Netflix-Serie: Queen's Gambit

    • Netflix-Serie: Queen's Gambit

      Eine neue 7-teilige Netflix-Serie "The Queen's Gambit" beginnt heute, 23. Okt.

      Berater waren u.a. Garry Kasparov und Bruce Pandolfini, der auch bei "Searching for Bobby Fischer" mithalf,
      damit nicht nur das Brett richtig aufgebaut ist, sondern die Spieler auch die Figuren richtig setzen
      und die Uhr in typischer Weise drücken.

      Beschreibung:

      chess.com/news/view/the-queens-gambit-netflix-chess

      Trailer:

    • Hallöchen...

      gerade die letzte Folge zu Ende geschaut. Jo, empfehlenswert, wenn man sich gut unterhalten möchte. Ein wahres Schachmärchen, das in den 6oer, 7oer Jahre spielt und die Protagonistin dazu noch eine wunderschöne Frau ist, die in wunderschönen Kleidern durch die Schachwelt spaziert mit all ihren Stärken und Schwächen, resultierend aus ihrer Geschichte. Dazu viel viel Schachhistorie was die Großen Meister der Schachgeschichte betrifft, viel viel Gespräche über Eröffnungen, Schachbücher usw... Und muss sagen, in der letzten Folge hab ich wirklich echt richtig mitgefiebert. Manches ist a bisserl überzogen, wie z.b. diese furchtbaren Blickkontakte der Spieler gegenseitig am Brett. Also ich käme nie auf die Idee meinem Spielpartner am realen Brett so in die Augen zu starren,-) Schöne Spielszenen am Brett, super filmische Technik. Hat echt Spaß gemacht. Und wie Schröder schon schrieb, das ganze 6oer, 7oer-Jahre Flair mit der dazugehörigen Musik. Also, auf schaut es Euch an:) :saint:

      Auch noch ein Schmankerl:

      Es war einmal ein Schiff,Befuhr die Meere alle Zeit,und unser Schiff, es hieß die Goldne Nichtigkeit.
    • Ich habe jetzt auch alle Folgen gesehen und kann das positive Feedback von Lene nur unterstreichen. Unbedingt sehenswert!

      Man sollte allerdings - wenn irgend möglich - die englische Originalfassung ansehen. Bei der deutschen Fassung haben sich z.T. haarsträubende Übersetzungsfehler eingeschlichen. Beispielsweise antwortet Benny Watts auf die Frage von Beth Harmon, ob er das Turnier in Cincinatti mitspiele: "It's not good to play too many Opens", was übersetzt wird mit "Es ist nicht gut, zu viele Eröffnungen zu spielen." - autsch, das tut schon weh! Die deutsche Übersetzung wurde offensichtlich von einem Nichtschachspieler gemacht. Einige der schachbezogenen Dialoge, die auf Englisch Sinn ergeben, sind dadurch auf Deutsch kompletter Nonsens.

      Das große Finale des Films ist die Partie zwischen Beth Harmon und dem Weltmeister Valeri Borgov, in der Beth (sonst reine 1.e4-Spielerin) zum erstenmal im Leben das Damengambit spielt. Hier erläutert agadmator diese phantastische Partie:



      Sie beruht auf der tatsächlich gespielten Partie Ivanchuk - Wolff aus dem Jahr 1993, einer langen Kampfpartie, die allein schon spektakulär genug ist. Diese wird aber durch das Spiel von Harmon und Borgov nochmal getoppt. Nach der Verbesserung von Beth im 37. Zug (Se6!!) sehen wir Schach wie von einem anderen Stern.

      Ivanchuk, Vassily (2705) - Wolff, Patrick G (2585)
      Biel Interzonenturnier 1993, 1. Runde



      Im Anhang habe ich die Partie mit ausführlichen Kommentaren von GM Patrick Wolff angefügt.
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    • Die bohrenden Blicke, die sich die Spieler im Film häufig zuwerfen, kommen in dieser Häufung im realen Schachleben tatsächlich nicht vor. Die allermeisten Spieler verhalten sich am Brett sehr korrekt und unterlassen alles, was den Gegner stören könnte.

      Allerdings gibt es Ausnahmen: Garri Kasparov war für seine Grimassen und seine durchdringenden Blicke auf den Gegner berüchtigt. Hin und wieder gibt es andere Ausnahmen, z.B. hat @eberhardt beim St. Pauli Open 2014 eines fotographisch eingefangen (Posting 19). 5. Internationales St. Pauli Open (19.-27. Juli 2014)
    • Hier die vollständige Partie, die das Finale der 7. Folge bildet. Diese Folge ist so großartig, daß ich sie mir mehrfach angesehen habe.

      Harmon, Elisabeth - Borgov, Vasili



      In dieser Partie gibt es einige bemerkenswerte Stellen:

      23.-Shf4!!

      Dieses Springeropfer weckt sofort Erinnerungen an die 6. Partie Botwinnik - Tal (WM-Kampf 1960), durch die Tal unsterblich wurde: Königsindische Verteidigung

      46.Dxf6!!

      Auch das hat einen großen Vorgänger, nämlich die 6. WM-Partie Fischer - Spassky. Die ist wie eine Symphonie von Mozart und gilt vielen als die beste Schachpartie aller Zeiten. Auch dort leitet ein Opfer auf f6 (in dem Falle ein Qualitätsopfer) den Schlußangriff ein.

      42.Lc5!

      Überrascht von Borgovs Zug 41.-d5 schaut Beth lange an die Decke, um sich Inspiration zu holen. Der Spieler, der wie kein anderer dafür bekannt ist, lange an die Decke zu starren, um dann brillante Züge zu finden, ist ausgerechnet Vasil Ivanchuk - der Spieler, auf dessen real gespielter Partie von 1993 diese Partie beruht.

      53.Kd2

      Nach diesem Zug gibt Borgov auf und applaudiert seiner Gegnerin. So etwas ist eine absolute Ausnahme im Schach, und nur Boris Spassky hatte nach seiner Niederlage in der 6. Partie gegen Fischer die Größe dazu.


      Die Partie ist ein Kunstwerk, das wesentliche Momente der Schachgeschichte in sich vereinigt. Eine geniale Komposition - vielleicht war Garri Kasparov dafür verantwortlich!?

      Wäre die Partie tatsächlich gespielt worden, dann würde sie sicherlich als die beste jemals von Menschen gespielte Partie angesehen werden.
    • Elizabeth Harmon - Harry Beltik

      Beths erstes Turnier ist die Kentucky State Championship. In der letzten Runde schlägt sie dort den Titelverteidiger Harry Beltik mit einer atemberaubenden Schlußkombination. Die Partie wurde in Wirklichkeit von einem der größten Angriffsspieler aller Zeiten, Rashid Nezhmetdinov gespielt:

      Rashid Gibiatovich Nezhmetdinov - Genrikh Kasparian
      Spartak Team Championship, Riga 1955



      agadmator zeigt uns diese Partie seines Lieblingsspielers unter Bezugnahme auf das Geschehen im Film:

    • Es ist wiederum kein Zufall, daß diese Partie ausgewählt wurde. Nezhmetdinov ist ebenfalls in einem Waisenhaus aufgewachsen, und seine erschütternde Lebensgeschichte enthält viele Parallelen zu der von Beth Harmon:



      Hier kommentiert Yasser Seirawan die berühmteste Partie von Nezhmetdinov, die keinen Vergleich mit der "unsterblichen" und der "immergrünen" Partie zu scheuen braucht:

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    • Schöner Film in 7 Teilen‿◕))
      Haben uns heute Abend Folge 2 und 3 angeschaut.
      Sind gespannt wie es weiter geht.
      Gute Unterhaltung.
      In der Zeit war auch schon Bobby Fischer am Brett unterwegs.


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      Ich bleibe auf dem Teppich meiner Möglichkeiten und hoffe das er fliegen lernt.
    • Eine bemerkenswerte Serie die nicht nur den Schachsport unendlich spannend darstellt. Eine junge Frau die sich in der Männerwelt des Schachs behauptet und zur Legende wird und die Erzählungen, Wie Die (Sucht) Probleme von Beth und einigen anderen in der Geschichte so zweischneidig beschrieben wurden, ist faszinierend. Zwischen Genie und Wahnsinn, was mich schon allein vom passenden Zeitfenster an die Geschichte des Bobby Fischers erinnert.

      Man merkt, dass Kenner an dieser Serie mitgewirkt haben. Wer jetzt noch meint, unser Sport kann nicht fesseln, faszinieren und einen in den Bann ziehen, dem kann man nicht helfen :D

      vielen Dank für das posten der Partie(n) @Schroeder. Beim schauen hatte ich mich geärgert nie ganz auf das Brett schauen zu können ^^ das nachholen zu können, ist wunderbar.

      Jedem der diese Serie noch nicht gesehen hat, kann ich es nur empfehlen. Allein schon aus geschichtlichen Interesse des Schachsports aber auch allgemein.
    • Danke für den Hinweis, John! Mir war nicht klar gewesen, welch großen Einfluß Garry tatsächlich auf den Film hatte.
      Das wird durch Frank Scotts Antwort am Ende des Interviews ganz klar:

      "The biggest thing that he did, even more than helping with the technical details, was getting inside chess players' heads, particularly the Russian chess players' heads. He gave me all sorts of character ideas and even dialogue to think about. He was a gigantic help in that regard."
    • Vasili Borgov - Elizabeth Harmon (Mexico City 1966)

      Das erstemal begegnet Beth dem Weltmeister beim Turnier in Mexico City. Sie unterliegt in einer von Borgov positionell überragend gespielten Partie. Diese geht zurück auf die folgende Partie:

      Stein, Leonid - Matanovic, Aleksandar
      Yerevan 1965, 8. Runde



      Leonid Stein galt seit seinem Sieg bei der UdSSR-Meisterschaft 1963 (vor Spassky und Cholmov) bis zu seinem Tode (1973 erlitt er einen Herzinfarkt auf der Reise zur Mannschaftseuropameisterschaft in England) als einer der besten Spieler der Welt.

    • mir ist aufgefallen (2te Folge), daß Schachspieler (in diesem Fall Beth) damals, während einer Partie, anscheinend ALLEINE das stille Örtchen aufsuchen konnten.
      War dem wirklich so?
      Denn die Möglichkeit eines Betruges durch z. B. Einsichtnahme von Schachanalysen, Einnahme von Aufputschmitteln o.ä. war ja theoretisch (und, wie man sieht, auch praktisch) möglich.