Lesenswerte Artikel, Kolumnen oder Interviews

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    • Die Lust, andere zu belehren

      Es gibt vieles, was man über den Spritpreis wissen sollte. Und es gibt einige, die alles immer besser wissen.

      Wenn ich im Buchladen, im Bekleidungsgeschäft oder im Krimskramsmarkt gefragt werde, ob ich etwas suche, sage ich gern:"Nein, aber vielleicht finde ich etwas." Schon klar, der Verkäufer oder die ales-Assistentin (den Begriff habe ich mal auf einem Namensschild im Kaufhaus gelesen) will nur freundlichsein und helfen. Andererseits möchte der Mensch, und sei es der Mensch als Konsument, nicht das Geffühl haben, gegängelt zu werden. Wahrscheinlich hängt das damit zusammen, dass die Fremdbestimmung in einer überregulierten Gesellschaft zugenommen hat. Man bekommt von überallher Ratschläge, die manchmal nützlich sind. Manchmal allerdings sind sie so banal, dass man den Ratschlägern sagen möchte:"Nein danke, ich komme auch allein zurecht."

      Nehmen wir etwa die Spritpreise und die offenbar dazugehörenden Tipps. Der eine Professor sagt im Fernsehen, wer Benzin tanke, müsse wegen der gestiegenen Preise jetzt mehr bezahlen. Ach ja, wirklich? Die andere Expertin meint, wenn man langsamer fahre, verbrauche man auch weniger. Tatsächlich? Hätte ich nie gedacht. Und der dritte Fachmann rät dazu, schneller in den nächsten Gang zu schalten, weil der Motor bei höheren Drehzahlen...oh, wie interessant. Dann kommt noch die Energiefachfrau, die konstatiert, dass die Elektroautos zwar teuer seien, aber man als Elektromobilist kein Problem mit dem Benzinpreis habe. Erstaunliche Erkenntnis.

      Sollte ich vielleicht ein Buch konzipieren mit dem Titel:" Die Desasterbahn - wie man sie besser macht"?

      Es gibt Menschen, die glauben, dass es zu den Grundeigenschaften der hiesigen Kultur gehöre, anderen Menschen zu sagen, wie etwas geht und was sie machen sollen. Das - kein Framing in irgendeine Richtung! - Belehrungsgen trägt dazu bei, dass in Deutschland so viele sogenannte Sachbücher geschrieben werden, die einem sagen, wie das wirklich ist mit dem Darm, der Geldanlage, der Gerechtigkeit oder den Vitaminen. Die Zahl der Antworten auf gar nicht so intensiv gestellte Fragen ist in unserem Land (wirklich "unserem"? Wäre diese Frage nicht ein Sachbuch wert?) so groß, dass eigentlich vieles, vielleicht mit Ausnahme der Bahn, prima laufen müsste. Die Bahn, notabene, hat gerade mitgeteilt, dass jüngst 60 Prozent aller Züge pünktlich gewesen seien. Ist das nun ein Fortschritt oder eine Bankrotterklärung? Sollte ich vielleicht ein Buch konzipieren mit dem Titel "Die Desasterbahn - wie man sie vesser amcht"? Wichtig ist dabei die Beschwörung der Kleinapokalypse ("Desasterbahn") und unbedingt ein Fragewort (wie, warum, wozu), das Expertise andeutet.

      DasBelehrungsgen ist nahezu eine Voraussetzung dafür, dass Menschen Journalisten (ersatzweise "Publizisten") oder Politiker oder eine Mischform von beidem werden. Wer zum beispielden Auftritt der Wirtschaftsministerin Reiche gegen die Steuerpläne der SPD im Fernsehen oder auf sonst einem Buldschirm gesehen hat, der konnte erleben, wie das Belehrungsgen die Ministerin überfraute. Manche sagen, Reiche habe aus Überzeugung "klare Kante" gezeigt. Andere sagen, sie sei ihrem inneren Drang gefolgt, sich und anderen ohne Rücksicht auf Freunde, Feinde und Koalitionspartner zu zeigen, dass sie recht hat. Das Rechthaben ist ein enger Verwandter des Belehrens. Wer nicht zu wissen glaubt, er oder sie sei im Recht, wird Möglichkeiten erwägen, aber nicht den scharfen leitartikel schreiben oder die deutliche Rede halten, dass die Lage klar sei und die Antworten auch. Die Lage ist fast nie so klar, wie es die glauben, die den anderen vorwerfen, sie würden nur oder wenigstens viele falsche Antworten geben.

      Weil es nahezu unvermeidlich ist: Das Belehrungsgen ist zwar in Deutschland mindestens so weit verbreitet wie die Blutgruppen A positiv und 0 positiv. (Fast drei Viertel der hiesigen Bevölkerung haben eine von beiden) Aber natürlich gibt es das Belehrungsgen auch anderswo. In den USA ist es gerade im Körper Jesus von Mar-a-Lago an der Regierung. Möglicherweise haben es dessen Vorfahren aus Deutschland mitgebracht. Allerdings bildet das Belehrungsgen bei Leuten, die viel reden und denen in ihrer direkten Umgebung wenig widersprochen wird - Chefs und Chefinnen jeder Art, Firmenerben -, Belehrungsknoten im Nervensystem aus, die dazu führen, dass die Eigenwahrnehmung die Außenwahrnehmung überlagert. Träger solcher Belehrungsknoten können gar nicht anders, als der Welt zu erklären, wie es wirklich ist. Leider belässt es der Alte aus dem Weißen Haus nicht bei Belehrungen. Viele Belehrungsknoten gepaart mit Durchsetzungsmacht und Flugzeugträgern gehören zum Übelsten, was dem Belehrungspublikum passieren kann.

      Interessant ist allerdings auch, dass sich unter den heimischen Belehrern viele über Trumps Jesus-Inkarnation auf seinem Social-Media-Kanal aufgeregt haben, die sich sonst nicht mit Religion beschäftigen. Auch Papst Leo gewinnt gerade viele unkatholische "Fans", weil er gegen den Alten im Weißen Haus hält. Der Feind meines Feindes ist mein Freund, weswegen auch Winston Churcill eine Zeit lang mit Stalin zurechtkam. Allerdings, und das ist eigentlich positiv, ist die Belehrungsdichte in Deutschland zwar hoch. Die gefährliche Intensitt wie in den USA oder in Russland hat sie glücklicherweise nich nicht, auch wenn der Apokalypsismus ("die letzte Patrone der Demokratie") unter hiesigen Belehrern weit verbreitet ist.

      Habe ich eigentlich schon gesagt, dass man, wenn man das Auto am Wochenende stehen läßt, Sprit sparen kann?

      (Kolumne von Kurt Kister

      gelesen in Süddeutsche: sueddeutsche.de/leben/deutschl…g-li.3467685?reduced=true

      :thumbsup:
    • Die Fans sind selbst schuld, dass sie von der Fifa abgezockt werden

      Die WM in den USA setzt in puncto Raffgier völlig neue Maßstäbe. Das ist aber nur möglich, weil Millionen Fußballfans das Projekt "Gier ohne Grenzen" mitmachen. Ist die Freude am Spiel zur Manie geworden?

      Einen Titel trägt die kommende Fußball-WM schon vor dem Anpfiff: das Milliardengrab. Denn ein solches ist sie, für die Konten und Geldbeutel der Fans. Also für jene unverwüstlichen Anhänger, die weiterhin keinen Preis der Welt scheuen, obwohl sie die Staffage abgeben werden für den größten Wucher, den es bisher je gab.

      Keine Frage, jede Entscheidung ist frei. Aber frei sind auch die Gedanken, weshalb angesichts der wirtscjaftlichen Entwicklung rund um die größte Unterhaltungsshow des Globus, bei zugleich wachsender Bedeutung des Fantums, einige Überlegungen angebracht sind. Nicht zu jenen Besucherteilen, die sich in Logen und VIP-Bereichen auf Firmen- oder sonstige Kosten verwöhnen lassen und bei Schlechtwetter hinters Panoramafenster flüchten. Sondern zum klassischen Fußballfan. Der seit Jahrzehnten ob seiner ehernen Liebe zum Spiel besungen und romantisiert wird, weil er durch Länder, Kontinente oder um den ganzen Planeten düst und dabei weder Mühen noch Kosten scheut - selbst, wenn Letztere ihn auffressen. Eine schrankenlose Hingabe, auf der ein gesellschaftlicher Segen liegt. Einfach, weil es Fußball ist.

      Auch bei einem globalen Event wie der WM bildet der "normale Fan die breite Masse der Stadionbesucher. Längst haben ihn die Medien in die Mitte des Festes gerückt, zu einem Leuchtpunkt im internationalen Farbspektrum gemacht. Die Fernsehbilder von feiernden, trauernden, euphorisierten Fans gehören zum offiziellen Erscheinungsbild des Turniers. Dabeisein ist alles: nicht wie einst im geiste des Mitmachens, sondern oft im hippen Sinne privater Sichtbarkeit. Schaut her, ich bin auch da!

      Doch längst wird der selbst aufopfernde Kult, den der hart gesottene Fan pflegt, aals risikofreies Renditeobjekt erkannt und ausgeschlachtet. Weshalb sich manchmal schon die Frage aufdrängt, ob es für diese Entwicklung überhaupt ein Stoppschild gibt, eine rote Linie zwischen Passion und Obsession. Kann die Lust aufs Spiel zur Manie weren?

      Die Stadionpreise galoppieren und reißen alles andere mit sich

      Antworten gibt´s nun früher als gedacht. Denn die Habgier, mit der der Weltverband Fifa seine Ticketpreis-Politik für die WM in den USA (nebst Kanada und Mexiko) durchpeitscht, wird zum Lackmustest für die Vernunft der Zahlkundschaft. Das neue, perfide konstruierte Verkaufssystem der Fifa, gebaut auf Bluff und Verknappung, Versprechung und Enttäuschung, lässt sei Monaten die Preise galoppieren. Und reißt alles andere mit sich - jetzt wird sogar der Zubringerdienstan die WM-Spielstätten zum Luxustripp. Der Nahverkehr von New jersey zum Beispiel will für Hin- und Rückfahrt aus New York zum Met-Life Stadium 150 Dollar verlangen, ohne Ermäßigung für Senioren und Kinder. Die Zugstrecke kostet sonst 12,90 Dollar und beträgt 29 Kilometer.

      Das passt ins Gesamtbild einer WM, die nicht nur in puncto Raffgier völlig neue Maßstäbe setzt. Aufgebläht auf 48 Teams und 104 Spiele, erstmals mit strikten Einreiseverboten für die Landsleute mehrerer Teilnehmernationen und untragbaren Visa-Auflagen für viele andere, erstmals offen flankiert von materialischen Heimatschützern. Und überschattet von einem erratischen Präsidenten. der während des Turniers -anders als vormals selbst die Autokraten in Peking, Moskau oder Doha - keine Zurückhaltung üben wird, weil ihn diese Glitzerbühne ja tagtäglich triggert. Stets dabei an seiner Seite, bereit zum nächsten Kniefall: Gianni Infantino. Der Skandalpräsident der Fifa gibt sich medial zwar gerne so, als sei er Donald Trumps WG-Partner im Oval Office, tatsächlich aber schafft er es nicht einmal, beim Hausherrn die übliche Steuerbefreiung für lle Teilnehmerländer herauszuholen.

      Das Fest ist außer Kontrolle geraten, aber wenn man unbedingt mitmachen will: Viel Spaß - und nicht wundern, wenn es noch teurer wird.

      Nein, diese WM wird die Show von Trump und seinem grinsenden Sidekick, dem Funktionär mit den tiefen Taschen. Sie hat nichts zu tun mit Ideen des Sports oder dem Gemeingut Fußball. Das Fest ist außer Kontrolle geraten.

      Aber natürlich gilt für jeden WM-Fan, der sich trotzdem hineinwerfen und fünfstellige Betrge für zwei, drei Spiele der unteren Kategorie entrrichten will: Mach dein Ding, viel Spaß und gute Reise! Bloß nicht wundern, wenn du zum Gelingen des Fifa-Projekts "Gier ohne Grenzen" beuträgst - und in der Logig des Wuchergeschäfts beim nächsten Mal noch heftiger abgezockt wirst!

      Die große Nepp-WM richtet sich erstmals gegen ihr Innerstes: die Ideen von Gastfreundschaft, Respekt, fairem internationalen Wettbewerb. Sie wendet sich gegen alle, die gerne dabei wären, aber nicht kommen dürfen, und gegen all diejenigen, die unbedingt kommen sollen - damit man sie finanziell ausnehmen kann wie Truthähne an Thanksgiving. Es ist die WM, bei der klassisches Fan-sein seine Unschuld verliert: kein Sujet mehr für romantische Narrative, eher was für Suchttherapeuten.

      Kommenta von Thomas Kistner - Süddeutsche Zeitung -

      gelesen in: sueddeutsche.de/sport/trump-fi…m-li.3472585?reduced=true

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    • Wie lernt man, ein guter Mensch zu sein

      Ageressionen und offen azsgelebter Hass scheinen überall zuzunehmen. Gibt es einen Ausweg aus der Spirale? Über die Wurzeln der Gewalt und die reale Chance, sie einzudämmen.

      Gerade könnte man wirklich den Glauben an die Menschheit verlieren. Wo man nur hinblickt, benehmen sich die Leute auf abscheuliche Weise daneben, eskaliert die Gewalt. Da beginnt ein neuer Krieg nach dem anderen, bei dem sich die Kriegsherren gegenseitig mit gehässigen Sprüchen überziehen, als fände das Ganze im Sandkasten statt, als ginge es nicht um Menschenleben. Ein Zugbegleiter wird zu Tode geprügelt, weil er es wagt, einen Passagier nach seiner Fahrkarte zu fragen. Frauen werden bewusstlos gemacht, damit Männer Sex mit ihnen haben können.

      Es sind längst nicht mehr nur die agressiven Ergüsse einiger weniger verirrter und verwirrter Menschen. Donald Trump? Wusste man doch längst, dass der weder seine Emotionen noch seinen Verstand im Griff hat. Die Mullahs? denen war das Wohlergehen ihres Volkes schon immer egal. Einzelne Gewalttäter, die Messer, Pistolen und Fäuste gebrauchen, wenn jemand das Falsche sagt? Hat es zugegebenermaßen auch schon immer gegeben.

      Aber Hass und Gewalt, zur Schau getragene Abscheu und das ganze Ich-Geschrei enden nicht bei diesen Estremfiguren. Sie scheinen sich gerade immer tiefer hineinzufressen in die Gesellschaft, sind salon- und forenfähig geworden und ziehen ein in das Alltagsverhalten auch von Menschen, die man eben noch für einigermaßen gut erzogen hielt. Nun packen diese ihre Gehässigkeiten aus und belustigen sich über die anderen, die Friedfertigen, die Woken. Über die, die sich einen Umgang auf Augenhöhe wünschen.

      Zugegeben: Ob die Gewalt wirklich zunimmt, lässt sich nur schwer messne. Zwar erfasst die Kriminalstatistik seit einiger Zeit erschreckend hohe Zahlen von Gewalttaten, nachdem diese Jahre lang sukzessive zurückgegangen waren. Allerdings sind dies nur die angezeigten Taten, und die Anzeigebereitschaft hängt von vielen Faktoren ab: Trauen sich mehr Opfer, weil sie wissen,d ass sie gehört werden? Weil ihre Scham kleiner wird, diese womöglich die Seite wechselt, wie es die tapfere Gisele Pelicot verlangt? Oder zeigen die Opfer gar mehr an, weil sie heute Tagten als Form der Gewalt empfinden, die sie früher akzeptiert und weglächelten?= Gut möglich, dass die Menschen auch einfach nur sensibler geworden sind.

      Nach der extremen Verrohung in der Nazizeit hatte sich in den Nachkriegsjahrzehnten die Überzeugung durchgesetzt, dass Gewalt keine Lösung ist. Dass man Geld lieber in Bildung investiert als in Waffen und dass es sich nicht gehört, Frauen und Kinder zu schlagen. Tatsächlich nahm die Gewalt in der Gesellschaft rapide ab, auch in den Familien. "Wir hatten noch nie si liebevolle Eltern wie heute", wurde der Kriminologe Christian Pfeiffer nicht müde zu betonen. Der Krieg und die traumatisierten, wortkargen Eltern und Lehrer, doe oft die selbst erlebte Gewalt als probates Mittel nutzten, sind längst Geschichte.

      In der Anonymität zwische den Firewalls verrohen die Menschen

      Das schlägt sich direkt auf den gesellschaftlichen Umgang nieder. Wer als Kind nicht geschlagen wird, setzt auch selbst seltener seine Fäuste durch. Gab es früher regelmäßig Prügeleien vor Kneipen, rümpft man heute die Nase darüber oder ruft die Polizei. Gewalt wird gesellschaftlich deutlich mehr geächtet. Doch die wachsende Sensibilität darf nicht darüber hinwegsehen, dass die Gewalt in vielen Bereichen ganz neue Dimensionen erlangt hat. Das kann man in Echtzeit in den sozialen medien beobachten, wo sich Hetzte und Abwertung nahezu ungehemmt Bahn brechen und auf der nach oben offenen Hass-Skala immer neue Extremausschläge erreicht werden. In der Anonymität zwischen den Firewalls verrohen die Menschen. Hier lassen sie gnadenlos die Sau raus.

      Noch sazu bekommt man in den sozialen medien für Entgleisungen oftmals sogar Applaus. Auf X spülen die Algorithmen Feindseligkeiten anch oben, weil Elon Musk sie als meinunsgfreiheit verherrlicht. Die Aufmerksamkeit verlockt zur Wiederholung. So wird Gewalt belohnt und als erstrebenswert erlernt. "Verhalten, das andere bestärken, tritt häufiger auf. Verhalten, das bestraft word oder ignoriert, wird hingegen seltener", sagt die Psychologin Andrea Kiesel von der Universiät Freiburg. "Insofern treten hier ganz mormale Lernmechanismen ein."


      Wenn Hemmungen in den Echokammern des Internets fallen, diffuniert dies nach und nach in die reale Welt

      Beleidigungen, Drohungen, Diskriminierung - es sind Phänomene, die Gesellschaften seit langem kennen. Aber im Internet erhalten sie eine ganz neue Qualität. Auch durch die schiere Masse. Auf dem Höhepunkt der Hetze, die Elon Musk im Herbst 2022 gegen die Sozialwissenschaftlerin Eirliani Abdul Rahman losgetreten hat, weil sie gegen seine Algorithmen protestierte, hat die Harvard-Forscherin 400 Hassnachrichten pro Minute erhalten. Das sprengt die Grenzen dessen, was in Zeiten nichtvirtueller Kommunikation möglich gewesen wäre. Jemand bekommt täglich körbeweise Post, hieß es da manchmal. Aber die Internettrolle schicken einem heute einen Korb pro Minute.

      Die verbale Gewalt in den sozialen medien ist erschreckend, und sie bleibt keienswegs in diesen Räumen. Wenn Hemmungen in den Echokammern des Internets fallen, diffundiert dies nach und nach in die reale Welt. Dann nimmt auch auf den Straßen, in Büros, in Konzernzentralen und im Parlament die Verrohung zu.

      Das zeigt sich Tag für Tag. Nach dem gewaltsamen Tod ihres Kollegen Anfang Fevruar erzählten Zugbegleiter viele schockierende Geschichten aus ihrem Alltag in den Z+gen der deutschen Bahn. Menschen in anderen Berufen, in denen man viel mit Leuten zu tun hat, ergeht es nicht anders. Da werden Bauarbeiter angegriffen, weil jemand einen Umweg fahren muss. Selbst Polizisten, Sanitäter*innen und Feuerwehrleute - also ausgerechnet Menschen in helfenden Berufen - müssen sich aufgebrachter Wutbürger erwehren. Ärzte und Pflegekräfte werden angepöbelt, wenn Patienten glauben, nicht schnell oder gut genug behandelt zu weren. Und tierärzte, denen es nicht gelingt, ein Tier zu heilen, müssen um ihre eigene gesundheit fürchten. In manchen Praxen stehen deshalb schon keineVasen mehr auf der Theke, und Scheren werden schnell wieder in der Schublade versteckt.

      Teil 1
    • Wie man lernt, ein guter Mensch zu sein - Teil 2 -

      Auch wenn die Fähigkeit zur Gewalt in jedem Menschen steckt, wird kein mensch als Schläger und Pöbler geboren

      So fragt man sich, angesichts von Despotismus, Empathielosigkeit und alltäglichem Hass: Könnte nicht mal irgendjemand den leuten beibrignen, sich zu zügeln, sich zu hinterfragen und Verständnis für andere Meinungen und Sichtweisen aufzubringen? Kurz: ein mitfühlender Mensch zu sein?

      Tatsächlich könnte man den menschen das beibringen - wenn man das Thema weit oben auf die Agenda setzen würde. Die Wege dahin sind grundsätzlich bekannt: Man muss Gewalt ächten, die Chancen von Erziehung nutzen, Gesetze erlassen und durchsetzen, unermüdlich für Verständnis und Respekt und Höflichkeit werben, auch in den Schulen, Betrieben, vereinen.

      Die erste Station ist natürlich die Familie. Auch wenn die Fähigkeit zur Gewalt prinzipiell in jedem Menschen steckt, wird kein Mensch als Schläger und Pöbler geboren. Babys kommen sogar gefühlsblind auf die Welt. Erst im Kontakt mit anderen menschen, die ihnen beibringen, was Traurigkeit, Freude und Wut sind, lernen sie, wie man Gefühle wahrnimmt und wie man damit umgeht.

      Später schlagen sie vor allen dann um sich, wenn sie nicht gelernt haben, nmit ihrem Stress und ihren Sorgen konstruktiv umzugehen. Wenn sie bei ihren Eltern oder den ach so coolen Buddys aus ihrem Viertel erleben, ass man mit Gewalt zum Ziel kommt. Man kann jungen menschen aber beibringen, ihre Wut und Traurigeit anders zu kanalisieren als in Gewalt.

      Erziehung ist deshalb eine ungeheure Chance, und Bewegungen wie "Hot Boys Cry" sind keineswegs so lächerlich, wie sie von manchen gemacht werden: Wenn Männer lernen, über ihre Gefühle zu reden, sich selbst zu evrstehen und sich auch mal in den Arm eines anderen echten kerls auszuheulen, notfalls mithlfe der im Club der Boys bereitstehenden superscharfen Chilisoße, ist das ein echter Forschritt. Es ist soviel besser, als beim nächsten Frust wieder jemanden auf die Fresse zu geben.

      Am besten, man fängt schon ganz früh mit der Gewaltprävention an. Wer eine friedliche Gesellschaft will, wer die aktuelle Verrohung bremsen will, in der unflätige und entmenschlichende Kommentare gefeiert werden, statt das sie den Ruf ruinieren, der sollte möglichst schon in der Krippe, spätestens im Kindergarten beginnen. Dort können gut geschulte Pädagoginnen und Erzieher Kinderns sozial-emotianle Kompetenzen beibringen, um seine Gefühle zu regulieren, mal die Perspektive von anderen einzunehmen ud seine Impulse zu kontrollieren - also: nicht gewalttätig zu werden. So lernen schon die Kleinsten, wie man ohne Fäuste oder gar Waffen mit Frust und Niederlagen umgeht und dass Gewalt die Sache nur schlimmer macht.

      Zugleich sollten Kinder und Jugendliche auch auf Situationen vorbereitet werden, in den andere psychische oder ühysische Gewalt anwenden - sie sollten wissen, wie man in Momenten der Einschüchterung reagiert oder sich gegen Mobber aller Art zur Wehr zu setzt.

      Nach der Kita muss es weitergehen. In der Schule und Ausbildung, inVereinen, im Beruf und im öffentlichen Leben braucht es immer wieder positive Vorbilder. Es sind die Führungskräfte in Betrieben, die Lehrer und Trainerinnen und die Galionsfiguren der Politik, die einen würdevollen Umgang vorleben können. Begleitet werden muss all das auch von gezielten Maßnahmen, um diejenigen zu erreichen, bei denen Vorbilder und Präventionsprogramme trotz aller Mühen versagt haben. Das kann etwa Antiaggressionstraining im Boxclub sein, wo gegen gewalttätige oder kriminell gewordene junge Leute ihre Kraft ausleben können und zugleich lernen, dass sie selbst in körperlichen Auseinandersetzungen Regeln einzuhalten haben und Verstöße gegen diese Regeln sanktiniert werden.

      Schon klar, Eine komplett friedliche Gesellschaft ist ein unrealistisches Ansinnen. Es gab, soweit man das aus archäologischen Funden und der geschichtsschreibung schließen kann, noch nie gewaltfreie Gesellschaften. Auch die oftmals so vorbildlich erscheinenden Skandinavier sind leider kein Vorbild, Schweden etwa kämpft seit Jahren mit einer schwer zu bändigenden Bandenkriminalität, mit teilweise midnerjährigen Tätern.

      sueddeutsche.de/leben/gewalt-i…g-li.3393844?reduced=true
      Es war einmal ein Schiff,Befuhr die Meere alle Zeit,und unser Schiff, es hieß die Goldne Nichtigkeit.
    • Mit Gewalt usw. wird keiner geboren, das ist ok. Aber wir bekommen es doch von den Regierenden jeden Tag vorgemacht. Krieg ist besser als zu verhandeln, mehr Totüngsmaschinen, mehr Lügereien um den Krieg schön zu reden, mehr Wehrpflichtige denen man das Töten bei bringt. Gewalt regiert die Welt. Ein neues altes Zeitalter ist dabei aufzuwachen und sich zu verewigen. Und wie schauen alle zu.
    • Wer schweigt, stimmt zu

      Weil es zu wenige Organspender gibt, will der Bundestag eine Regel des mittelalterlichen Kirchenrechts aus dem Jahr 1298 wieder einführen.

      Im Bundestag gibt es einen neuen Anlauf für ein spektakuläres Vorhaben. Es soll in einer wichtigen, in einer fundamentalen, einer existenziellen Angelegenheit ein Rechtssatz aus dem mittelalterlichen Kirchenrecht wieder eingeführt werden. Dieser Rechtssatz aus dem Jahr 1298 heißt auf Lateinisch so:" Qui tacet, consentire videtur." Auf Deutsch: " Wer schweigt, stimmt zu."

      Es geht um die Organentnahme bei Menschen. In dem Gesetz, das dem Bundestag zum wiederholten Mal vorliegt, geht es um die sogenannte Widerspruchslösung, die an die Stelle der Zustimmungslösung treten soll. Wer einer Organspende nicht zu Lebzeiten ausdrücklich widersprochen hat, der soll künftig automatisch als potentieller Organspender gelten. Denn: Wer schweigt, stimmt zu.

      Herz, Leber und Nieren

      Diese Rechtsregel geht zurück auf Papst Bonifaz VIII. und sein sechstes Buch also, das zum Corpus Iuris Canonici gehörte, einer mittelalterlichen Sammlung des römisch- katholischen Kirchenrechts aus dem Jahr 1298, das 1917 außer Kraft getreten ist. Mit dieser Regel wird die künftiggewollte Rechtslage im Transplantationsrecht begründet: Wer nicht rechtzeitig in einem Register oder einem Dokument einer Organspende ausdrücklich widerspricht, von dem wird angenommen, dass er ihr zustimmt; dem können dann, sobald er für hirntot erklärt worden ist, die Organe entnommen werden - also Herz, einer oder beide Lungenflügel, die Leber, die Nieren, die Bauchspeicheldrüse und der Dünndarm, aber auch Gewebe, also zum Beispiel die Hornhaut der Augen, Haut, Knochen- und Knorpelgewebe. Bei der klassischen Organspende, also bei Herz, Lunge, Leber, Niere, Pankreas, Dünndarm, werden die entnommenen Organe in der Regel so schnell wie möglich direkt einem passenden Empfänger transplantiert. Bei der Gewebespende ist eine längere Lagerung in Gewebebanken üblich, wo das Gewebe aufbereitet, konserviert und gelagert wird.

      Bislang ist die Rechtslage so, dass es zu Lebzeiten einer solchen Organspende "post mortem", also nach dem Tod, ausdrücklich zugestimmt werden muss. Das ist die sogenannte Zustimmungslösung. Die künftige Regelung heißt Widerspruchslösung. Sie ist bereits mehrmals im Bundestag abgelehnt worden - es wird aber gerade vom Bundesrat und von einer überfraktionellen Gruppe von Abgeordneten ein neuer gesetzgeberischer Anlauf unternommen. Warum? Weil es zu wenig Spender gibt. Gut achttausend Menschen warten auf ein Spenderorgan. Im Jahr 2025 wurden aber nur rund dreitausend Organe von knapp tausend Menschen gespendet, die von den Ärzten für hirntot erklärt worden waren. Ein solches Ungleichgewicht besteht schon lange, es begleitet die Transplantationsmedizin, seitdem es sie gibt.

      Gesetzlich verordnete Barmherzigkeit und Nächstenliebe?

      Die Not der Menschen, die auf eine Organspende warten, ist erbarmungswürdig; sie schreit zum Himmel. Die Nothilfe für diese wartenden menschen, also die Organspende, ist ein bewundernswerter Akt der Menschlichkeit, der Solidarität und der praktischen Nächstenliebe. Warum? Weil die Organspende Leben rettet. Die Frage ist, ob ein solches Organspenden vom Gesetzgeber wie folgt erzwungen werden darf: indem die freiwillige Zustimmung des Menschen, dessen Organe entnommen werden, suggeriert wird beziehungsweise per Gesetz unetrstellt wird, auch wenn sich dieser nie zustimmend geäußert hat. Es soll künftig nur noch zählen, dass ein mensch der Organentnahme nicht widersprochen hat. Wer schweigt, stimmt zu.

      Das ist eine grundsätzliche Abweichung von einem rechtlichen Fundamentalprinzip: Danach gilt das Schweigen als rechtliches Nullum. Es erfüllt weder den objektiven noch den subjektiven Tatbestand einer Willenserklärung. Willenserklärungen können zwar auch durch schlüssiges Handeln abgegeben werden, aber ein schlichtes Nichtszun ist kein schlüssiges Handeln, solange kein besonderer Kontext diese Deutung erzwingt. Die wenigen Ausnahmen von diesem Grundprinzip gelten zum Beispiel beim kaufmännscihen Bestätigungsschreiben - wenn beide Vertragspartner Kaufleute sind, wenn es vorherige Verhandlungen gegeben hat und wenn das Bestätigungsschreiben nicht bewusst unrichtig vom vorherigen Verhandlungsergebnis abweicht. Dann darf das Schweigen auf dieses Bestätigungsschreiben ausnahmsweise als Zustimmung bewertet werden.

      Das ist aber eine große Ausnahme. Die Grundregel findet sich ganz klar und deutlich in Paragraph 241 a BGB, eingeführt im Jahr 2000 zur Umsetzung der EU-Fernabsatzrichtlinie: Sendet ein Unternehmen einem Verbraucher unbestellte Waren, begründet dies keinerlei Anspruch gegen den Verbraucher - auch dann nicht, wenn der Unternehmer ins einem Begleitschreiben erklärt, dass Schweigen als Annahme gilt. Der Verbraucher muss also nicht reagieren, nicht widersprechen, nicht zurücksenden.

      Schweigen ist kein Wille

      Das deutsche und das europäische Recht folgt also bisher der Leitentscheidung, dass Schweigen kein Wille ist und daher auch kein Recht setzen kann. Diese Entscheidung ist nicht willkürlich, sondern die konsequente Umsetzung der auf Artikel 2 Absatz 1 des grundgesetzes gestützten Privatautonomie. Dabei soll- und muss es bleiben - gerade in einem so existenziellen bereich wie bei der Organspende. Es geht um Leben und Tod, es geht um fundamentale Fragen des Menschseins. Es geht deshalb auch um Artikel 1 des grundgesetzes:"Die Würde des menschen ist unantastbar." Die Würde des menschen und sein Recht auf Unversehrtheit endet nicht, wenn er hirntot ist, sie reicht über den Tod hinaus und erstreckt sich auf den toten Körper einer Person. Da darf der Staat nicht herumtricksen, auch wenn er es in besserer Absicht tut - nämlich um den schwer erkrankten Menschen zu helfen, die sterben, wenn sie kein Spenderorgan erhalten.

      Die Widerspruchslösung ist keine Lösung, sie ist eine fiktion. Sie fingiert eine Wirklichkeit, in der sich jeder mündige Mensch mit seinem eigenen Lebensende beschäftigt und mit der Frage auseinandersetzt, was mit seinem toten Körper geschehen soll. Dies ist bei Weitem nicht der Fall, und es darf auch keinen gesellschaftlichen Druck oder eine moralische Pflicht dazu geben. Es gibt Hürden, die Sprache oder Bildungsgrad setzen und einen menschen von der Reflexion seiner Sterblichkeit abhalten, Mehr noch, es gibt respektable Gründe, dies bewusst nicht zu tun.Es gibt belastende Lebenssituationen, in denen es ein mensch nicht aushält, sich mit seinem lebensende zu beschäftigen. Die Widerspruchsfiktion duldet mit ihrem Inkrafttreten nicht einmal den Wunsch nach Aufschub der Entscheidung, da der Hirntod nie als gebetener Gast kommt.

      Die Organentnahme nach dem Hirntot eines Menschen ist ein Eingriff in den finalen, in den allerletzten Teil des Sterbeprozesses. Sie betrifft nicht allein den sterbenden menschen, sie betrifft auch seine Angehörigen, deren Rolle durch die Widerspruchsregelung erheblich geschwächt würde. Die Organentnahme ist aus ihrer Perspektive einmassiver Eingriff in den Abschieds- und Trauerprozess. Im Falle einer Organspende haben sie nicht die Möglichkeit, in ruhiger Atmosphäre beim letzten Herzschlag des geliebten Menschen zugegen zu sein. Sie müssen ihn in einer intensivmedizinischen Umgebung bei laufenden maschinen abgeben.

      Wenn sie nachher Abschied vom toten Körper nehmen wollen, kann das wegen der Spuren, die die Organentnahme unter Umständen hinterlassen hat, sehr belastend sein. Das geht nur mit der ausdrücklichen und freien Zustimmung dieses Menschen. Ohne diese ausdrückliche Zustimmung, ihm seine Organe zu entnehmen, sit es eine Missachtung der Ehrfurcht vor dem Sterben. Wenn die Organspende vom Staat quasi angeordnet wird, wenn die Zustimmung dessen, der gar nicht zugestimmt hat, quasi simuliert und durch ein gesetz ersetzt wird, wenn so die Organspende zur Pflicht wird - dann ist sie keine Spende mehr.

      gelesen in Süddeutsche Zeitung - Prantls Blick - :sueddeutsche.de/meinung/prantl…e-li.3480472?reduced=true
    • Moral und Mitgefühl

      Warum Empathie die Weelt ungerechter macht - Teil 1 -

      Warum befasste sich der halbe Staatsapparat mit Timmy, dem in der Ostsee gestrandeten Buckelwal, aber nicht mit den jährlich 100000 von Menschenhand getöteten Walen?

      Mitgefühl finden wir alle großartig - und täuschen uns damit selbst. Tatsächlich verteilen wir unsere Empathie nämlich höchst selektiv. Und tragen zur Spaltung der Gesellschaft bei.

      Ich erinnre mich an eine Diskussion im Sommer 2022, einige Monate nach dem russischen Überfall auf die Ukraine. Es gin darum, ob man in Texten ab sofort auf Kriegsmetaphern verzichten solle. "In die Schalcht ziehen", "an vorderster Front kämpfen", "im Eifer des Gefechts" - solche Formulierungen erschienen angesichts der Tatsache, dass in der Ukraine tatsächlich Menschen in die Schlacht zögen und an vorderster Front kämpften (und stürben), hartherzig und unangemessen. Dieser Krieg tobe auf europäischem Boden, gerade ma zwei Flugstunden von Berlin entfernt, da müsse man doch etwas Empathie zeigen.

      Ich war irritiert. Jahrzehntelang selbstverständlich benutzt, und auf einmal sollten sie kontaminiert sein? Ich argumentierte dagegen: Keinem Soldaten sei geholfen, wenn wir aus falsch verstandenem Mitgefühl den Reichtum unserer Sprache beschnitten. Überhaupt gebe es diese Metaphern doch nur, weil es auch Kriege gebe, weil Sprache immer auch die Schattenseiten der Wirklichkeit spiegele. Und warum habe angesichts der verheerenden Kriege in Syrien (seit 2011), im Jemen (seit 2014) oder in Äthiopien (seot 2020) niemand sprachmodifikationen gefordert? Zu weit weg? Anderer Kulturkreis? Irgendwie nichts mitbekommen?

      "Frieden ist Krief, der woanders ist", hat Harald Schmidt mal gesagt. Es ist die Kurzformel für eine wenig schmeichelhafte Wahrheit, die wir gern verdrängen: Es gibt Kriege, an denen nehmen wir so stark Anteil, dass wir Frontverläufe verfolgen, Opferzahlen erfassen, Hilfsgüter spenden. Und es gibt Kriege, die nehmen wir achselzuckend zur Kenntnis, was freilich auch daran liegt, dass kaum über sie berichtet wird, weil sich weniger Leute dafür interessieren. "Afrik liest kein mensch!" ist einSatz, den ich während meiner Journalismusausbildung aufgeschnapp und nie mehr vergessen habe. Es gehöt sich nicht, Kriegsopfer gegeneinander aufzurechnen, menschliches Leid lässt sich nicht evaluieren, aber bemerkenswert ist es schon, dass in Syrien, in Äthiopien und im Jemen jeweils mehr Menschen ihr Leben verloren haben als im Ukraine- und im Gazakrieg.

      Empathie - das Wort hat zuletzt eine beachtliche Karriere hingelegt. Immer neue Bücher tragen es im Titel, in Talkshows fällt es regelmässig, um urban- akademischen Millieu begegnet man ihm besonders häufig, meistens als Forderung, sich der eigenen Privilegien gegenüber diskriminierten gesellschaftlichen Gruppen bewusst zu werden. Solange wir genug Empathie zeigen, so die Annahme, würden sich die Unterschiede, die es zwischen Menschen nun mal gebe, schrittweise nivellieren, am Ende stünde en aus-balanciertes Miteinander, eine gerechtere, friedlichere Welt. Der US-amerikanische Ökonom Jeremy Rifkin fordert seit Jahren einen grundlegenden Wandel, eine Art Zivilisationsschub hin zu einem "globalen empathischen Bewusstsein". Nur so könnten die Weltwirtschaft erneuert, unser Planet ins Gleichgewicht gebracht und die Zukunft der Menschheit gesichert werden.

      Alle sind ständig auf hundertachtzig, ohne dass jemals etwas Entscheidendes passiert.

      Was stimmt: Eine Gesellschaft ohne Empathie ist nicht vorstellbar. Natürlich gehören Mitgefühl und Anteilnahme zu den vorpolitischen Voraussetzungen, von denen der freiheitliche Staat lebt, ohne sie garantieren oder erzwingen zu können, weil er sonst nicht mehr freiheitlich wäre. So hat es zweifellos mit einem Anstieg von Empathie zu tun, dass wir heute sensibler für die meisten Formen von Gewalt und Diskriminierung sind als noch vor einigen Jahrzehnten - oder konkret: dass Sklaverei in den meisten Staaten der Erde keine Rolle mehr spielt. Dass Empathie aber kein hinreichendes politisches Programm und erst recht kein Allheilmittel ist, dass sie, im Gegenteil, auch Schattenseiten hat, weil es üble Konsequenzen haben kann, wenn für eine Sache mit viel Gefühl (oft gepaart mit Naivität), aber ohne Rücksicht und strategischen Weitblick gekämpft wird, das beweist der kleinliche Kulturkampf, der unser Land seit Jahren in einer Art passiv-aggressiven Lähmung hält: Alle sind ständig auf hundertachtzig, ohne dass jemals etwas Entscheidendes passiert.

      Der Kulturwissenschaftler Fritz Breithaupt beschreibt in seinem Buch "Die dunklen Seiten der Empathie" wie unreflektierte Empathie nicht nur das Freund-Feind-Denken, sondenr auch vorschnelle Kultivierung der Selbstdarstellung als Opfer befördert. Als Beweis dient das krachende Scheitern der gut gemeinten linksgrünen Identitätspolitikder vergangenen Jahre: Die zu einseitige Konzentration auf kulturelle Minderheiten (Geschlecht, Ethnie, Sexualität) bei gleichzeitiger Vernachlässigung und mitunter Diffamierung anderer benachteiligter Gruppen (ältere Männer, weiße Industriearbeiter, prekär Beschäftigte) förderte gerade nicht den kollektiven Zusammenhalt, sondern das Erstarken der AfD und mündete in einer gesellschaftlichen Fragmentierung, im Kampf aller gegen alle, der uns so in Atem hielt, dass wir lange nicht ernst genommen haben, wie rasant die zeit nach vorne stürzt, wie bedrohlich sich die Weltordnung um uns herum verschiebt. Was passiert, wenn die Empathie für eine bestimmte Gruppe eskaliert, zeigte sich auf einem "Nur für Frauen"-Konzert der Band K.I.Z. zu Beginn der Corona-Pandemie: Als die drei Musiker in die Menge riefen, dass niemand im Publikum vor dem Virus Angst haben müsse, davon stürben nur alte, weiße Männer, brach der Saal in Jubel aus. Es war die Zeit der aus dem Ruder laufenden Geschlechterdebatte, in der auf Twitter von "natürlicher Auslese" geraunt wurde, nachdem bekannt geworden war, dass männliche Covid-Patienten mit einer dreimal höheren Wahrscheinlichkeit auf der Intensivstation landeten.

      "Alle Menschen sind gleich an Würde und Rechten", so steht es in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, so steht es sinngemäß in Artiel 3 des grundgesetzes, und dieser Text wäre überflüssig, wenn wir uns einigermaßen daran hielten. Das ist aber nicht der Fall. Tatsächlich wird die Gleichbehandlung von allen und jedem zwar permanent gedordert, aber selten umgesetzt - ein Vorwurf, der sich ausdrücklich nicht auf Rassisten bezieht, denn wer sich die Gleichbehandlung aller gar nicht erst auf die Fahnen schreibt, kann auch nicht an ihrer Umsetzung scheitern. Alle anderen beschwören bei jeder Gelegenheit das Ideal universeller Menschlichkeit, schwärmen von Toleranz, Viefalt und Gleichheit, verteilen ihre Empathie aber höchst selektiv. Oft bemäntelt das Mitgefühl lediglich eigene Interessen, mitunter so subtil, dass sie es nicht einmal selbst merken.Es ist ein bisschen wie mit den Kochtöpfen und Stofftieren, die in den Trendviertel unserer Städte vor Haueingängen stehen, daneben ein "zu verschenken"-Schild: Es fühlt sich moralisch an, die Sachen kommen ja tatsächlich oft weg, aber eigentlich sind die meisten nur zu bequem, sie zum Wertstoffhof zu bringen - das Glück der neuen besitzer ist ein Kolleteralnutzen unserer Ichbezogenheit.

      Sogar Straftäter in Hochsicherheitsgefängnissen hielten sich in befragungen für überdurchschnittlich moralisch.

      Es ist ein Unterschied, ob man moralisiert oder moralisch handelt. Ersteres gibt es umsonst, Zweiteres geht nicht ohne Verzicht und Opferbereitschaft - dementsprechend seltener ist es anzutreffen. Empathie zu empfinden, zum Beispiel mit Flüchtlingen oder Katastrophenopfern, fördert das persönliche Wohlbehagen und steigert das moralische Prestige, aber führt es auch zu konkreten Maßnahmen? Tatsächlich schmücken sich viele eher theoretisch mit ihrer Menschenfreundlichkeit, indem sie engagiertklingende Sätze posten, ohne sich für die konkrete Umsetzung ihrer Forderungen zuständig zu fühlen, weshalb sie von möglichen Konflikten, Schwierigkeiten, Fehlentwicklungen nichts mitkriegen. Es handelt sich um eine Schaufenster-Empathie, die sich ohne größere Opfer zur Schau stellen lässt.

      "Menschen halten sich grundsätzlich für moralischer, als sie sind", sagt der Philosoph Philipp Hübl. "Fast alle glauben, sie seien mehr als andere bereit, regelmässig Bllut zu spenden, Geld für gute Zwecke zu geben und ihre Mitmenschen ausgesprochen fair zu behandeln" Sobald diese versprechen aber in Experimenten getestet oder mit der Realität verglichen würden, folgten die Personen ihren Idelan nur selten. Sogar Straftäter, die wegen Mord, Totschlag und Vergewaltigung in Hochsicherheitsgefängnissen einsaßen, hielten sich in Befragungen für überdurchschnittlich moralisch. Das Gute an der moralischen Selbsttäuschung, sagt Hübl: "Man kann sich anderen gegenüber überzeugend ls besonders ehrenwet präsentieren und muss sie dabei nicht einmal bewußßt hinters Licht führen, da man selbst daran glaibt".

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    • Teil 2 - Moral und Mitgefühl -

      An dieser Stelle möchte ich kurz von meinem Vater erzählen, einem glühenden Anhänger des FCBayern Münchens. Anders als gewöhnliche Fans, deren Liebe einem einzigen Verein gehört, während die gegnerische Mannschaft grundsätzlich abzulehnen ist, hat er eine Reihe weiterer Lieblingsmannschaften: Augsburg, Regensburg, Nürnberg (weil die aus Bayern sind), Stuttgart, Freiburg, Karlsruhe (weil die im Süden liegen), St. Pauli, Heidenheim, Elversberg (weil ich Underdogs grundsätzlich die Daumen drücke), Mönchengladbach (weil die in den Siebzigern so tollen Fussball gespielt haben). Man könnte von einer polyamoren Veranlagung sprechen, die ihn regelmäßig ins Gefühlschaos stürzt, wenn zwei seiner Lieblingsvereine aufeinandertreffen, was aufgrund der schieren Menge praktisch an jedem Spieltag der Fall ist. Dann darf Augsburg auch mal gegen Bayern gewinnen (weil die die Punkte dringender brauchen), dann müssen Freiburg und Gladbach unter allen Umständen Unentschieden spielen (damit keiner in den Abstiegsstrudelferät). Skurril? Geht so. Das Beispielt zeigt nämlich, wie wir alle - teils unbewußt, teils vorsätzlich - bei der Verteilung unseres Mitgefühls vorgehen: Während uns bestimmte Personen, Gruppen oder Situationen besonders am Herzen liegen, oft basierend auf geografischer Nähe, poltiischer Haltung oder persönlicher Erfahrung, vernachlässigen oder ignorieren wir andere. Es gibt eine ordo amoris (Augustinus), eine Rangordnung der Liebe. Immer wieder sticht emotionale Nähe objektives Leids aus, übertrumpfen anrührende Einzelschicksale kollektive Katastrophen mit Tausenden von Opfern. Unser Mitgefühl kommt gestaffel daher und endet, auch wenn wir es nicht wahrhaben wollen, allzu oft vielleicht nicht an der Türschwelle, aber an der Grundstücks- oder Landesgrenze. Oder warum hat uns zu Beginn des Jahres vor allem der "Wahnsinnswinter" samt Schnee und Minusgraden in Atem gehalten, aber nicht die 150000 Toten und zwölf Millionen Vertriebenen im Sudan?

      Einerseits feiern wir ostentativ die leistungen unserer Paralympics, andererseits lassen wir neun von zehn Föten mit Trisomie 21 gar nicht erst auf die Welt kommen. Einerseits jubeln wur über jedes neu angemeldete E-Auto, andererseits trifft uns das Schicksal der ausgebeuteten Kinderarbeiter, die in den Kobaltminen Rohstoffe für unsere Batterien schürfen, gar nicht mal so heftig. Einerseits empören wir un, wenn Donald Trump mexikanische Einwanderer pauschal "Vergewaltiger" nennt, andererseits kenne ich menschen, die beim Anblick eines katholischen Priesters reflexhaft davon ausgehen, einem "Kinderschänder" gegenüberzustehen. Einerseits verwöhnen wir unsere Hunde und Katzen mit Osteopathiestunden, anderrseits hält sich unsere Empathie für die 8200 Rinder, 1^42000 Schweine und 1,7 Millionen Hühner, die in Deutschalnd pro Tag geschlachtet werden in Grenzen.


      Und warum befasste sich der halbe Staatsapparat mit Timmy, dem in der Ostsee gestandeten Buckelwal, aber nicht mit den jährlich 100 000 von Menschen getöteten Walen?Und was sagt es über uns aus, dass dieses Tier, das vielleicht einfach nur strben möchte, derartige Gefühlsausbrüche in uns auslöst? Zeigt es unser Mitgefühl? Oder nur unsere Entfremdung von der Natur, vom ewigen kreislauf des Werdens und Vergehens, unsere eigene Todesangst? Seltsamerweise verurteilen wir auch menschenrechtsverletzungen imemr dann besonders scharf, wenn sie von gegnerischen Regimes (Russland, Nordkorea, Iran) begangenw erden, während sie bei Verbündeten (Saudi-Arabien, Ägypten) oft mit strategischem Schweigen quittiert werden. Immer wieder soll auch die Sprache dabei helfen, unbequeme Wahrheiten zu verschleiern: Wldimir Putin sagt nicht "Krieg" sondern "Militäroperation", Abtreibungslibealisierer sagen nicht "werdender Mensch", sondern "Zellhaufen", das Resultat ist das gleiche: Es fühlt sich weniger drastisch an, das Gewissen wird nicht unnötig belastet. Es ist der Grund, warum die meisten menschen keinen Schlachthof von innen sehen wollen.

      Auch das gehört zur Wirkungsweise selektver Empathie: Das Verhalten der eigenen Gruppe wird schön gefärbt, das des Gegners unverhältnismäßig verzerrt.

      Wie konsequent selektive Empathie an die eigene Gruppenzugehörigkeit geknüpft wird, ließ sich zletzt lehrbuchhaft am Nahoftkonflikt verfolgen. Während die einen die Gräueltaten der Hamas reflexhaft relativierten oder sogar anzweifelten, schauten die anderen demonstrativ weg, als Zigtausende unschuldiger Zivilisten in Gaza getötet wurden. Warum kommen so wenioge auf die an sich naheliegende Idee, dass die einen wie die anderen schuldig sein können? Warum führt das berechtigte Engagement für eine Gruppe so oft zu einer menschenverachtenden Abwertung der anderen? Warum zeigen Menschen nur dann öffentliches Mitghefühl, wenn es der eigenen politischen Identität entspricht? Kann nicht beides menschenvrachtend sein: Wenn Donald Trump empfiehlt, den Satiriker Stephen Colbert "einzuschläfern", und wenn die frühere Vorsitzende der Grünen Jugend, Jette Nietzard, zu Silvester 2024 äußert, dass Männer, die beim Böllern ihre Hand verlieren, wenigstens keine Frauen mehr schlagen können? Auch das gehört zur Wirkungsweise selektiver Empathie: Das Verhalten der eigenen Gruppe wird schöngefärbt, das des Gegners unverhältnismäßig verzerrt, zwischentöne werden nicht zugelassen oder ignoriert. Tatsächlich akzeptieren viele, die lautstark Toleranz fordern, selbst nur Meinungen innerhalb eines gewissen Spektrums, wo Toleranz doch eigentlich bedeutet, auch gegenteilige Meinungen auszuhalten unsd vielleicht sogar ins Denken einzubeziehen.

      Wenn Linke wie Rechte jede Idee der jeweils anderen Seite grundsätzlich schlechtreden, wenn vermeintlich glühende Demokraten nicht mehr in der Lage sind, Fehlr bei sich und Bedenkenswertes beim politischen Gegner zu erkennen, wenn die einen den Abstieg unseres Landes regelrecht herbeisehnen, um hinterhe Recht gehabt zu haben, während sich die anderen beharrlich weigern, unliebsame Realitäten anzuerkennen, werden wir weitrer über die "gespaltene Gesellschaft" klagen, ohne dass sich irgendetwas ändert. Was die Sache mit der Empathie noch vertrackter amcht: Auch fragwürde und insikutable Gestalten können Empathie in menschen ausläsen, wenn sie unpräzise dämonisiert werden. Es ist nicht der entscheidende, aber auch ein Grund für den Erfolg von Donald Trump und der AfD. So dürfte Oliver Welke, Moderator der heute-show, den Rechtsruck in unserem Land eher angekurbelt als ausgebremst zu haben, als er den Rechtsextremen Björn Hocke jahrelang beharrlich als Bernd Höcke bezeichnete. Warum? Eine plumpe Diffamierung in der Öffentlichkeit, noch dazu in einer Einer-gegen-alle-Situation, in der sich der Angegriffene nicht wehren kann, löst in Menschen -vor allem in jenen, die sich als ohn,ächtig wahrnehmen, und es gibt viele davon unweigerlich den Reflex aus, diesen in Schutz zu nehmen zu wollen. Auf einmal sind Höckes menschenverachtende Parolen zweitrangig; was zählt, ist das Unrecht, dem er zum Opfer gefallen ist. Ein geschmackloser Namenswitz, der in Bezug auf andere Menschen umgehend Empörung auslösen würde, wird nicht besser, wenn er einen Rassisten trifft. menschen haben ein feiens Gespür dafür, wenn mit zweierlei Maß gemessen wird, wenn die vermeintlichen Guten ihre eigenen moralischen Standards unterschreiten; zurück bleibt das vage Gefühl, dass ihnen offenbar die Argumente ausgegangen sind.


      Es klint absurf, aber Empathie kann unsere Welt auch ungerechter machen, nämlich immer dann, wenn Bauchgefühl und Affekt höher gestellt werden als Verstand und Analyse. Deswegen müssen wir sie nicht verdammen, im richtigen Augenblick, im rechten Maß kann sie viel Gutes bewirken. Wir sollten nur nicht zu v iel von ihr erwarten, schon gar keine objektivem oder gerechten moralischen urteile. Die Wahrheit ist: Ohne Widersprüche, ohne gepflegte Doppelmoral kommt man nicht durchs Leben, als Mensch und als Staat nicht. Tatsächlich lässt sich ein einigermaßen konsistentes Welt- und Menschenbild nur aufrechterhalten, wenn man manche Fraghe nicht stellt und gewisse Wahrheiten um Dunkeln bleiben. Tatsächlich konnte selbst die Erzählung des freien, moarlisch überlegenen Westens nur gedeihen, indem immer wieder alle gemeinsam im richtigen Moment weggeschaut haben, wenn wieder mal Doppelstandards angewendet oder Geschäfte mit Diktatoren gemacht wurden. Anders reden als handeln -das tun wir alle jeden Tag, es ist keine Tragödie, es ist menschlich. Und doch wäre viel gewonnen, wenn wir lernten, uns selbst besser zu durchschauen, wenn wir uns die Fähigkeit zum Perspektivwechsels wenigstens vornähmen, wenn wir einen Tick besser darin würden, den Schmerz des anderen wahrzunehmen und eigene Selbstgewissheit zu hinterfragen. In einer Zeit ineinandergreifender Krisen könnte es hilfreich sein.

      gelesen in: sueddeutsche.de/magazin/leben-…l-li.3487481?reduced=true

      :thumbup:
      Es war einmal ein Schiff,Befuhr die Meere alle Zeit,und unser Schiff, es hieß die Goldne Nichtigkeit.
    • Hochinteressantes Interview von Adelheid Kastner (Forensische Psychiaterin):


      pressreader.com/austria/kurier-3402/20260705/283652536606213


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      Die Sonne bringt es an den Tag.
      (Aesop)

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