Und man beschloss noch am gleichen Tag diese Brücke aufzusuchen und den Dreien einen schönen großen Christ - Stollen zu bringen. Über alldem vergaß die Familie ganz, dass der Kofferraum des Autos noch voller Geschenke war und man machte sich auf, um den Stollen zu verschenken. Als sie unter der Brücke ankamen, war dort keine Spur von Irgendjemandem. Auch an der Stelle, an der das Lagerfeuer gebrannt hatte war nichts. Keine Asche, keine Steine, keine einzige Spur. Er suchte nach Hundespuren, aber auch die konnte er nicht finden. Nachdenklich über all das gingen sie zurück zum Auto und fuhren nach Hause.

      Er kaufte noch schnell einen Weihnachtsbaum bei dem total verdutzten Händler und stellte diesen auf. Auch einer Frau, die mit einer Sammelbüchse daher kam, tat er reichlich hinein. Per online Banking überwies er einem Geschäftspartner 5% seines Gewinns und danach verschwand er auf dem Dachboden seines Hauses um nach etwas zu suchen. Als er wieder ins Wohnzimmer kam, in dem die Familie Platz genommen hatte, schlug er ein total verstaubtes Buch auf und las mit dem gleichen Gesichtsausdruck wie die Drei unter der Brücke: „ Es begab sich aber zu der Zeit....!“ Frohe Weihnachten euch allen.

      Ich hoffe es war Euch nicht zu lang und ich habe den Rahmen gesprengt, ich wünsche Euch eine besonnene und derzeit nachdenkliche Weihnachtszeit.
    • 15. Dezember

      Ich freu mich jeden Tag am Morgen auf das Öffnen eines Törchens :saint: und zwar aus meinem Buch von Ryan Holiday und Stephen Hanselmann *Der Tägliche Stoiker* Und das heutige 15. Dezember-Törchen möchte ich mit Euch liebe Adventskalenderleser, zusammen öffnen:

      EIN EINFACHER WEG, DEINE TAGE ZU ZÄHLEN

      *So entwickelt man einen perfekten Charakter - indem man jden
      Tag verbringt, als sei es der letzte - ohne Hast, ohne Faulheit, ohne
      Vortäuschung*
      (Marc Aurel, Selbstbetrachtungen, 7.69)

      Die Stoiker glaubten nicht, dass Irgendjemand perfekt sein könnte.
      Die Vorstellung man könnte ein Weiser werden - das höchste Ziel
      eines jeden Philosophen - erschien ihnen nicht realistisch. Dies war
      bloß ihr platonisches Ideal.
      Dennoch begannen sie jeden Tag in der Hoffnung, diesem Ideal
      ein kleines bisschen näher zu kommen. Der Versuch allein lohne sich
      schon. Kannst du tatsächlich den heutigen Tag so gestalten als sei es
      dein letzter? Ist es überhaupt möglich, die Ganzheitlichkeit und Per-
      fektion unseres ethos (Charakter) zu leben, und ganze 2 Stunden
      lang ohne Mühe das Richtige zu tun? Ist das überhaupt für länger
      als eine Minute möglich?
      Vielleicht nicht. Aber wenn den Stoikern schon der Versuch reichte,
      sollten wir damit ebenfalls zufrieden sein.


      Ich wünsche allen, dass ein guter Weg gefunden wird, in diesem Jahr mit seinen Lieben an Weihnachten beisammen sein zu können und dass trotz der Situation, in der wir zur Zeit leben müssen, die Freude über manch Traurigkeiten siegt. Eine gute adventliche Zeit noch und gute Weihnachtstage, so wie es Euch möglich ist.


      Für alle, die gern noch etwas Weihnachtliches lesen wollen, immer ans Herz gelegt:

      babyclub.de/magazin/specials/w…0Weihnachtsgeschichte.pdf

      Und wer immer noch nicht genug hat schaut diese schöne Neuverfilmung dazu an:) youtube.com

      /watch?v=sA6k7VYa9fw


      :saint: :saint: :saint: :saint: :saint: :saint: :saint: :saint: :saint: :saint: :saint: :saint: :saint: :saint: :saint: :love:







      Es war einmal ein Schiff,Befuhr die Meere alle Zeit,und unser Schiff, es hieß die Goldne Nichtigkeit.
    • Hinter Tür 16 wartet der - leider schon verstorbene - Austropop-Sänger Georg Danzer:

      Wie war Weihnachten Georg Danzer - YouTube

      Und da wohl nicht alle hier des bairisch-österreichischen Dialekts mächtig sind, habe ich das Lied transkribiert und ins Hochdeutsche übersetzt.


      Wie woa Weihnochtn

      Oida Mau, du bist scho hundat Joa,
      dazöh ma wia des woa, Weihnochtn.
      I hob scho davo glesn,
      sog, wia is des gwesn?
      Wia woa Weihnochtn?

      Oida Mau, und sog ma, wos is Schnee?
      Is Schnee so koit wia Eis
      und wiaklich woa so weiß,
      so weiß wia deine Hoa,
      sog ma wia des woa,
      wie woa Weihnachten?

      Oiso pass auf, Burli,
      Weihnochten, des woa
      des schenste Fest im Joa,
      nau und da Schnee, der foit vom Himme,
      so weiss ois wiara Schimme.
      A Schimme, des is a Pfead.
      Des Wuat host no ned gheat?
      Najo, owa so woa Weihnochtn.

      Oida Mau, erkläa ma des genau,
      weu i ma des ned vuastön kau.
      Wie woa Weihnochtn?
      Und bitte, wos san Stean,
      de leichtn in da Fean'?
      Wie woa Weihnochtn?

      Pass auf, Burli,
      i siech des no in meine Tram,
      do woa amoi a Christbam mit Keazn,
      und Friedn woa in olle Heazn,
      und daunn woan do no tausnd Lichta
      und glickliche Gsichta.
      De Oidn und de Jungan haum olle gsungan,
      pass auf: Stihille Nacht, Heilige Nacht,
      jawoi, des woa des Liad,
      wos dazöhn, wias Jesuskind geboan wiad.
      Wos, des kennst du ollas ned?
      Najo des is natialich bled,
      owa so, so woa Weihnochtn.

      Oida Mau, wos woa des für a Zeit?
      Wos is Glückseligkeit?
      Wie woa Weihnochtn?
      Und sog, wos is passiat,
      dass nimma gfeiat wird Weihnochtn?

      Oiso pass auf, Burli,
      do woar amoi a grossa Kriag,
      und daunn is owegfoin de Bombn,
      und in de Katakombn
      haums owemiassn, de Leit,
      und do lebn mia no heit,
      und nix is mea min Schnee und mit da Glicksölichkeit
      und mit de Zimtstean und mit die Lichta
      und mit de glicklichn Gsichta
      und mit de, mit de, mit de Schneeflockaln,
      und nix is mea mit Weihnochtn.
      Mei liawa Gott, weu des is laung vorbei und tot,
      und mia weans nimmamea dalebn,
      owa waunns in a poa hundat Joa den Deckel do omat wieda hem,
      daun, jo daun wiads vielleicht wieda Weihnochtn gem.

      Oida Mau, jetzt was is gaunz genau,
      jetzt was i wia des woa, Weihnochtn.
      I woit, i hättat glebt vor üba hundat Joa
      zu Weihnochtn.
      Wie war Weihnachten

      Alter Mann, du bist schon hundert Jahre,
      erzähl mir wie das war, Weihnachten.
      Ich habe schon davon gelesen,
      sag, wie ist das gewesen?
      Wie war Weihnachten?

      Alter Mann, und sag mir, was ist Schnee?
      Ist Schnee so kalt wie Eis
      und wirklich wahr so weiß,
      so weiß wie deine Haare,
      sag mir wie das war,
      wie war Weihnachten?

      Also pass auf, Junge,
      Weihnachten, das war
      das schönste Fest im Jahr,
      na und der Schnee, der fällt vom Himmel,
      so weiß wie ein Schimmel.
      Ein Schimmel, das ist ein Pferd.
      Das Wort hast du noch nicht gehört?
      Naja, aber so war Weihnachten.

      Alter Mann, erklär mir das genau,
      weil ich mir das nicht vorstellen kann.
      Wie war Weihnachten?
      Und bitte, was sind Sterne,
      die leuchten in der Ferne?
      Wie war Weihnachten?

      Pass auf, Junge,
      ich sehe das noch in meinen Träumen,
      da war einmal ein Christbaum mit Kerzen,
      und Frieden war in allen Herzen,
      und dann waren da noch tausend Lichter
      und glückliche Gesichter.
      Die Alten und die Jungen haben alle gesungen,
      pass auf: Stihille Nacht, Heilige Nacht,
      jawohl, das war das Lied,
      wo sie erzählen, wie das Jesuskind geboren wird.
      Was, das kennst du alles nicht?
      Naja, das ist natürlich blöd,
      aber so, so war Weihnachten.

      Alter Mann, was war das für eine Zeit?
      Was ist Glückseligkeit?
      Wie war Weihnachten?
      Und sag, was ist passiert,
      dass nicht mehr gefeiert wird Weihnachten?

      Also pass auf, Junge,
      da war einmal ein großer Krieg,
      und dann ist heruntergefallen die Bombe,
      und in die Katakomben
      haben sie hinuntermüssen, die Leute,
      und da leben wir noch heute,
      und nichts ist mehr mit dem Schnee und mit der Glückseligkeit
      und mit den Zimtsternen und mit den Lichtern
      und mit den glücklichen Gesichtern
      und mit den, mit den, mit den Schneeflöckchen,
      und nichts ist mehr mit Weihnachten.
      Mein lieber Gott, weil das ist lange vorbei und tot,
      und wir werden es nicht mehr erleben,
      aber wenn sie in ein paar hundert Jahren den Deckel da oben wieder heben,
      dann, ja dann wird es vielleicht wieder Weihnachten geben.

      Alter Mann, jetzt weiß ich es ganz genau,
      jetzt weiß ich wie das war, Weihnachten.
      Ich wollte, ich hätte gelebt vor über hundert Jahren
      zu Weihnachten.




      Ich wünsche allen eine schöne Weihnachtszeit!

      Mateo
    • Tür17: Noch 7 Tage bis Heiligabend




      O come, O come, Emmanuel


      1.Oh komm, oh komm Emmanuel,
      nach dir sehnt sich dein Israel.
      In Angst und Sorgen liegen wir
      und schaun voll Sehnsucht auf zu dir.
      Freu dich, freu dich, oh Israel,
      bald kommt, bald kommt Emmanuel.



      2.Oh komm, oh wahres Licht der Welt,
      das unsre Finsternis erhellt.
      Wir irren hier in Trug und Wahn,
      oh führ uns auf des Lichtes Bahn.
      Freu dich, freu dich, oh Israel,
      bald kommt, bald kommt Emmanuel.



      3.Oh Gott mit uns wir harren dein,
      komm tritt in unsre Mitte ein.
      Die Sünde schloß die Himmelstür,
      du öffnest sie, wir jubeln dir.
      Freu dich, freu dich, oh Israel,
      bald kommt, bald kommt Emmanuel.

      (Oh komm, oh komm Emmanuel (Manfred Hößl)



      Tür17: 7 Tage bis zu Heiligabend

      O komm, o komm, du Morgenstern

      Weihnachtslied
      Melodie: Frankreich, 15. Jahrhundert
      Text: John Mason Neale 1851/1861


      1. O komm, o komm, du Morgenstern,
      lass uns dich schauen, unsern Herrn.
      Vertreib das Dunkel unsrer Nacht
      durch deines klaren Lichtes Pracht.
      Freut euch, freut euch, der Herr ist nah.
      Freut euch und singt Halleluja.


      2. O komm, du Sohn aus Davids Stamm,
      du Friedensbringer, Osterlamm.
      Von Schuld und Knechtschaft mach uns frei
      und von des Bösen Tyrannei.
      Freut euch, freut euch, der Herr ist nah.
      Freut euch und singt Halleluja.


      3. O komm, o Herr, bleib bis ans End,
      bis dass uns nichts mehr von dir trennt,
      bis dich, wie es dein Wort verheißt,
      der Freien Lied ohn Ende preist.
      Freut euch, freut euch, der Herr ist nah.
      Freut euch und singt Halleluja.


      (Weihnachtslied
      Melodie: Frankreich, 15. Jahrhundert
      Text: John Mason Neale 1851/1861)


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    • Türchen 18
      Die Weihnachtswichtel
      Petunia war eine Frau von 80 Jahren, die gern in ihrem Schaukelstuhl saß und strickte. Manchmal strickte sie kleine grüne Männchen mit gelben Mützchen und gelben Schuhen. Als die Enkelkinder sie fragten, wer diese Männchen seien, erzählte sie ihnen, dass sie sie als achtjähriges Mädchen gesehen hatte und sich noch genau daran erinnere.
      Sie versuchte auch ihre Kinder zu überzeugen, dass es die Wichtel sind, die die Geschenke zu Weihnachten bringen und nicht der Weihnachtsmann. Die Wichtel seien die Helfer vom Weihnachtsmann, vom Osterhasen, vom Christkind und von der Zahnfee. Sie seien die kleinen unterschätzten Helden, die alles zusammenhalten. Die Kinder und Enkelkinder lachten nur, nahmen ihre Oma nicht ernst und schlossen eine Wette mit ihr ab. Sie würden ihr jeden Tag Kekse backen, wenn sie die Wichtel dazu bringen könnte, sich zu zeigen.
      Die Wichtel gab es wirklich und sie hatten Mitleid mit Petunia, doch sie durften nicht gesehen werden, das war ihre oberste Regel. Sie wollten dennoch versuchen, ihr zu helfen und ihrer Familie außerdem einen Schrecken einzujagen. Also schnappten sie sich die vielen gestrickten Wichtelfiguren, versteckten sich hinter ihnen und rannten einer nach dem anderen in die Zimmer der Kinder und Enkelkinder.
      Sie nahmen die Kekse, die im Flur lagen und krümelten alle Zimmer voll. Dann bauten sie ein Katapult aus einer Rolle Toilettenpapier und einem Lineal und schossen sich so auf die Betten. Dort verteilten sie weitere Krümel, Zuckerstangen, Zahndosen und bemalte Ostereier, lachten und sprangen auf und ab bis die Kinder und Enkelkinder aufwachten und die gestrickten Wichtelfiguren ihrer Oma sahen.
      Sobald sie ihre Augen aufgeschlagen hatten, verschwanden die Wichtel schnell und rannten aus der Tür. Sie hinterließen Chaos und Verwunderung, aber stärkten auch den Glauben an die Geschichte der Oma. Von diesem Tage an bekam Petunia für den Rest ihres Lebens jeden Tag Besuch und frische Kekse. Sie teilte sie jeden Weihnachtsabend mit den Wichteln, legte sie auf einen Tisch im Flur und schrieb ihnen einen Brief, in dem sie sich bei ihnen bedankte. Am nächsten Morgen war sie glücklich, denn sie fand nur noch den Briefumschlag und ein paar Krümel vor.
      (Malin Poggemann)
      Ich wünsche Euch allen frohe und besinnliche Weihnachten trotz all der Ümstände macht das beste draus und bleibt gesund. eure Blacky