UdSSR vs. Rest der Welt (live!)

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    • UdSSR vs. Rest der Welt (live!)

      Die zehn besten Spieler der UdSSR treten in Belgrad gegen die zehn besten Spieler der übrigen Welt an. Robert Fischer spielt mit und begnügt sich mit Brett zwei hinter Bent Larsen.

      Fischer spielt!
      Stimmungsbericht aus Belgrad

      Fischer trifft auf Ex-Weltmeister Tigran Petrosian. Rundenbeginn 16 Uhr, live. Klaus Bischoff kommentiert: UdSSR gegen den Rest der Welt live!
    • Der erste Durchgang ging gestern mit 5,5 : 4,5 an die Sowjets.

      Fischer brachte eine wichtige Neuerung im Caro-Kann und demontierte Petrosjan auf sehenswerte Art und Weise: Caro-Kann: Abtauschvariante

      Die Spieler befinden sich schon im Spiellokal, dem Dom Sindikat. Gleich um 16 Uhr startet die zweite Runde. Ich habe da so eine Vorahnung, daß Petrosjan und Fischer heute eine englische Symmetrievariante aufs Brett bekommen werden - aber was weiß ich schon?

      Klaus Bischoff kommentiert leicht zeitversetzt ab 17 Uhr: UdSSR vs Rest der Welt live

      Partieanalyse von Vlastimil Hort: UdSSR vs Rest der Welt: Kommentare zur 1. Runde

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    • Larsen mißhandelt die nach ihm benannte Eröffnung (1.b3) aufs grausamste und geht in 17 Zügen gegen Spasski unter. Ein Desaster für den Mann, der sich als besten Spieler der westlichen Welt ansah und gesagt hatte: "Ich spiele an Brett 1 oder gar nicht."


      Larsen, Bent - Spassky, Boris
      Belgrade URS-World, 2. Runde, 31.3.1970



      Fischer gewinnt wieder gegen Petrosjan. Die UdSSR siegt in dieser Runde mit 6 : 4.

      Andre Schulz berichtet in Belgrad: Fischer düpiert Petrosjan, Spassky vernichtet Larsen, daß die Stimmung im sowjetischen Team schlecht ist:

      Aus der sowjetischen Delegation hört man, dass Tal wohl nicht ganz auf der Höhe ist. Überhaupt scheint die Stimmung im sowjetischen Team nicht wirklich gut zu sein. Als er einmal an einem stillen Ort unbeobachtet war, berichtete mir einer der sowjetische Spieler, dass die Hälfte des UdSSR-Teams nicht mehr miteinander spricht.


      Also Hoffnung für die Weltauswahl?

      Klaus Bischoff kommentiert morgen die dritte Runde wieder live (na ja, leicht zeitverzögert :) ) ab 17 Uhr auf twitch.tv/chessbaselive.

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    • Auch die Beatles beschäftigen sich mit den Partien aus Belgrad. Es hält sich das Gerücht, die erfolgreichste Pop-Gruppe der Musikgeschichte werde sich noch in diesem Jahr auflösen: Das Match des Jahrhunderts inspiriert die Künstler

      Hier eine aktuelle Farbfilmaufnahme des Englischen Fernsehens:

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    • 3. Runde: Das Imperium schlägt zurück!

      Larsen zeigt sich von der gestrigen Katastrophe gut erholt und schlägt Spassky mit Schwarz.
      Fischer remisiert gegen Petrosjan und hat damit sein Mini-Match gegen den Exweltmeister schon jetzt gewonnen. Er erhält dafür als Sonderpreis das neueste Moskvich-Modell.

      Einen wichtigen halben Punkt sicherte Milan Matulovic gegen Exweltmeister Botwinnik:

      Milan Matulovic - Mikhail Botvinnik
      Stellung nach dem 93. Zug von Schwarz
      Der schwarze König ist in die weiße Stellung eingedrungen. Kann Weiß aufgeben?



      Keineswegs! Dd3+! 1/2 - 1/2

      Die Welt siegt mit 6 : 4 und liegt damit nur noch einen Punkt hinter den Sowjets zurück!

      Belgrad: Larsen schlägt Spassky

      Die Sowjetdelegation wird nervös.

      Damit steht es vor der letzten Runde nur noch 15,5:14,5 für die favorisierte UdSSR-Mannschaft. In der Sowjetdelegation macht man nun sehr lange Gesichter. Einigen Spielern merkt man die Nervosität an. Wie man hörte, sollen die Spieler dem Chef der Sportsektion Pavlov einen hohen Sieg versprochen haben. Schon jetzt ist das Ergebnis nicht so wie erwünscht, aber wenn es in der Schlussrunde noch eine Niederlage gäbe, wäre das für die Schach-Sputniks überaus blamabel.

      Morgen herrscht also Hochspannung in der letzten Runde.

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    • Die vierte Runde beginnt in 20 Minuten. Live-Kommentar von Klaus Bischoff ab 17 Uhr auf UdSSR vs Rest der Welt live

      Die Mannschaftsaufstellungen wurden soeben abgegeben. Es gibt einen Wechsel bei der Weltauswahl: Am 6. Brett wird Samuel Reshevsky durch Fridrik Olafsson ersetzt.

      Die Sowjetunion spielt mit unveränderter Aufstellung. Wie man hört, ist Exweltmeister Botvinnik, der das vierte Brett für sich beansprucht hatte, ziemlich unzufrieden am 8. Brett. Und Spassky fühlt sich unwohl wegen des hohen Drucks, der auf ihm lastet.

      Breaking News: Überraschend setzt Spassky in dieser Runde aus und wird durch Leonid Stein ersetzt.

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    • Vlastimil Hort berichtet über den Abend nach der dritten Runde: Belgrad: Zocken bis zum frühen Morgen

      Was für Welten Fischer schachlich von dem Rest des Teams trennen, das belegt die folgende Passage:

      Bobby kannte die Partie Najdorf-Tal auswendig und zeigte, wo sich Tal hätte viel besser verteidigen können. Seiner Meinung nach hätte auch Najdorf viel besser spielen können. Während der Analyse wurde mir klar, dass ich vom Schach im Vergleich zu Bobby nichts wusste und Don Miguel sehr wenig.
    • 4. Runde: 5 : 5 Unentschieden

      Ein hart umkämpftes und für die UdSSR schmeichelhaftes 5 : 5 in der Schlußrunde sichert den Sowjets einen denkbar knappen 20,5 : 19,5 Sieg. Ein kleiner Trost für die Weltauswahl: die beiden prestigeträchtigen Bretter 1 und 2 gehen an Larsen und Fischer. Larsen erhält dafür als Preis einen Fiat.

      Belgrad: Knapper Sieg für die UdSSR
      Bericht von Vlastimil Hort: Belgrad: Wir waren traurig, aber auch stolz

      In dem Bericht von Andre Schulz gibt es einen Hinweis, was eventuell das Geheimnis für Fischers Erfolge sein könnte:

      Fischer bevorzugt übrigens bei seinen Partien einen besonderen Cocktail. Er trinkt Milch mit Mineralwasser.

      Andre Schulz führte ein Interessantes Interview mit Vlastimil Hort.

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    • Den Sonderpreis für die beste Partie des Turniers gewann der russische Großmeister Efim Geller, der bereits in der ersten Runde
      am 5. Brett seiner Mannschaft den jugoslawischen Großmeister Svetozar Gligoric bezwingen konnte.

      Geller - Gligoric, Belgrad, 29.03.1970

      Spanische Partie (Geschlossene Verteidigung), Smyslow-Variante



      Zum Abschluss noch ein philatelistisches Souvenir dieses Turniers:

      Scannen0005.jpg
      :) Schachspieler sind glückliche Menschen. :)

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    • Lajos Portisch hat im Kommentarbereich der englischen ChessBase-Webseite zur Behauptung einiger Kommentatoren Stellung genommen, er hätte auf Geheiß von außen in der letzten Runde gegen Kortschnoj mit einer Qualität mehr Remis gemacht, um dadurch eine Niederlage der Sowjetmannschaft zu vermeiden. Hier ist eine deutsche Übersetzung seines Kommentars: UdSSR vs Rest der Welt: Lajos Portisch meldet sich zu Wort
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      Mit Beginn des Kalten Krieges wird die Sowjetunion zur stärksten Nation des Schachs. Diese Dominanz drückt sich bei den WM-Titeln bei den Männern und Frauen ebenso aus wie bei den Goldmedaillen der Schacholympiaden, die die sowjetischen Teams ab 1948 im Abonnement gewinnen. Ihre erdrückende Überlegenheit in jenen Präprofijahren des Schachs verdankt sich der staatlichen Förderung, die die sowjetische Führung ihren besten Spielerinnen und Spielern angedeihen lässt. Offiziell sind sie Staatsamateure, die einem ordentlichen Beruf nachgehen; faktisch erhalten sie neben einem Stipendium, das es es ihren erlaubt, sich vollends dem Schach zu widmen, ein Bündel an Privilegien.

      Vor diesem Hintergrund erschien das Vorhaben, ein Match der UdSSR gegen den „Rest der Welt“ auszutragen, als Zirkusnummer: Wer zweifelte ernsthaft am Ausgang einer solchen Veranstaltung? Als das dann sogenannte „Match des Jahrhunderts“ Ende März 1970 in der jugoslawischen Hauptstadt Belgrad begann, lagen die Prognosen zwischen 21:19 und 24:16 zugunsten der Sowjets. Der Weltschachbund FIDE und der jugoslawische Schachverband traten als Organisatoren auf, pro Team wurden zehn Bretter aufgeboten, es wurde über vier Runden gespielt. Die Wettkampfbörse von 100.000,- USD (nach heutigem Wert etwa 650.000,- USD) stellte für seinerzeitige Verhältnisse eine Rekordsumme dar. Das blockfreie Jugoslawien, selbst mit Svetozar Gligoric, Milan Matulovic und Borislav Ivkov vertreten, bot sich als Ausrichter an.

      Beide Seiten nahmen das Match sehr ernst, besonders für die favorisierte Sowjetunion stand das Prestige des Primus auf dem Spiel. Sie nominierte neben dem aktuellen Weltmeister Boris Spasski gleich drei Ex-Champions, ihnen zur Seite standen samt und sonders WM-Kandidaten. Das Durchschnittsalter der Spieler (tatsächlich wurde keine Frau nominiert), lag bei 42,5 Jahren; Spieler wie Paul Keres und Mikhail Botvinnik, die schon in den 1930er Jahren an Spitzenturnieren teilgenommen hatten, gingen auf die 60 zu. Beim im Mittel vier Jahre jüngeren „Rest der Welt“-Team gelang es dem Kapitän Max Euwe, gerade zum FIDE-Präsidenten gewählt, Bobby Fischer zur Teilnahme zu bewegen. Der US-Amerikaner hatte anderthalb Jahre zuvor die letzte ernste Partie gespielt und nahm es klaglos hin, dass statt seiner der Däne Bent Larsen aufgrund seiner jüngeren Turniererfolge das 1. Brett für sich reklamierte.

      Tatsächlich saßen im Frühjahr 1970 die zehn Besten ihrer „Lager“ am Spieltisch, Deutschland wurde durch den Dresdner Wolfgang Uhlmann repräsentiert. Die just Anfang 1970 eingeführte Weltrangliste der Elo-Zahlen zur Dokumentation der relativen Stärke der Spieler wurde von Bobby Fischer mit weitem Vorsprung angeführt (2720), allerdings lagen auf den nächsten zehn Plätzen acht Sowjets (2670 bis 2620). Das Match verlief in einer Atmosphäre intensiver Spannung, am Ende stand der denkbar knappste Sieg des Favoriten: Mit 20,5:19,5 behielt die UdSSR die Oberhand. An den oberen vier Brettern setzten sich die „Weltspieler“ in ihren Mini-Matches durch, im Mittelfeld und am Ende der Setzliste sorgten die Sowjets verlässlich für Punkte. Von den insgesamt gespielten 40 Partien wurden 19 entschieden, eine fantastische Quote.

      Das vor 50 Jahren herausgegebene und lange vergriffene Turnierbuch wurde zum 50. Jubiläum neu editiert, die Schachfans haben nun die Gelegenheit, die Partien aus Belgrad nachzuspielen und sich an den (englischen) Originalkommentaren der Kontrahenten zu erfreuen. Unvergessen dürfte die Partie am 1. Brett zwischen Bent Larsen und Boris Spasski sein, in der Weiß mit 1. b3 eröffnet, die nächsten Züge allzu sorglos abspult und von Schwarz nach kraftvollem Spiel nach gerade 17 Zügen zur Aufgabe gezwungen wird. Am 2. Brett zeigt sich Bobby Fischer gegen den hypersoliden Exweltmeister Tigran Petrosian auf der Höhe seines Könnens und gewinnt zwei strategische Perlen – und das nach einer schachlichen Pause von 18 Monaten. Am Brett 5 gelingt Efim Geller gegen den Lokalmatador Svetozar Gligoric eine Modellpartie in der Spanischen Eröffnung, die thematische Stärke des hellen Läufers demonstrierend. Und am Brett 10 zeigt Paul Keres gegen Borislav Ivkov, warum er 30 Jahre lang zur Weltspitze gehörte; mit lebhaftem Figurenspiel und makelloser Endspieltechnik steuert er zwei volle Punkte zum Sieg der UdSSR bei.

      Die Neuausgabe des „Matches des Jahrhunderts“ ist angereichert mit Schwarz/Weiß-Fotos, vor allem die Gruppenbilder vermitteln die Atmosphäre eines heiteren Klassentreffens. Auf die Analyse der Partien mit einer leistungsstarken Software wurde verzichtet, einige nachgedruckte Artikel aus der jugoslawischen und sowjetischen Schachpresse erlauben ein Lugen hinter die Kulissen. Schachhistorisch markiert das „Match des Jahrhunderts“ eine Zäsur: Die alten Kämpen Mikhail Botvinnik, Paul Keres, Samuel Reshevsky und Miguel Najdorf werden endgültig zu Schachrentnern (während Viktor Korchnoi 1978 und Vassily Smyslov 1983 noch nach der WM-Krone greifen werden); Bobby Fischer ist nach Jahren der Abstinenz wieder da, scheint zu allem entschlossen und gibt einen Vorgeschmack auf das, was bis 1972 beim ebenfalls „Match des Jahrhunderts“ genannten WM-Kampf in Reykjavik geschehen wird; die alles überstrahlende Figur des internationalen Schachs der 1970er und frühen 80er Jahre wird nicht erwähnt – der Siegeszug des 20 Jahre alten Anatoli Karpow beginnt mit seinem geteilten 1. Rang (mit Leonid Stein) beim Aljechin-Memorial 1971.

      Heute wäre eine bedeutungsschwere Veranstaltung wie jene des „Matches des Jahrhunderts“, wie es griffig genannt wurde, kaum mehr denkbar. Zum einen fehlt das eine dominante Land der Schachwelt; an die Stelle des sowjetischen Monopols ist das Oligopol aus Russland, Armenien, der Ukraine und Georgien, zudem Indien, den USA, Frankreich und China getreten, wie ein Blick auf die Medaillenränge der Schacholympiaden zeigt. Des Weiteren ist die Dichte der (immer jünger werdenden) Spitzenspieler heute unvergleichlich höher als vor fünfzig Jahren, diese messen sich permanent bei Superturnieren und treffen als Legionäre in diversen nationalen Ligen aufeinander. Außerdem stellt sich die Frage der Finanzierung; die FIDE ist dauernd damit beschäftigt, Sponsoren für die WM-Matches und die Olympiaden zu akquirieren, diese sind längst die Familienfeiern des globalen Schachs.

      Nicht zuletzt ist das Zeitalter der Systemkonkurrenz passé. Das Quasi-Vorläufermatch von 1945, der Radiowettkampf zwischen den USA und der UdSSR (4,5:15,5), stand ganz im Zeichen des Wettbewerbs zwischen Kapitalismus und Kommunismus; die Neuauflage des „Matches des Jahrhunderts“ 1984 in London fand nur mehr beiläufige Beachtung (21:19 für die UdSSR), die Perestroika warf bereits ihre Schatten voraus. Und nach Garri Kasparows Niederlage 1997 gegen Deep Blue ist auch der Kampf Mensch gegen Algorithmus uninteressant geworden. Das Belgrader Match von 1970 traf definitiv einen Nerv: Die Partien im Haus der Gewerkschaften wurden von 2.000 Zuschauern live verfolgt, draußen auf dem Marx-Engels-Platz blickten zahllose Kartenlose auf ein großes Demonstrationsbrett. Heute verzücken die global agierenden Großmeister die Kiebitze, wenn sie sie online zu einer Partie Geschwätzblitz fordern.

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      Tigran Petrosian/Alexandar Matanovic: The Match of the Century. USSR vs. World. 50th Anniversary Edition, Belgrad 2020, Sahovski informator. Herausgegeben und überarbeitet von Douglas Griffin und Igor Zveglic (Originalausgabe 1970)