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    • Carlo Rovelli
      Die Ordnung der Zeit
      Warum stehen wir mit den Füßen auf dem Boden?

      Newton meinte, weil sich Massen anziehen,
      Einstein sagte, weil sich die Raumzeit krümmt.
      Carlo Rovelli hat eine andere Erklärung:
      vielleicht ja deshalb, weil es uns immer dorthin zieht,
      wo die Zeit am langsamsten vergeht.
      Wenn, ja wenn es so etwas wie Zeit überhaupt gibt.
      Kaum etwas interessiert theoretische Physiker von Rang
      so sehr wie der Begriff der Zeit.

      Leben wir in der Zeit oder lebt die Zeit vielleicht nur in uns?

      Leseprobe
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      Ich bleibe auf dem Teppich meiner Möglichkeiten und hoffe das er fliegen lernt.
    • Dschungelkind - Sabine Kuegler

      Im Buch Dschungelkind von Sabine Kuegler geht es um Sabine Kuegler selbst. Sie zog mit 7 Jahren mit ihren Eltern und ihren 2 Geschwistern in den Dschungel von West Papua. Ihre Eltern sind Sprachforscher und wollen sich mit der Sprache der Fayu beschäftigen.

      Ein Weltbestseller der auch verfilmt wurde.

      Dschungelkind
      :) Mach HEUTE so wunderbar, dass GESTERN neidisch wird. :)
    • Dem Leben entfremdet - Arno Gruen -

      Habe Einiges von Arno Gruen. Vorstellen möch ich *Dem Leben entfremdet* Dieses Buch war eigentlich ein Geschenk an meinen verstorbenen Freund. Nach seinem Hinübergehen ist es nun in meinen Besitz zurückgelangt.

      Arnon Gruen ist ein von mir sehr geschätzter Psychoanlalytiker, leider schon am 2o. Oktober 2015 im Alter von 92 Jahren verstorben. Für mich war er einer der wichtigsten Menschen, die unserer Welt etwas zu sagen hatte. Leider wurde er von den Medien, nach meiner Beobachtung, kaum beachtet. Selber war er kein Mensch, der sich aufgedrängt hat. Er betrieb seine Wissenschaft, schrieb seine Bücher, darin sagte er alles, was er zu sagen hatte zum menschlichen Sein in der Gesellschaft.

      Arno Gruen ist für mich also nicht irgendwer. Er ist der Autor von Büchern wie "Der Verrat am Selbst", "Der Wahnsinn der Normalität" oder "Der Verlust des Mitgefühls". Es sind diese Bücher, die ich immer wieder gelesen habe und lesen werde und deren Gedankenwelt mich seit Jahren beschäftigen.

      Wenn man versucht, diesen Arzt, Wissenschaftler und Schriftsteller mit ganz wenigen Worten zu charakterisieren, so verfällt man auf die Aussage, dass Arno Gruen im Wesentlichen zwei verschiedene Existenzweisen des Menschen sieht. Die erste steht im Zeichen der Macht, ist von Beherrschung und Kontrolle, von Abstraktion, von Stärke, von Erfolg im Wettbewerb geprägt. Die zweite Existenzweise basiert auf Liebe, auf Mitgefühl, auf Zärtlichkeit und auf dem Begriff einer Autonomie, der nichts mit der Behauptung der eigenen Wichtigkeit und Unverletzlichkeit zu tun hat, sondern der eine nicht entfremdete Harmonie mit dem eigenen Selbst zum Ausdruck bringt. Diesem Selbst sind Erfahrungen der Schwäche, der Hilflosigkeit, der Angst und des Schmerzes nicht fremd und verhasst, sondern als unvermeidliche Bestandteile des menschlichen Lebens wohl vertraut. Überflüssig zu sagen, dass Arno Gruen ein unermüdlicher Verfechter der zuletzt genannten Orientierung ist.

      Arno Gruen ging es nie um Gefühlsduselei. Und man glaubt es ihm einfach, diesem Menschen, der als kleiner Junge mit seiner Familie aus dem Hitler-Staat in die USA geflüchtet ist. Wenn man ihn an einem Rednerpult oder in einem Video zuschaut, kann man erkennen, dass er in jedem Augenblick den Ernst und die Sorgfalt eines Wissenschaftlers ausstrahlt. Der auf jegliche Show-Elemente verzichtet, der nicht einmal zur Auflockerung ein Witzchen einstreut. Das ist man nicht gewöhnt. Es handelte sich um einen Redenden oder Gesprächspartner, der sich keinerlei Sorgen um seinen "Marktwert" zu machen schien. Er wirkt glaubwürdig, die sachliche, fast demütige Form seines Auftritts korrespondiert vollkommen mit den Inhalten, die er teilweise schon seit Jahrzehnten zu vermitteln sucht. Man bemerkt mit einer Mischung aus Erstaunen und Dankbarkeit, dass in einem akademischen Umfeld plötzlich wieder Begriffe wie Liebe und Einfühlungsvermögen eine bedeutsame Rolle spielen. Welche angeblichen kritischen Geister in Deutschland haben es nach den 60er Jahren noch gewagt, sich in einer solchen Art und Weise zu äußern?

      Arno Gruen ist jedoch kein Ideologe, der da vorliest, keiner, der Realitäten setzen will. Sondern jemand, dem es in seinem ganzen Leben darum zu tun war, der menschlichen Wirklichkeit nachzuspüren. Sein Ausgangspunkt ist das Individuum, das er nicht vollständig von den Zwängen und Eigengesetzlichkeiten des Systems bestimmt sieht und dessen Wollen ein sehr persönliches Geheimnis sein soll. Die größte Gefahr für den Einzelnen sieht Arno Gruen in verzerrten und reduzierten Realitätsbegriffen, die nicht selten manipulativ und wie eine Waffe eingesetzt werden - zum Beispiel von Erziehern. Wenn angepasste Menschen gern von freier Entscheidung oder von Eigeninitiative reden, sieht Arno Gruen häufig nur Gehorsamsakte, mit denen eine allgegenwärtige Angst beschwichtigt werden soll. Die Angst davor, den Leistungserwartungen nicht zu genügen, die Angst vor dem Versagen. Um Ängsten und Gefühlen der Schwäche aus dem Weg zu gehen, findet häufig eine Identifikation mit der Welt der Macht statt. Man halluziniert eine Teilhabe an der Macht und sucht Linderung seiner Leiden ausgerechnet bei denen, die einen überhaupt erst zum Leiden brachten. Stattdessen empfiehlt Arno Gruen der eigenen menschlichen Wahrnehmungsfähigkeit zu vertrauen und davon ausgehend immer wieder neue Lebenserfahrungen zu machen.

      Arno Gruen war eng mit Henry Miller befreundet und wurde nach eigener Aussage stark von diesem beeinflusst. Von Miller stammt das Zitat: "Arno Gruen ist der erste Psychologe, der von Nietzsche geschätzt worden wäre". Dieses Urteil erscheint zunächst überraschend: Nietzsche hatte doch einerseits eine ausgeprägte Abneigung gegen Schwäche, und andererseits nahm für ihn das Streben nach Machterweiterung fast den Rang eines Naturgesetzes ein. Berührungspunkte der beiden sehe ich jedoch in der Hochschätzung von Individuum, Authentizität und Lebendigkeit.

      Es fällt leicht Arnos Gruens Gedanken zu folgen in seinen Büchern oder in seinen Gesprächen. Doch immer mal wieder drängte sich mir die Frage auf, ob der ganze Betrieb der Welt von seinen Thesen Kenntnis nimmt. Wohl nur Wenige, wenn man sich darauf bezieht, wie wenig er von der Medienwelt beachtet wurde. Doch ist es jetzt fast 6 Jahre nach seinem Tod immer möglich, sich mit diesen auseinanderzusetzen und seine Bücher zu lesen, und Gesprächen, die man bei you tube oder anderen Medien findet, zu lauschen. Es lohnt sich. Jedesmal wenn ich in eines seiner Bücher schaue oder mir etwas anhöre, kommt mir der Gedanke, gibt es noch Hoffnung?

      Und genau um all diese Themen geht es auch in diesem Buch von Arno Gruen. Über den Verlust der Empathie, dessen Grundstein überwiegend schon im Säuglingsalter und in der Kindheit gelegt wird. Das Entstehen von Haß und Gewalt in unserer Welt entsteht durch Eltern die ihren Kindern keine Liebe geschenkt haben, sondern sie von Geburt an zum Gehorsam erzogen und sie mit Leistungsdruck drangsaliert haben. Überwiegend lernen die Kinder, wenn sie von ihren Eltern geliebt werden wollen, dass sie ihren Erwartungen entsprechen müssen, um nicht einer Kälte ausgesetzt zu sein oder gar abgelehnt zu werden. So kommen sie schon früh in die Situation ihre eigenen Gefühle und Wünsche zu unterdrücken.

      Es lohnt sich diesem und auch seinen anderen Büchern Zeit zu schenken. Eine Entdeckungsreise auch über das eigene Vergangene in Kindheit und Jugend, doch vor allen Dingen einen Blick zu bekommen für menschliches Handeln, warum und wieso ist die Welt so wie sie ist. Wie kommt das Böse in die Welt.

      Der Verrat am Selbst, Arno Gruen .... spiegel.de/spiegel/print/d-13514175.html

      Der Wahnsinn der Normalität, Realismus als Krankheit, Arno Gruen

      Der Verlust des Mitgefühls, über die Politik der Gleichgültigkeit

      deutschlandfunkkultur.de/zum-t…o-gerne-gehorsam-100.html
      deutschlandfunk.de/arno-gruen-der-fremde-in-uns-100.html
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    • Auch wenn ich keinesfalls genau im Bilde über die genauen Ausführungen in den Werken und die behandelte "Materie" bin , kann ich vor den oben beschriebenen Lobeshymnen auf den "Autor" nur warnen.

      Wie ich der Verfasserin schon vor einigen Jahren per PN mitteilte, sind seine "wissenschaftlichen" Arbeiten wie auch der Schreibstil mir persönlich stark suspekt.

      Ich muss allerdings zugeben, dass ich zum vollständiges Lesen und damit auch Verständnis nicht imstande bin, weil diese Art Texte (da ist der werte Herr nicht der Einzige) für mich einfach zu abschreckend sind- in dem Falle: Wie kommt das Böse in die Welt.Ich kann da nur für mich sprechen: Es fiel mir überhaupt nicht leicht, einem Text des werten Herrn zu folgen.

      Bei der Formulierung:

      "Das Entstehen von Haß und Gewalt in unserer Welt entsteht durch Eltern die ihren Kindern keine Liebe geschenkt haben..."

      kriege ich jdf. innerlich böse Kopfschmerzen.
      Von solch platten, nicht gerade evident formulierten "Thesen", die mal so eben rausgehauen werden, halte ich gar nix. Mal abgesehen vom entstehenden Entstehen: Was war nochmal zuerst da, Huhn oder Ei??

      Es gibt aber auch andere , sachlichere Stellungnahmen, zb. zu diesem "Werk" hier:

      geps.de/stellungnahme-zum-buch-von-arno-gruen/

      hier eine Einordnung (u.a. der Stellungnahmen):

      kimberra.wordpress.com/2012/09…ruen-ein-fruher-abschied/

      Es kann sich gern ein eigenes Bild gemacht werden.

      The post was edited 6 times, last by triebie ().

    • Triebie...

      harter Tobak:) du warnst vor Texten von Arno Gruen. Das mag Dir aufgrund Deiner persönlichen Einstellung und Deinem Denken über Texte, die Du möglicherweise gelesen hast, unbenommen zustehen. Allerdings empfinde ich eine *Warnung* mehr als übertrieben. Grundsätzlich kann das Denken und Empfinden über einen Text, egal welchem Genre er angehört, immer kontrovers sein. Das ist ja auch völlig in Ordnung. Kritische Auseinandersetzungen beleben das Geschäft.

      Selber habe ich Arno Gruen auch einmal bei einem Vortrag in Frankfurt reden und erleben dürfen und er ist weit entfernt davon ein unseriöser Wissenschaftler zu sein.

      Wie auch immer... Es bleibt Dir belassen. Kann das gut so respektieren.

      Nur nochmal zur Info über Arno Gruen:

      de.wikipedia.org/wiki/Arno_Gruen
      Es war einmal ein Schiff,Befuhr die Meere alle Zeit,und unser Schiff, es hieß die Goldne Nichtigkeit.
    • lottelenia wrote:

      Triebie...
      Selber habe ich Arno Gruen auch einmal bei einem Vortrag in Frankfurt reden und erleben dürfen und er ist weit entfernt davon ein unseriöser Wissenschaftler zu sein.


      Das ist natürlich ein Argument. Da muss ich passen. Ok. Du hast recht, ein richtig seriöser Wissenschaftler... 8o

      (Ich selbst habe nie etwas Gegenteiliges behauptet. Das steht mir nicht zu. Die Anführungszeichen sind imA. nur eine gewisse Skepsis. )

      Im Übrigen warne ich nicht vor ihm, sondern vor derart gefasster Lobhudelei. Wenn ich es falsch formuliert habe, dann war es mein Fehler. Es steht ja , wer auch einmal richtig nachlesen kann und möchte, noch in meinem Beitrag.

      The post was edited 3 times, last by triebie ().

    • Zur weiteren Diskussion über das in #524 vorgestellte Buch „Dem Leben entfremdet“ hier die kritische Rezension eines anderen Lesers:

      Um es vorneweg zu betonen: für mich ist "Der Wahnsinn der Normalität"
      eines der wichtigsten und entlarvendsten Bücher, die jemals geschrieben wurden. Umso mehr war ich auf das neue Werk von Arno Gruen gespannt, in dem er aufzuzeigen versucht, dass nur durch die Liebe und die Wiederentdeckung der Empathie die Entmenschlichung, die Entfremdung in unserer Gesellschaft überwunden werden kann. Anklänge an "Haben oder Sein - Die seelischen Grundlagen einer neuen Gesellschaft" von Erich Fromm kamen dabei hoch. Doch ich wurde in meinen Erwartungen größtenteils enttäuscht.

      Arno Gruen versucht aufzuzeigen, dass durch die Entstehung der großen Zivilisationen dem Menschen die Fähigkeit, in der Wirklichkeit zu leben, verloren geht, weil die dem Menschen innewohnende empathische Natur unterdrückt wird. Gruen ist Psychoanalytiker Freudscher Prägung und so verwundert es nicht, dass er seine These mit eigenen Einsichten und allgemein frühkindlichen prägenden Erfahrungen, mit Entfremdung, Sublimierung und Projektion begründet. Er kritisiert überzeugend reale gesellschaftliche Verhältnisse, die zunehmende Infantilisierung; ebenso wie Zustände, Ideale und Werte wie Macht, Besitz von Dingen, Egoismus; dazu die zunehmende Identifizierung des Ichs mit Äußerlichkeiten und dem damit verbundenen Verlust von Identität. Er beschreibt eindrücklich die aus Angst und Unsicherheit resultierende Zerstörungswut. Vereinfacht ausgedrückt dominiert für Gruen die Gewalt die Welt der Abstraktion, der Freiheitsbegriff wird in seinen Augen missbraucht, das Bewusstsein der Menschen wird durch simples Feinddenken bestimmt.

      Das alles liest sich nachvollziehbar. Doch Gruen geht weiter, baut eine sonderbare Dichotomie von Empathie und Rationalität, von Empathie und Kognition im Sinne der Abstraktion von Erkenntnis bzw. Wahrnehmung auf. Er gerät so in eine wenig einleuchtende Spaltung des menschlichen Seins. Er beschreibt Macht als einziges Mittel, sich heutzutage ein Gefühl von Sicherheit zu erschaffen. Doch was machen die, die nicht nach Macht streben? Gruen zitiert Shakespeare, Goethe, Ortega y Gasset, lässt aber erstaunlicherweise Schopenhauer und Nietzsche im Kontext der Erörterung von Macht unerwähnt. Seine biologischen Erklärungsansätze sind darüber hinaus obskur. Die unklare Trennung oder Gleichsetzung von Gefühl, Empfinden und Empathie verwirrt. Weiterhin stellt sich die Frage, ob extreme Beispiele wie »identitätslose« Selbstmordattentäter so typisch für „unsere Gesellschaft“ sind.

      Tomaso Carnetto schreibt in einer Anmerkung: »Gruens Werk folgt der Hoffnung und Forderung zugleich, dass die Geschichte der entmenschlichten Idealisierung sich unter keinen Umständen wiederholen darf.« Dem ist uneingeschränkt zuzustimmen. Mitfühlen ist die Basis des menschlichen Zusammenlebens; nicht Erfolg oder Kosten-Nutzen-Analysen wie in unserer modernen, von der Ökonomie dominierten Welt. Empathie als die fundamentale Fähigkeit, zu erkennen, was im anderen vor sich geht, ist die Voraussetzung für jegliche Gemeinschaft. Doch mit der radikalen Forderung nach Rückkehr zur unumschränkten Empathie, verbunden mit der unverständlich rigorosen Ablehnung von Abstraktion und Rationalität, fehlt dem Buch die erforderliche integrative Kraft und Vision, die Gruen in anderem Kontext bereits so überzeugend dargelegt hat.

      Quelle: Amazon.de:Kundenrezensionen: Dem Leben entfremdet: Warum wir wieder lernen müssen zu empfinden
    • Elisabeth Pähtz
      Wer den vorletzten Fehler macht, gewinnt.

      *Ich liebe das Chaos auf dem Schachbrett *
      Das sagt Elisabeth Pähtz, Deutschlands beste Schachspielerin,
      die bereits im Alter von 5 Jahren das erste Mal am Schachbrett saß.
      In ihrem Buch gewährt sie Einblicke in ihr Leben als Wunderkind
      und erzählt, wie sie sich als Frau
      in einer noch männerdominierten Schachwelt durchgesetzt hat
      und weiter für mehr Gleichberechtigung in ihrem Sport kämpft.
      Sie berichtet von der Faszination des Spiels,
      von völkerverbindenden Freundschaften,
      von großen Siegen wie von schmerzhaften Niederlagen.....
      Ich bleibe auf dem Teppich meiner Möglichkeiten und hoffe das er fliegen lernt.
    • So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein - Christoph Schlingensief -

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      Ein zutiefst menschliches Buch. Mit diesem Satz endete eine Rezension in der TAZ über Schlingensiefs Krebstagebuch.

      Das Buch hatte ich damals kurz Zeit nach meiner eigenen Krebserkrankung gelesen. Selber hatte ich es geschafft und mein Wunsch, dass auch Schlingensief, dieser unglaublich kreative Mensch und dessen Werke ich überwiegend mit Faszination verfolgte, ist leider nicht in Erfüllung gegangen. Christoph Schlingensief starb am 21. August 2010 in Berlin.

      Auch jetzt bei erneutem Lesen hatte ich das Gefühl, Schlingensief sitzt mir gegenüber und erzählt mir ganz persönlich all das, was er durch- und mitgemacht hat. Alle Höhen und Tiefen. Alle Ablehnung, Annahme, alle Hoffnungen, Sehnsüchte, Wünsche und Reflexionen über sein Leben. Er war in diesem Moment wieder ganz lebendig.

      Wie er sich damit auseinandersetzt, wieso eine so verdammte scheiß Krankheit sich in seinem Körper breit macht. Wo kommt das her? Genau diese Frage hab ich mir damals auch gestellt. Wieso Lene? Wieso kann so etwas Bösartiges in dir wachsen. Wo du alles gemacht hast, gesunde Ernährung, Sport, kein Alkohol, keine Zigaretten! Und dann das!

      Man fragt sich, so auch Schlingensief, was hat man falsch gemacht? Schlingensief kommt immer wieder zu dem Ergebnis...nix, was soll er schon groß falsch gemacht haben. Er hat nicht geraucht, gut, hier und da vielleicht ein Gläschen zuviel getrunken, ansonsten gearbeitet, geschafft, ist aufgegangen in der Leidenschaft seines Berufes. Klar, sagt er an einer anderen Stelle, er hätte sich vielleicht mehr Zeit nehmen sollen, hätte langsamer durch sein Leben gehen sollen.

      Aber das ist doch nicht die Ursache einer Krebserkrankung!

      Ne...was soll das... genauso hat Schlingensief dann irgendwann voller Wut aus sich herausgeschrien. Es gibt kein falsches Leben. Dieser verdammte Krebs kommt, ohne dass du etwas dabei getan hast, unerwartet, einfach peng...mitten hinein in dein Leben....und dann, von einem Tag auf den anderen, ist alles ganz anders.

      Für mich war und ist das alles nachvollziehbar was Schlingensief da schreibt, gerade wenn man selber die Erfahrung gemacht hat. Wer weiß denn schon, was das für ein Gefühl ist, wenn man da liegt, im Krankenhaus, auf die Diagnose wartet, hofft, dass der Krebs vielleicht doch nicht so aggressiv ist, dass der Differenzierungsgrad niedrig auffällt.

      Wer weiß denn schon was es heißt, nach der Operation da zu liegen und zu warten, wie geht es jetzt weiter. Bestrahlung, Chemo all das ganze Procedere.
      Du liegst da....herausgenommen aus der Welt und drumerhum geht alles einfach weiter. Die Menschen gehen zur Arbeit, lachen, ins Kino, tanzen, was weiß ich...aber du gehörst nicht mehr dazu.

      Und plötzlich hat sich dein Blick verändert. Wieso entdeckt man erst in so einer Erkrankung mehr denn je, wie schön das Leben ist, wie es einem durch und durch geht, wenn man sich an einen Baum lehnt...wenn man seine Blätter fühlt, wenn man in den Himmel schaut... Ist das das Positive an einer Krebserkrankung, dass man all das entdeckt, was einem verloren gegangen ist? Vorher? Als man hechelte und hechelte und alles auf das Morgen verschob. Und...ist es vielleicht dann die Aufgabe, davon zu erzählen? Aber was soll das, wenn einem sowieso nicht mehr viel Zeit bleibt?

      Es geht einem nahe wie er seine Gefühle beschreibt, dieses auf- und nieder. Dieses Hinausschreien, dieser verdammte Scheiß wie er immer wieder sagt. Diese Verzweiflung, die einen immer wieder überfällt, ganz plötzlich.

      Wie geht man in all der Zeit mit diesen Gedanken um, die dich quälen, klein machen, ja fast zerbrechen wollen. Auch da war ich Schlingensief sehr nahe. Denn er sagt, man muß sie wegdenken. Genau, das war auch meine Erfahrung. Der Gedanke, der hochkommt und dich fertig machen will, so dass du vor Angst nicht einschlafen kannst, man muß ihn wegdenken. Das ist auch eine Strategie, die man in einer solchen Erkrankung lernt und die man später mitnimmt, ins Leben nach der Erkrankung, wenn es einem dann vergönnt wird, sie besiegt zu haben.

      Schlingensief setzt sich in seinem Tagebuch auch mit dem Glauben auseinander, wer ist Gott, was verlangt er vom Menschen, wie und was soll man glauben, hat man zu glauben, was wird einem eingeimpft und was ist persönliche Freiheit des Glaubens.

      Er spricht an was mit dem eigenen Willen zu schaffen ist. Viele sagen ja...ich hab´s geschafft, mein Wille war groß. Aber man hat sich getäuscht, wenn man denkt, mit seinem Willen kann man alles beeinflußen. Manches, aber nicht alles.

      Selber bin ich auch ein Mensch, der einen sehr festen, starken eisernen Willen hat, aber gerade eine solche Erkrankung zeigt einem, wie schnell einem da eine Grenze gesetzt wird. Man kann vieles wollen und das ist auch gut so und damit auch vieles bewegen, aber irgendwann wird einem eine Grenze gesetzt. So ist das. Da heißt es zu akzeptieren.

      Stark hat mich auch berührt, wie Schlingensief die Szene, den Augenblick beschreibt, in dem er nach einer Operation aufwacht, in diesem Beobachtungszimmer liegt und neben ihm ein Kind in einem Bett, auch operiert und seine Mutter sitzt bei ihrem Kind, unglücklich. Und mir ist fast das Herz stehen geblieben, wie Schlingensief in dieser Situation von sich selber wegschauen kann, weg von seiner eigenen Situation, von seiner eigenen Schwere und der Mutter Mut macht, sich mehr um das Kind Sorgen macht, sich selber vergißt.

      Auch ich erlebte eine ähnliche Situation. Ich erinnere mich noch sehr genau daran. Ich bin aufgewacht in diesem Zimmer und da lag neben mir eine Patientin, ebenfalls tumoroperiert, sie stöhnte. Ich lag da und dachte, wieso kommt denn keiner und ich rief nach Hilfe, tut doch etwas für sie. Tatsächlich kann man eigenen Schmerz vergessen.

      Ein Moment, den man wohl nie vergessen wird. Im Angesichts des eigenen Leides doch die Möglichkeit und die Haltung haben zu können, von sich wegzuschauen, vielleicht geht es dem anderen doch noch viel schlechter. Es geht im Leben doch immer um das Du nicht um das Ich. Das gehört auch zur Entdeckung des Loslassens zum "das Leben verlieren" können um es zu gewinnen.

      Man hat wie dieser Mann gekämpft mit Gott, mit seiner Familie, mit sich selber. Und ich kann es nicht anders sagen. Wer meint, er hätte in seinem Leben schon gekämpft, der weiß nicht, was es heißt, mit dem Bösen in Form eines Tumors in sich zu kämpfen.

      Verdammt, sagt Schlingensief und so heißt ja auch der Titel seines Buches So schön wie hier kanns im Himmel nicht sein!
      Was interessiert mich das Leben im Himmel, sagt Schlingensief. Das Leben findet hier und jetzt statt, einzigartig, unwiederholbar.

      Und genauso ist es. Was wissen wir denn schon vom Himmel. Wir haben vielleicht eine Hoffnung, einen Wunsch, einen Traum, aber wir wissen gar nichts. Und da können sie alle kommen, die Kirchenmänner und uns einbleuen wollen, wie schlimm das alles ist, mit dem Leben, mit den Menschen, mit den angeblichen Sünden. Sie wollen uns doch nur ein schlechtes Gewissen machen, uns klein- und gebeugt halten.

      Aber das Kreuz zeigt einen aufgerichteten Menschen, der zwischen Himmel und Erde steht.

      Er hat sich auch mit Inkarnation beschäftigt. Gelesen, gefragt, nachgedacht, Er sagt kann ja sein, dass ich im nächsten Leben der Straßenbahnfahrer, oder LKW-Fahrer, oder Stein oder Wurm bin. Diese Theorie gibt es ja auch. Aber anstatt darüber zu lachen, macht er in diesem Moment die Erfahrung, alles hat einen Sinn. Jeder Mensch in unserer Gesellschaft hat seinen Platz und er wird aus dieser Erfahrung heraus wohl niemals mehr einen Menschen urteilen, verurteilen oder aburteilen. Guck mal, wie ist der denn, der kann ja nix, der hat es zu nichts gebracht.

      Und ja, auch beim zweiten Lesen dieses Buches kann ich bezeugen, es ist ein unglaublich zutiefst berührendes menschliches Buch. Und man fragt sich, was es eigentlich bedeutet dieses Wort "menschlich"

      Menschlich heißt nämlich nichts anders, als zu weinen, zu lachen, zu schimpfen, zu kämpfen, zu jammern, zu klagen, traurig zu sein, die ganze Palette von Gefühlen wahrzunehmen, sich nicht zu verurteilen, wenn man mal daneben gelegen hat. So wie Schlingensief an einer Stelle beschreibt, als er während der Chemo wieder mal auf die Bühne geht, um an einer Inszenierung mit zu helfen und entdeckt, wie ungerecht er die Kollegen angeschimpft hat. Ja...er steht dazu, aber wenigstens hat er sich danach entschuldigen können. Das ist alles menschlich, man kann mal daneben sein, ungerecht sein, aber wichtig ist, dass man erkennt, sich entschuldigt und sich versöhnt.

      Diese Krankheit, dieser Krebs, ist ein Problem, das man wohl niemals lösen wird. Freuen wir uns über Probleme, die wir noch lösen können. Die größte Freiheit, sagt Schlingensief in seinem Buch, ist wahrscheinlich, dass man ein Problem lösen kann.

      Er hat es nicht geschafft. Leider! Um all das, was er gelernt hat in dieser schweren Zeit selber anzuwenden. Doch er hat den Menschen dieses Buch geschenkt.

      Selber habe ich es geschafft und durfte all das Gute, dass ich gelernt hatte in dieser Zeit auch anwenden und erleben.


      "Ich habe keinen Bock auf Himmel", sagt er an einer Stelle. Genau! Ich hab auch noch keinen Bock auf Himmel. Das Leben ist einfach zu schön, um schon zu gehn.

      Am Ende des Buches empfand ich eine tiefe Dankbarkeit in mir für all die Jahre nach meienr Erkrankung und das Leben, das ich bis heute hatte.

      Christoph Schlingensief
      So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein

      Kiepenheuer und Witsch
      ISBN: 978-3-462-04111-8


      20,00 Euro
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