Königsindisch - Vierbauernangriff

    • Königsindisch - Vierbauernangriff

      Hallo
      Beim 1.x dachte ich an einen Zufall, aber wenn man es so spielt gewinnt man unverhofft sehr häufig damit.
      Ich nenne es mal die Poffi-Variante im 4-Bauernangriff der Königsindischen Verteidigung.



      Das sieht simpel aus, - funktioniert aber hervorragend! Ich weiß nicht ob dieses Abspiel bereits als Falle bekannt ist oder ob ich da was Neues entdeckt habe. Aber das ist wohl nur etwas für Blitzer. Beim Turnierschach wird wohl selten jemand so dumm sein das zu übersehen.
      Gruß Poffi

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    • Ich weiß wirklich nicht was an dem Artikel so schlimm sein soll. Eventuell liegt es an meiner Formulierung. Der Begriff 'dumm' bezieht sich ausschließlich auf Turnierbedenkzeit! Beim Blitzschach sind solche Fehler absolut menschlich. Ich dachte eigentlich, dieser Sachverhalt wäre klar & müsse nicht gesondert erklärt werden.
      Ich finde diese Blitz-Kombi einfach gut, entdeckte sie wie zuvor gesagt durch Zufall. Darum wollte ich sie mal hier zeigen, denn auch bei Echt-Blitzturnieren wird das häufig zu Punkten führen.
    • @Poffi

      Ich nehme an, daß sich die Kritik der Negativbewerter eher darauf bezieht, daß es sich hier um einen plumpen einzügigen Dameneinsteller handelt und nicht um eine Kombi oder eine Eröffnungsfalle.

      Mein Vorschlag: ändere den Threadtitel in "Königsindisch: Vierbauernangriff", dann können wir zu diesem sehr ernstzunehmenden Angriffsplan gegen Königsindisch eine paar interessante Partien zusammentragen.
    • Eine brauchbare Übersicht zum Vierbauernangriff gibt das englische Wikipedia King's Indian Defence: Four Pawns Attack.

      Und einen interessanten Artikel zur Namensgebung der indischen Eröffnungen hat Conrad Schormann verfasst: Warum eigentlich Indisch?


      Demzufolge waren weder die "Hypermodernen" (Tartakower, Reti u.a.) in den 1920er Jahren noch Louis Paulsen (von ihm sind mehrere KID-Partien aus dem Jahr 1879 überliefert) die Erfinder der indischen Eröffnungen. Dieses neuartige Eröffnungskonzept wurde vielmehr erstmalig von den Inder Mohishunder Bonnerjee in seinen Partien gegen den schottischen Juristen (und damals zweitbesten britischen Spieler nach Howard Staunton) John Cochrane angewandt. Und das schon 30 Jahre vor Louis Paulsen.


      Cochrane hat seine gegen Bonnerjee in den Jahren 1848 bis 1855 in Kalkutta gespielten Partien notiert und zum Teil auch in Schachzeitungen veröffentlicht. Auf diese Weise sind heute 465 Partien des indischen Naturtalentes, der vor Cochranes Erscheinen in Kalkutta als unschlagbar galt, in den Datenbanken (dort findet man Bonnerjee auch unter dem Namen Mahescandra) erhalten. In diesen Partien spielte Bonnerjee 62 mal Königsindisch, und in 27 Partien antwortete Cochrane darauf mit dem Vierbauernangriff.

      Hier ein schönes Beispiel, in dem Bonnerjee nach einigen weißen Ungenauigkeiten lehrbuchmäßig die Schattenseiten des vorgerückten Zentrums im Vierbauernangriff aufzeigt, und dann mit einem fulminanten Gegenangriff siegt.

      Wir erleben hier die Geburtsstunde der königsindischen Verteidigung:

      Cochrane, John - Bonnerjee, Mohishunder
      Kalkutta 1855




      Und all das 70 Jahre bevor die Hypermodernen in Europa Bonnerjees Ideen aufgriffen.
    • Das Schäfermatt ist ebenfalls leicht zu vermeiden, wird aber trotzdem in der Schachliteratur erwähnt als Kuriosität. Poffi fiel auf, dass beim Blitz häufig seine Gegner einen Zug wählten, der zwar nicht zum Matt führt, aber die Dame kostet. Darauf bekamen wir hier von Schroeder eine wunderbare historisch bemerkenswerte Partie mit viel Background geliefert. Danke Poffi, danke Schroeder...
    • @Cassidy

      Völlig richtig. Schwarz kann und sollte die Damen tauschen. Danach entsteht eine Stellung, in der die vorgerückten weißen Bauern wenig Sinn ergeben und zum Ziel schwarzer Attacken werden können. Zum Beispiel so:



      Deshalb wird das frühe weisse Vorpreschen mit 6.e5 (ohne nennenswerte Figurenentwicklung) auch von den meisten Spielern als verfrüht angesehen. In der großen Mehrheit aller Partien im Vierbauernangriff wird mit dem schon von John Cochrane gespielten Zug 6.Sf3 fortgesetzt.
    • Ich vermute mal weshalb der Trick, wie ich das nannte so häufig funktioniert.
      Durch den Bauerntausch davor, wo ja ebenfalls der Springer angegriffen wurde, richtet sich der Blick verstärkt auf den Springer & die Dame unten wird schlichtweg vergessen. Wenn man in Sekunden zieht passiert sowas beim Blitz oft. Ich habe von 10 Spielen bestimmt 3x die Dame geschlagen, das ist eine gute Erfolgsquote. Die übrigen Spiele gingen dann über die volle Distanz & es ging auch seltener mal schief. Guckt man etwas länger drauf, dann klappt es natürlich auch nicht. Das stimmt ja auch. Ist eben eine reine Blitz'Waffe' die manchmal funktioniert.
      Etwas ähnliches gibt es auch in einer anderen Eröffnung wo man einen Läufer auf g5 nach einem Bauerntausch von c5 aus mit der Dame von a5 abholt. Ich kann es jetzt nur nicht genau wieder geben, erkenne es aber wenn es auf dem Brett steht.
    • Königsindisch: Vierbauernangriff mit 6.-e5

      Wilhelm Steinitz hielt nicht viel von der königsindischen Verteidigung - zu seiner Zeit (Ende des 19. Jahrhunderts) galt der Vierbauernangriff als mörderisch. Mittlerweile haben die Schwarzspieler Bekämpfungsmethoden entwickelt, die es erlauben, den weißen Ansturm zu überstehen.

      Die Grundstellung des Vierbauernangriffes entsteht - wie schon in der Partie Cochrane - Bonnerjee zu sehen - nach den Zügen



      Hier steht Schwarz am Scheideweg. Neben den oben (Posting 5) erwähnten Zügen 6.-c5, 6.-Sa6 und 6.-Lg4 gibt es noch einen weiteren - auf den ersten Blick verblüffenden, aber guten - Zug, nämlich 6.-e5. Dieser Zug wurde schon von Bonnerjee in 4 Partien gegen Cochrane gespielt, und er scheint auch nach heutigem Stand eine vollwertige Verteidigung zu sein.

      Die Variante wird im Video "All against the Four Pawns Attack" von Sicilian Paramour vorgestellt: