Sizilianisch / Morra-Gambit

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      Damit ich nicht immer nur fremde Partien zum Morra Gambit reinstelle - hier eine Partie von mir, vor ein paar Stunden gespielt, im Blitz. Klassisch wären meinem Gegner so manche Fehler wohl nicht passiert. Die Partie ist deshalb nicht schlecht weil sie ganz gut die Ideen hinter dem Springeropfer auf d5 zeigen, ein klassisches Motiv im Morra Gambit:



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      Ich bin selber ja kein Eröffnungsexperte, aber mit Schwarz spiele ich gerne gegen das Morra-Gambit & hole damit deutlich über die Hälfte der Punkte!
      Der springende Punkt dabei ist aber der 3. schwarze Zug d4-d3 was anscheinend wenig gespielt wird.
      Die Sache hat 2 Vorteile:
      1. stört Weiß sein eigener Bauer auf c3 seinen Springer zu entwickeln &
      2. gibt es eine Faustregel im Schach: Ist man selber kein Experte bei Eröffnungen ist es meistens ratsam ein angebotenes Gambit abzulehnen weil man dann schnell in Nachteil kommt, denn der Gegner kennt es dann ja sehr genau.
      3. in speziell DIESER Eröffnung gucken sich die Weißspieler fast nur die Annahme an, aber kaum mal jemand die Ablehnung. Weiß man als Schwarzer dann nur 'ungefähr' was man spielen könnte, reicht es schon aus & man hat die Eröffnung ohne nachhaltige Probleme überstanden.
      Daher spiele ich sehr gerne gegen das Morra-Gambit.
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      Die daraus entstehende Maroczy Strukturen (nach c4) nehme ich eigentlich liebend gerne. Ohne Risiko einen kleinen aber schwer auszugleichenden Eröffnungsvorteil, was will man mehr, als weißer?
      Jan Gustafsson, der in Blitzpartien selbst mal gerne das Morra-Gambit spielt, geht sogar so weit zu sagen, dass man sich aus der Eröffnung heraus gar nicht mehr wünschen kann. Eine typische Stellung die oft entsteht ist etwa:
      und weiß steht doch recht gut

      Nichtsdestotrotz ist d3 natürlich spielbar und speziell deine Faustregel stimmt ganz sicher!
      Ich finde aber, dass es unangenehmere Ablehnungen gibt. Auch wenn viele das als für sehr gut spielbar für weiß erachten mag ich persönlich die Ablehnung mit 3.d5 nicht besonders, die auch in eine Alapin-Variante überleitet.
    • Sizilianisch: Morra-Gambit mit 3.-d3

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      Der kanadische IM Raja Panjwani zeigt in seinem Buch The Hyper Accelerated Dragon ein (sein eigenes!) Schwarzrepertoire, dessen erklärtes Ziel es ist, gegen 1.e4 auf Gewinn zu spielen. Dabei zeigt er u.a. Wege für Schwarz, aktives Spiel gegen den Maroczy-Aufbau (eine der weißen Hauptwaffen gegen den beschleunigten Drachen) zu erhalten. Weiß mag bei statischer Betrachtung einen Raumvorteil haben, die dynamischen Möglichkeiten sieht Panjwani eher bei Schwarz. Die Rezension von IM Kevin Goh Wei Ming, die sich hinter dem obigen Link verbirgt, gibt einen kleinen Einblick in die Philosophie des Buches (u.a. ein längeres Zitat von Panjwani zu Maroczy-Strukturen) und zeigt auch einige kritische Varianten.


      Gegen das Morra-Gambit empfiehlt Panjwani - konsistent mit seinem restlichen Repertoire - die Ablehnung mittels 3.-d3, und auch hier gibt er dem Schwarzen frische, originelle Ideen an die Hand.


      Im Achtelfinale des diesjährigen Deutschen Mannschaftspokals sah sich Arkadij Naiditsch mit dem Morra-Gambit konfrontiert. Bemerkenswert ist, daß er gegen seinen nominell deutlich unterlegenen Gegner nicht die Annahme des Gambits, sondern die Ablehnung mit 3.-d3 als aussichtsreichsten Weg erachtete, um auf Gewinn zu spielen. Weiß verzichtete auf die Errichtung des Maroczy-Aufbaus (kannte er evtl. das Buch von Panjwani?) und beließ seinen Bauern auf c3. Aber auch dagegen demonstrierte Naiditsch einen überzeugenden Weg zu schwarzem Gegenspiel und kam zu einem ungefährdeten Sieg:

      Karn, Torsten (2082) - Naiditsch, Arkadij (2701)
      Deutscher Mannschaftspokal, Achtelfinale, 3.3.2018
      SV Hockenheim - OSG Baden-Baden, Brett 1

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      Läuft das nicht ein wenig auf die alte Frage hinaus ob es gut ist Raumvorteil zu haben oder schlecht? Geht die Frage vielleicht noch weiter zurück, auf Tarrasch vs Reti? Auf die Frage klassische Schachschule vs. hypermoderne Ansätze?
      Die einen meinen es sei gut das Zentrum mit Bauern zu kontrollieren und sich Raumvorteil zu sichern, die anderen meinen halt es sei besser das Zentrum indirekt zu beherrschen und mit Bauerngegenstößen dieses Zentrum zu unterminieren. Ist etwa die Aljechin-Verteidigung schlecht? Der konservative Ansatz ist sicher: ja, weiß hat zu viel Raumvorteil. Der andere Ansatz ist halt, dass man diesen Raumvorteil mit Gegenstoßen bekämpfen kann.
      Ich für mich kann die Frage nur so beantworten, dass ich lieber mit Raumvorteil und Zentrumskontrolle spiele, denn so muss er Gegner etwas dagegen unternehmen, während ich viel Platz zum manövrieren habe. Als einer der mit schwarz selbst gerne Grünfeld spielt, ist das natürlich eine etwas scheinheilige Antwort. Wahrscheinlich kommt es einfach auf die Balance zwischen Raumvorteil einerseits und Gegenschlagsmöglichkeiten andererseits an.
      Aber hier kann ich mir einfach nicht vorstellen, dass weiß mit diesem bequemen Maroczy Aufbau im Sizilianer viel zu befürchten hat. Die Antwort wird aber letztlich wohl nur am Schachbrett zu klären sein :)