Königsindische Verteidigung

    • Das Averbach-System



      verhindert den sofortigen schwarzen Gegenstoß 6.-e7-e5 und enthält darüberhinaus einige subtile Ideen, gegen die es gar nicht so leicht ist für Schwarz anzukämpfen. Diese Variante erlebte in den 60er und 70er Jahren eine erste Blütezeit und wurde in jüngster Zeit von einigen Top-Spielern wiederentdeckt. So gewann z.B. Magnus Carlsen gerade in Wijk aan Zee damit eine überzeugende Partie gegen Loek van Wely. Die Partie wird in Tata R03: Carlsen, Anand, Karjakin score in Textform von Efstratios Grivas und außerdem in dem beliebten "Play of the Day"-Video von Daniel King kommentiert.

      Beide Kommentare geben einen guten Einblick, worum es in dieser Variante geht und warum Schwarz es so schwer hat, ein adäquates Gegenspiel aufzuziehen. Danial King's Videos sind für Fans ohnehin ein absolutes Muß.

      Ein weiteres aktuelles Beispiel: Die Partie Glenn Flear - Jonathan Hawkins aus der Britischen Meisterschaft 2013 wird von Andrew Martin kommentiert: British Championships: David Howell wins title

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    • Richtig, Heimdall.
      Hier die vollständige Partie:

      Ftacnik, Lubomir (2585) - Cvitan, Ognjen (2570)
      Bundesliga 18.10.1997 (Hamburger SK - SK Zaehringen, Brett 1)


      0-1

      Ein Hinweis zur Eröffnung: Die von Weiß hier gewählte Hauptvariante mit 9.Sd2 wird von IM Mihail Marin empfohlen auf seiner DVD "Gewinnen gegen Königsindisch mit der Hauptvariante". Hier eine Rezension von Christian Höthe.

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    • Das Problem ist, dass Weiß bei 1. c4 oft mit Zugumstellungen Tricksen kann. So kann späteres d4 folgen und man hat vielleicht nicht "seine Variante".
      Gehen wir davon aus, der Königsindisch Spieler spielt Panno (Sc6,a6) gegen die Fianchetto Variante. Nun beginnt Weiß mit c4,Sc3,g3,Lg2,Sf3,O-O . Wenn Schwarz bis hierhin den von Pikachu angegebenen Plan verfolgt hätte, spielt Weiß d4 als nächstes und Schwarz kommt net mehr in die Panno-Variante.
      Daher muss man zumindest prinzipiell flexibel sein. Das war jetzt auch nur ein mögliches Beispiel, wo es nicht passt.
      Genaueres schreibe ich später (bin gerade unterwegs) oder jemand anderes setzt meinen Gedanken fort.
    • So, jetzt nochmal ausführlich:

      Englisch ist sehr flexibel, also muss man auf ziemlich vieles gefasst sein. Der Königsinder hat prinzipiell immer den selben Aufbau. Sf6,g6,Lg7,d6,O-O und dann je nach Variante.
      Weiß jedoch kann viel variieren und abwarten, daher muss man sich mit Schwarz nicht zu sehr in der Untervariante festzulegen. Um auf mein Beispiel von zuvor zurück zu kommen:

      Fianchettospieler-Königsinder, Panno-Variante


      Wenn Schwarz jetzt c6 oder Sbd7 spielt, kann Weiß d4 spielen und der Panno-Spieler (Sc6,a6,Tb8 Variante) ist aus seinem System raus. Spielt er jedoch Sc6, kann Weiß Pläne mit d3, Tb1 und b4 ausführen.


      Das ist nur ein Beispiel, wo's nicht passt. Wenn der Schwarzspieler sowieso Königsindisch mit Sbd7 spielt, wäre Pikachu's System gut.



      Da du nix weiteres erwähnst, gehe ich mal vom klassischen Königsinder aus (6...e5 7...Sc6).
      Da würde ich empfehlen, dass du gegen c4 mit g6 beginnst.

      Deine Idee ist g6, Lg7, d6 (sobald Weiß d4 spielt kannst du ja meistens mit Sf6 in den Königsinder zurückkehren) und dann spielst du, falls dein Gegner sich mit Fianchetto aufbaut, auf d6 folgend c5, Sc6, e5, Sge7, O-O, f5 um Königsindisch mäßig anzugreifen. Das ganze nennt sich Botvinnik-System.
      Die Idee(n): 1. Königsindisch am Königsflügel mit f5 angreifen. 2. d5 durchsetzen (falls Weiß ohne e4 spielt) 3. a6,Tb8,b5 und am Damenflügel spielen.

      Zu diesem System gibt es glaube ich auch ein Thema, hab's aber nicht gefunden. Vielleicht findet das ja noch einer.


      Ich hoffe, dass hilft dir.
    • GM Mihail Marin gilt als einer der führenden Eröffnungtheoretiker. IM Hannes Langrock hat sich seine DVD zur Hauptvariante der Königsindischen Verteidigung angeschaut: Rezension zu Mihail Marins "Gewinnen gegen Knigsindisch"

      Die Ausgangsstellung von Marins Untersuchung entsteht nach




      Langrocks Fazit: "Die DVD ist absolut zu empfehlen für Weißspieler, die ihr Repertoire gegen Königsindisch erweitern möchten, und für Königsindisch-Spieler, die wissen möchten, was möglicherweise bald auf sie zukommt ..."
    • Königsindisch: Fianchettovariante

      Die Fianchettovariante



      wird von verschiedenen Buchautoren - so z.B. von Boris Avrukh in seinem 1.d4 Grandmaster Repertoire, Band 2 - den Weißspielern als die geeignete Waffe gegen Königsindisch empfohlen.

      Jan Gustafsson hatte die Fianchettovariante beim Bangkok Open 2018 in vier seiner fünf Weißpartien auf dem Brett. In einen "Opening Clinic Special: Thailand Open" erläutert er die Eröffnungsphasen dieser (und natürlich auch der 5 anderen) Partien:

    • Königsindisch: Kramer-System (5.Sge2 und 6.Sg3)

      Ein seltener, aber durchaus ernstzunehmender Aufbau gegen Königsindisch ist



      Dieser Aufbau geht auf den New Yorker Meister George Kramer zurück, der ihn um 1950 in die Praxis einführte. Weiß steht bereit, mit h2-h4-h5 eine brutale Attacke auf den schwarzen König einzuleiten.

      GM Pepe Cuenca empfiehlt zwei unterschiedliche Gegengifte für Schwarz, die da lauten:

      6.-e5
      6.-h5



      Hier ein Partiebeispiel mit Beteiligung zweier nicht gänzlich unbekannter Spieler, das auch von Pepe Cuenca im Video analysiert wird:

      Carlsen, Magnus (2881) - Radjabov, Teimour (2713)
      Vugar Gashimov Memorial, Shamkir, 24.4.2014

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    • Königsindisch: Mar-del-Plata-Variante

      Bobby Fischer gewann im April 1970 das extrem stark besetzte Blitzturnier in Herceg Novi mit einem unglaublichen Score von 19 aus 22 (!). Sehr eindrucksvoll war u.a. sein Schwarzsieg gegen Viktor Kortschnoj:

      Kortschnoj, Viktor - Fischer, Robert James
      Herceg Novi blitz, April 1970



    • Königsindisch: 5.Le2 und 6.Le3

      Ein aggressiver Versuch gegen Königsindisch ist die weiße Aufstellung mit Le2 und Le3. Weiß läßt den Königsspringer zunächst zu Hause, um schnell mit g2-g4-g5 vorgehen zu können. Mit dieser Variante ergab sich beim Isle of Man Open eine herrliche Angriffspartie:

      Harsha, Bharakhoti (2492) - Sethuraman, S. (2673)
      Isle of Man Masters, Douglas, Runde 2, 21.10.2018



    • Königsindisch: Fianchettovariante

      Die Fianchettovariante wurde schon in Posting 33 vorgestellt.
      Die aufsehenerregendste Partie, die je mit dieser Variante gespielt wurde, ist zweifellos die 6. Matchpartie aus dem WM-Kampf Tal - Botwinnik.

      Botvinnik, Mikhail - Tal, Mihail
      Weltmeisterschaft, Moskau, 6. Partie, 26.3.1960



      GM Yasser Seirawan in Hochform kommentiert diese Sternstunde der Schachgeschichte. Großartig!

    • Königsindisch: Seirawan-Variante (5.Ld3)

      Die Königsindische Verteidigung wurde nicht erst in den 1920er Jahren von den Hypermodernen erfunden, sondern sie wurde schon 70 Jahre früher von dem Inder Mohishunder Bonnerjee ins Leben gerufen. Dieser wandte sie in einer Vielzahl von Partien gegen den schottischen Juristen John Cochrane an, die in Kalkutta gespielt wurden - Näheres dazu siehe Königsindisch - Vierbauernangriff

      In 32 dieser Partien spielte Cochrane 5.Ld3. Dieser Zug ist heute eher selten zu sehen, aber er wurde in den 1990er und 2000er Jahren sehr oft und mit großem Erfolg von Yasser Seirawan gespielt und ist seitdem nach ihm benannt.

      In der Bundesliga-Begegnung zwischen Bayern München und Turm Kiel stand der Seirawan-Zug jüngst wieder zur Diskussion. Es ergab sich eine Glanzpartie von schwarzer Seite, in der viele taktische und strategische Motive der königsindischen Verteidigung zur Geltung kamen - eine Modellpartie für jeden KID-Spieler. Bis zum 15. Zug hat die Partie einen berühmten Vorgänger (Kotow - Gligoric, Kandidatenturnier Zürich 1953), der beiden Spielern bekannt gewesen sein dürfte. Parvanyans 15.-Dh6 könnte eine Verbesserung von Gligoric's Spiel darstellen.

      IM Lindgren, Philipp (2353) - IM Parvanyan, Ashot (2448)
      Bundesliga 2019-20, Runde 1, Augsburg, 23.11.2019
      FC Bayern Muenchen - SG Turm Kiel, Brett 8




      Die Partie wird von IM Oliver Reeh und Andre Schulz ausführlich besprochen in der aktuellen Folge von Chessbase TV mit dem Titel "Black Friday".
    • Königsindisch: Makogonov-Variante (5.Sf3, 6.h3)

      Die Makogonov-Variante ist durch die weißen Züge 5.Sf3 und 6.h3 (die auch in umgekehrter Reihenfolge erfolgen können) gekennzeichnet. Weiß will das Zentrum abschließen und dann g2-g4 folgen lassen und so das schwarze Gegenspiel f7-f5 erschweren. In manchen Fällen kann Weiß später mit dem Vormarsch des h-Bauern am Königsflügel angreifen, manchmal verlagert er auch das Spiel zum Damenflügel.

      Unter anderem dank mehrerer Eröffnungsartikel im Chessbase-Magazin ist die Makogonov-Variante seit Jahren zu einer der beliebtesten Varianten gegen Königsindisch geworden. Ein schönes Beispiel für die weißen Möglichkeiten ist die folgende Partie:

      GM Lei, Tingjie (2477) - FM Assaubayeva, Bibisara (2376)
      12. Frauen-Mannschaftsweltmeisterschaft in Astana, 3. Runde, 7.3.2019
      China - Kasachstan, Brett 3



      Hier die Erläuterung von GM Daniel King:

    • Königsindisch: 5.Le2 und 6.Le3

      Die Variante mit 5.Le2 und 6.Le3 war kaum bekannt, bis im Oktober 2016 GM Ivan Sokolov den frisch gebackenen niederländischen Meister Jorden Van Foreest dreimal damit besiegte. Hier die erste und die dritte Partie aus ihrem 6-Partien-Match:

      Sokolov, Ivan (2623) - Van Foreest, Jorden (2615)
      Hoogeveen, 1. Matchpartie, 16.10.2016




      Sokolov, Ivan (2623) - Van Foreest, Jorden (2615)
      Hoogeveen, 3. Matchpartie, 18.10.2016



      Sokolov gewann den Wettkampf mit 3,5 : 2,5. Diese Partien haben einen regelrechten Boom in dieser Variante ausgelöst. Ginger GM ist begeistert von dieser Spielweise und erläutert die obigen beiden Partien, wobei er dem Weißspieler einfach zu merkende Faustregeln an die Hand gibt: