Sizilianisch mit 3.Lb5 (Moskauer Variante / Rossolimo-Variante)

    • Sizilianisch mit 3.Lb5 (Moskauer Variante / Rossolimo-Variante)

      GM Loek van Wely hat eine DVD herausgebracht mit dem Titel "An Anti-Sicilian Repertoire in 60 Minutes". Seine Empfehlung gegen 2.-d6 und 2.-Sc6 ist die Moskauer Variante (3.Lb5).





      John Watson hat eine Rezension zu dieser DVD geschrieben. Dort stehen einige Varianten als PGN zum Download bereit, und es gibt auch ein 5-minütiges Beispielvideo. Watson on van Wely: An Anti-Sicilian Repertoire in 60 Minutes

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    • Auch GM Gawain Jones (siehe London Chess Classics) hat ein Buch über die Rossolimo bzw. Moskauer Variante veröffentlicht ("How to beat the Sicilian defence"). Meiner Meinung nach ist das Buch sehr gut, es werden nicht nur Varianten eingepaukt, sondern auch generelle und auch aktuelle Ideen und Pläne vermittelt. Kleiner Wehmutstropfen: Das Buch habe ich bislang noch nicht in Deutsch gesehen, aber das Englisch ist auch nicht allzu schwer.
    • Kann vielleicht jemand was zur Moskauer Variante aus schwarzer Sicht sagen?

      Ich spiele mit Schwarz Najdorf und habe gegen Lb5+ die größten Probleme. Bis jetzt habe ich immer Ld7 nebst Sxd7,g6,Sf6,etc. gespielt, bin damit aber nicht wirklich zu frieden. Kennt sich vielleicht jemand aus und kann mir eine Empfehlung geben?
    • Schwarz hat nach 3.Lb5+ drei gleichwertige Möglichkeiten zur Auswahl:

      a) 3.-Sd7
      b) 3.-Ld7 4.Lxd7 Dxd7 (so habe ich bisher fast ausschließlich gespielt, ohne behaupten zu wollen, daß das besser ist als die anderen Möglichkeiten)
      c) 3.-Ld7 4.Lxd7 Sxd7

      In den letzten Jahren ist auf höchster Ebene der Zug 3.-Sd7 sehr populär geworden. Ein Beispiel:

      Carlsen, Magnus (2870) - Anand, Visvanathan (2775)
      10. WM-Partie 2013



      Auch im Norway Chess Tournament in Stavanger wurde 3.-Sd7 gespielt, und zwar in der Partie Carlsen - Giri. Lawrence Trent analysiert diese Partie in
      Carlsen - Giri (Norway Chess) Game of the Day

      In den Datenbanken gibt es mittlerweile genügend kommentierte Partien zu 3.-Sd7. Ob die Stellungen, die daraus entstehen, mehr nach Deinem Geschmack sind als die nach 3.-Ld7 4.Lxd7+ Sxd7, kann ich nicht beurteilen. Das kannst nur Du selbst.

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    • Vielen Dank Schachfreund Schroeder!

      An kommentierte Partien hatte ich gar nicht gedacht, hab noch net so lang eine ordentliche Datenbank.

      Ein paar Fragen hätte ich dann trotzdem noch:

      -Wie steht's mit 3.Sc6? Hab ich auch schon gesehen, wird bei dir aber nicht aufgezählt. Vielleicht keine so gute Wahl?
      -Gibt es vielleicht einen/ein paar Spieler, die lehrreich gegen Lb5+ gespielt haben?
    • Sizilianisch: Moskauer Variante mit 3.Lb5+ Sd7

      Als Antwort auf 3.Lb5+ (Moskauer Variante) gibt es unter den Topspielern in letzter Zeit einen Trend zu dem ambitionierten Zug 3.-Sd7.

      Gestern servierte Luke McShane am Spitzenbrett der Bundesliga-Begegnung OSG Baden-Baden - Werder Bremen seinem Gegner Peter Svidler in dieser Variante ein scharfes Figurenopfer mit nachfolgendem Qualitätsopfer (11.d4!?, 14.Txe4). Insgesamt steckte er also einen ganzen Turm ins Geschäft. Svidler zeigte sich jedoch unbeeindruckt, wehrte den brandgefährlichen weißen Angriff ab und siegte schließlich dank seines Mehrmaterials:

      McShane, Luke (2667) - Svidler, Peter (2736)
      Bundesliga 2018/19, Runde 2, 2.11.2018
      Werder Bremen - OSG Baden-Baden, Brett 1



      Bericht von Dariusz Gorzinski mit Partiekommentar von Klaus Besenthal: Bundesliga-Splitter 2
    • Sizilianisch: Rossolimo-Variante mit 3.Lb5 g6 4.Lxc6 dxc6

      Schon im WM-Kampf 2012 wählte Anand gegen Gelfands Sizilianische Verteidigung in 3 Partien die Rossolimo-Variante. Auch in der aktuell laufenden WM setzt Fabiano Caruana offenbar seine Hoffnungen mit den weißen Steinen ganz auf den "spanischen" Läuferausfall nach b5 mit anschließendem Schlagen auf c6. Hier die erste Wettkampfpartie:

      Caruana, Fabiano (2832) - Carlsen, Magnus (2835)
      FIDE World Chess Championship, Runde 1, 9.11.2018



      Jan-Krzysztof Duda hat die Partie in Textform kommentiert: Jan-Krzysztof Duda kommentiert die 3. WM-Partie

      ... und hier die Analyse von Peter Svidler, der die Partie auch live zusammen mit Sopiko Guramishvili und Alexander Grischuk kommentierte:

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    • Sizilianisch: Rossolimo-Variante mit 3.Lb5 g6 4.0-0

      Auch in der 3. und 5. Wettkampfpartie kam die Rossolimo-Variante aufs Brett.

      In der 5. Partie tauschte Caruana jedoch im 4. Zug nicht seinen Läufer auf c6 ab, sondern spielte den anderen Hauptzug 4.0-0. Überraschend war dann sein übernächster Zug: er brachte mit 6.b4 ein Bauernopfer, das auf den vor 10 Jahren verstorbenen georgischen Großmeister Buchuti Gurgenidze zurückgeht. Es entwickelte sich das bisher spannendste Duell des Wettkampfes:

      Caruana, Fabiano (2832) - Carlsen, Magnus (2835)
      Schach-WM, London, 5. Partie, 15.11.2018




      Bericht und Partiekommentar von Andre Schulz: Schachweltmeisterschaft 5. Partie: Auch Gurgenidze reicht nicht zum Sieg
      Der Bericht von Colin McGourty Carlsen - Caruana Runde 5: Magnus entspricht nicht seinem Idol beschäftigt sich sehr ausführlich mit der von Caruana gewählten Gambitvariante. Enthalten ist u.a. auch eine Video-Partieanalyse auf Deutsch von Niclas Huschenbeth.

      Wie alle Videos von Peter Svidler ist auch dieses von hoher Qualität:

    • Sizilianisch: Rossolimo-Variante mit 3.Lb5 e6

      Gestern antwortete Magnus Carlsen auf Anish Giri's Rossolimo nicht mit dem von ihm bisher immer gespielten 3.-g6, sondern überraschenderweise mit 3.-e6. Damit gelang ihm eine Kurzpartie - und das gegen einen der solidesten Spieler der Welt:

      Giri, Anish (2779) - Carlsen, Magnus (2875)
      Grand Chess Tour, Zagreb, 1. Runde, 26.6.2019



      Da half es Giri auch nicht, daß der in Zagreb anwesende Gari Kasparov den Zug 1.e4 für ihn ausgeführt hatte.

      Bericht mit Partieanalyse von Johannes Fischer: Zagreb Runde 1: Carlsen schlägt Giri in Kurzpartie

      ... und hier die Analyse des allseits beliebten Pepe Cuenca:

    • Sizilianisch: Moskauer Variante mit 3.Lb5+ Sd7

      Ian Nepomniachtchi startete gegen Anish Giri in der Moskauer Variante eine heftige Attacke, die in einem Springeropfer auf h7 gipfelte. Doch Giri hatte dieses Opfer zu Hause analysiert, kannte daher das Gegengift und wies den weißen Angriff ab:

      Nepomniachtchi, Ian (2775) - Giri, Anish (2779)
      Croatian Grand Chess Tour, Zagreb, 11. Runde, 7.7.2019



      Jans Analyse:

    • Sizilianisch: Moskauer Variante mit 3.Lb5+ Ld7 4.c4!? (Romanishin-Variante)

      Mitte der 70er Jahre kam der ukrainische GM Oleg Romanishin mit einer neuen Idee in der Moskauer Variante heraus: Nach 1.e4 c5 2.Sf3 d6 3.Lb5+ Ld7 spielte er nicht den Normalzug 4.Lxd7+, sondern deckte seinen Läufer mit dem bizarren Zug 4.c4!?

      Auf den ersten Blick eine strategisch fragwürdige Idee. Denn wenn Schwarz auf b5 schlägt, wird der weiße c-Bauer nach b5 abgeleitet, und Schwarz wird eine Bauernmehrheit im Zentrum haben.

      Es hat sich jedoch herausgestellt, daß es bei der entstehenden Bauernformation nicht leicht für Schwarz ist, seine zentrale Mehrheit zur Geltung zu bringen. Außerdem spricht folgendes für die weiße Stellung:

      a) Der Bauer b5 engt die schwarze Stellung ein und nimmt dem schwarzen Damenspringer das natürliche Entwicklungsfeld c6.
      b) Weiß kann später mit dem Vormarsch seines a-Bauern eine unangenehme Initiative am Damenflügel entfachen.

      Die Idee gibt es in analoger Weise in der Bogolindischen Verteidigung



      Auch hier wurde der Deckungszug mit dem c-Bauern Mitte der 70er Jahre aus der Taufe gehoben. Es ist offensichtlich, daß die eine Idee die andere inspiriert haben muß (in welcher Reihenfolge auch immer).

      Romanishins Idee schien seinen Zeitgenossen in den 70er Jahren offenbar so bizarr, daß es mehr als 5 Jahre dauerte, bis sie 1980 von anderen (zunächst waren es englische Spieler) aufgegriffen wurde.

      Mir wurde der Romanishin-Zug im Jahre 1982 zum erstenmal vorgesetzt. Ich wußte zwar, daß es den Zug gibt, hatte mich aber noch nicht intensiv damit auseinandergesetzt. Die Folge war eine krachende Niederlage, die man als Modellpartie für das weiße Spiel betrachten kann. Siehe Posting 414 in Wen suche ich?

      Daß der Romanishin-Zug auch heute noch für volle Punkte gut sein kann, zeigte Hou Yifan vorgestern beim Nations Cup:

      Hou, Yifan (2621) - Krush, Irina (2392)
      Online Nations Cup, 5. Runde, 7.5.2020
      China - USA, Brett 4

    • Sizilianisch: Rossolimo-Variante mit 3.Lb5 g6 4.0-0

      In der 7. Runde des Altibox Norway Chess wiederholte Caruana die Variante 4.0-0, die er in der 5. WM-Partie gegen Carlsen gespielt hatte (siehe Posting 11). Dann wich er mit 5.c3 von der Vorgängerpartie ab und erreichte mit Hilfe einer Neuerung im 15. Zug eine vorteilhafte Stellung, in der der Weltmeister am Rande des Abgrundes stand. Mit einer schier unmenschlichen Verteidigungsleistung konnte dieser aber die Partie halten und gewann dann auch noch die anschließende Armageddon-Partie.

      Bericht von Andre Schulz: Norway Chess: Firouzja verteidigt Führung


      Caruana, Fabiano (2828) - Carlsen, Magnus (2863)
      Altibox Norway Chess, Stavanger, 7. Runde, 12.10.2020